imageGenau zehn Jahre ist es nun her, dass man mir ein feuchtes, wimmerndes Neugeborenes auf die Brust hiefte und ich zum ersten Mal Mama wurde. Nicht nur das Kind wurde neugeboren, sondern seine Eltern gleich mit ihm. Und ich war gut vorbereitet, auf dieses absolute Wunschkind, nach dem wir uns so gesehnt hatten. Immerhin hatte ich einen Hochschulabschluss!  Mit Feststellung der Schwangerschaft wusste ich, was zu tun ist. Ich habe mich in die Materie eingelesen und mir unzählige Ratgeber zu Gemüte geführt.  Schwangerschaftsverlauf, monatliche Entwicklungsschritte des Babies, mögliche Gefahren, Schlafverhalten bei Mutter und Kind, ich war bestens informiert. Furchteinflößende Erstausstattungslisten wurden abgearbeitet, ratgebergemäß die Ratgeber mit in die Kliniktasche gepackt, ein Kinderzimmer mit allem Pipapo eingerichtet-ich war so bereit, wie man nur sein kann. Dachte ich. Und ich irrte mich. Ich hatte nicht den Schimmer einer Ahnung. Manche Dinge kann man nicht aus Büchern lernen, manche Dinge lernt man nur, in dem man sie lebt. Nun lebe ich das Mamasein seit zehn Jahren. Aus dem winzigen Bündel Mensch ist ein toller Junge geworden. Gott sei Dank, wenn man bedenkt, wie ahnungslos wir waren und immer noch sind. Er hat vier Geschwister, was den elterlichen Lernprozess durchaus intensiviert. Und ich durfte tatsächlich einiges in diesen Jahren lernen:

  • fährt man ein Babies im Kinderwagen über Kopfsteinpflaster, dann zerbrechen sie nicht
  • der Älteste zu sein ist super. Man ist derjenige, der alles zum ersten Mal darf, man bekommt neue Kleider und keine geerbten, man ist der erste der eingeschult wird, zur Kommunion geht, die Schule wechselt und jedesmal wird ein Riesenaufriss gemacht
  • der Älteste sein ist ziemlich beschissen. Alles macht man zum ersten Mal in der Familie, man muss Dinge erkämpfen, die die anderen dann als selbstverständlich annehmen, man ist eine Art elterliches Versuchskaninchen, weil die eben auch alles zum ersten Mal machen
  • Babies kosten weniger, als man denkt. Weder brauchen sie 25 Strampelanzüge, noch eine Wickelkommode oder teure Windelentsorgungseimer. Kann man alles kaufen, muss man aber nicht. Das Baby zumindest braucht es nicht. Ihm ist es einerlei, ob es auf der Kommode, auf dem Bett oder auf einer Decke gewickelt wird.
  • größere Kinder kosten mehr als man denkt. Unfassbar was diese Kinder essen können und geradezu unbegreiflich, was man für Schulbücher und Hefte  zahlen soll
  • als Mama kann man überwältigt sein von Liebe und Glück, am Boden zerstört vor Ratlosigkeit, Übermüdung und Sorge, nie alleine und sehr einsam. Und das alles gleichzeitig. Das Leben ist wunderbar komplex und vielschichtig. Und nur selten gerät man dabei ernsthaft in Gefahr, den Verstand zu verlieren
  • schmeisst die Ratgeber auf den Müll und hört auf euer Bauchgefühl!
  • Es gibt nicht „das Kind“ in seinen Entwicklungsstufen, sonder nur diesen einen kleinen Menschen auf seiner ureigenen Lenbensreise. Und die Lebensreisen der Menschen verlaufen nun mal extrem unterschiedlich. Vergleichen nützt niemandem. Reisebegleiter zu sein, ist eine höchst spannende Angelegenheit.
  • Demut,Demut, Demut
  • nicht jedes Kind spielt mit Spielzeug.  Nicht jeder Junge mag Fußball oder Wettkämpfe. Der Großteil meiner Nachkommen ist süchtig nach Geschichten in all ihren Formen. Spiele finden im Kopf oder als Rollenspiele statt. Auch ok.
  • Kindererziehung ist der längste Studiengang der Welt. Ein Ende scheint nicht in Sicht und ob man erfolgreich abschließt, kann man nur hoffen
  • jedes Kind hat seine eigene Sprache. Hat man endlich den Stein der Weisen für ein Problem gefunden,kommt das nächste Kind in eine ähnliche Situation und die Lösung funktioniert garantiert nicht mehr. Die Suche beginnt von vorn.

Ach, ich könnte die Liste beliebig fortsetzen. Ich lerne jeden Tag von und mit diesen fünf Kindern, mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung.image

imageAber jetzt ist September, meine Lieblingsjahreszeit beginnt. Aufbruchsstimmung liegt in der Luft. Für den Großen ein neues Lebensjahr. Ein neues Schuljahr für alle. Für mich liegt Silvester im September. Wenn Stapel von neuen Heften und Büchern auf ihren Einsatz warten und die Mäppchen noch ordentlich befüllt und sauber sind. Wenn nach den langen Ferien die Lust und die Neugier auf Neues greifbar ist. Wenn die Luft klarer wird und die Farben wärmer leuchten. Wenn man sich auf den Alltag freut und darauf, ihn zu gestalten. Ab jetzt lerne ich auch Latein. Und wieder einmal schreiben. Ich darf dabeisein, wenn ein kleiner Mensch anfängt aus Buchstaben Worte zu formen- lesen lernen ist immer wieder aufs Neue ein Wunder. In diesem Sinne wünsche ich allen großen und kleinen Menschen ein gutes neues Jahr und eine unbändige Freude am Lernen

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Und wenn ich genug habe von all der Lernerei mit und von Kindern, dann lerne ich weiter Stricken. Das beruhigt die Nerven ungemein.

Ein Gedanke zu “Ein gutes neues Jahr

  1. Windeleimer sind so ziemlich das Letzte. Unsagbar teuer und sie stinken wie Hölle. Eine teure Wickelkommode hatten wir auch nicht. Es war ein Wickeltisch von Ikea für 25 Euro. Der war recht schmal, wurde Westbindung uns etwas verbreitert und ich glaube seit er 2 ist hatten wir gar keinen mehr. Der Fußboden tut es auch. Ist man bei bekannten daheim gibt es ja auch keinen.
    Ich freue mich auch auf deinen Besuch bei mir!
    xoxo & liebste Grüße 💙
    Sina von https://CasaSelvanegra.com

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