Ich habe den Sperrmüll gerufen. Mit einer ähnlichen Dringlichkeit, mit der andere den Notarzt rufen und das Eintreffen des großen Müllautos hat mich zumindest für einen kurzen Augenblick mit tiefer Befriedigung erfüllt.

Schon seid Jahresbeginn habe ich das tiefe Bedürfniss Ballast abzuwerfen. Ganz Frau habe ich erstmal ein paar Kilos abgespeckt, aber das Projekt wird mich wohl noch das ganze Jahr begleiten – wahrscheinlich ist es ein lebenslanges.

Doch ich spüre, dass um viel mehr geht. Zweieinhalb Jahre sind unsere Zwillinge jetzt. Auch vor ihrer Geburt war unser Leben alles andere als langweilig und tiefenentspannt. Ihr Eintreffen ist wie eine gigantische Riesenwelle über mich hinweggerollt. Ich habe das Gefühl, als hätte ich die letzen drei Jahre in einem Meer aus Chaos geschwommen. Immer tapfer am Paddeln um wenigstens  nicht direkt zu ertrinken. Die Bewältigung des normalen Alltags hat eine solche Energie gefressen, dass mir für alles andere keine mehr blieb. Zu müde um zu schlafen, zu müde um auszugehen, ein Buch zu lesen oder Sport zu machen. Jeden Abend im Bett mit der Negativliste im Kopf, die gnadenlos auflistete, wozu die Zeit wieder nicht gereicht hat. Wieder gebrüllt, immernoch zu dick, immer noch unfit, keinen Kreativblock in das Familienleben geschoben, heute nicht vorgelesen, die logopädischen Übungen vergessen, Einmaleins nicht trainiert usw usw. Die Liste verlängerte sich scheinbar von selbst bis in die Unendlichkeit hinein. Irgendwann wurde mir klar, dass das so nicht funktionieren kann. Ich habe als Allererstes die blöde Liste auf meinen geistigen Misthaufen geworfen und statt dessen führe ich nun eine Dankbarkeitsliste. Ich danke jeden Abend für alles was gut war, die schönen Augenblicke des Tages und waren sie noch so kurz. Für alles, woran ich gedacht habe, für die kleinsten Erfolgserlebnisse und siehe da, auch diese Liste bringt es täglich auf eine ganz beachtliche Länge.

Sie werden größer, die Kleinen. Jetzt gehen sie in den Kindergarten und für drei ganze Stunden am Tag bin ich alleine-sogar auf dem Klo, davon konnte vorher gar nicht die Rede sein. Es ist, als würde ich aus der Sturmflut langsam nach oben kommen. Land ist in Sicht. Und ich schaue, was übrig geblieben ist, räume ein paar Trümmer zur Seite. Einiges ist  zu Bruch gegangen. Sperrmüll hat sich aufgetürmt, einige Freundschaften  haben es nicht überlebt. Das macht mich furchtbar traurig.

Ich habe begonnen, den Haushalt auf den Kopf zu stellen. Alle Kinder helfen mit und ich poche wie ein Feldwebel auf die Erledigung ihrer täglichen Aufgaben. Es gibt einen Karteikasten mit Rezepten und einen mit einem ganzen Monatsregister für zu erledigende Aufgaben. Ich entrümple und räume auf, schmeiße weg und strukturiere. Und ich trauere um alles und jeden der nicht mehr da ist.

Aber es ist eben auch Neuland in Sicht. Nach  dem großen Aufräumen werde ich schauen, was es da so an Wunderbarem zu entdecken gibt. Neue Menschen, neue Ziele. Und was auf jeden Fall bleibt ist diese wunderbare Familie, die ich so sehr liebe.

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