imageEigentlich hatte ich mich total auf diese Woche gefreut. Nach dem ganzen Schulanfangs, Einschulungs und Doppelgeburtstagtheater mit anschließendem Kindergeburtstag sehnte ich mich doch sehr nach einer gewöhnlichen Alltagswoche, ganz ohne Schnick und Schnack. Mein Herz sehnte sich nach etwas weniger überbordenden Emotionen, nach Ruhe und Zeit zum Verarbeiten. Wobei mir natürlich schon klar war, dass das noch ein wenig schwierig werden würde, mit all den Neuerungen im Leben der Kinder. Aber die Aussicht auf ein paar  ruhigeStunden am Vormittag um ungestört das Chaos zu beseitigen, vielleicht ein Tässchen Tee auf dem sonnigen Gartenmäuerchen, ganz in Stille….oh, diese Aussicht hat mich schon sehr beflügelt- ach Quatsch, sie hat mich die ganze irre Woche zuvor am Leben erhalten! Eigentlich…

war ja klar, dass es anders kommen würde… anstatt Wäscheberge abzubauen türmten sich nun zusätzlich Berge von Durchfallwindeln von gleich zwei kranken Kleinkindern. Dauerquengelei und Geheule anstatt der ersehnten Ruhe. Gegen Ende der Woche gesellte sich ein dritter Durchfallbauchschmerkandidat hinzu und komplettiert seither unsere morgendliche Runde. Die Seuche  ist hartnäckig und wird ab und an durch ein kleines Erbrechen ergänzt.

imageBei aller Begeisterung für die Schule brauchte es keine ganze Woche um festzustellen, dass das Schreibenlernen für die ungelenke Kinderhand ein äußerst mühselige Angelegenheit ist. Anstatt teetrinkend die Septembersonne zu genießen üben wir Os zu malen und ich suche Worte der Ermutigung für das Kind, dass unbedingt alles gut machen möchte und an sich selbst verzweifelt.

Die Nachmittage sind voll von all den neuen Schuleindrücken, von erschöpften Kindern, die soviele neue Herausforderungen bewältigen und irgendwie verdauen müssen. Das Auto streikt, Termine können nicht eingehalten werden. Kranke Kleinkinder haben immer noch erstaunlich viel Energie um, wenn sie nicht gerade nölend an mir hängen, Blödsinn zu machen.imageDas Nutellaglas plündern zum Beispiel- ich war nur mal kurz auf dem Klo… Oder die Schultüte des großen Bruders

Gestern suchte ich verzweifelt meine Tochter, die aufgrund eines Missverständnisses nicht zur fünf Minuten Fußweg entfernt wohnenden Mitschülerin ging, um Hausaufgaben zu kopieren, sondern mit dem Fahrrad zu einer anderen fuhr, was fast eine Stunde dauerte. Panik im Mutterherz und endlose Erleichterung, als sie wieder da war. Meinen Schlüsselbund, der sich am Montag scheinbar in Luft auflöste, suche ich dagegen immernoch. Falls ihn jemand gesehen hat?.. Keine Spur von emotionaler Entlastung. Pah! brüllt das Herz, du kannst mich gleich mal gern haben! Ewig dieser Zirkus!

Eigentlich hatte ich mich auf diese Woche gefreut und nun drohe ich im Sumpf zu versinken. Im wahrsten Sinne des Wortes -Gott sei Dank- wurde mir ja der beste Gatte von allen an die Seite gestellt und der ist in der Regel auch sehr klug. Als ich brütend und mein Leid bejammernd neben ihm saß, da erinnerte er mich daran, doch wenigstens für einen kurzen Moment all das anzuschauen, was in dieser Woche geklappt hat. Dinge, die wirklich erstaunlich gut gelaufen sind, obwohl wir anderes befürchtet hatten und die im Schatten der Alltagsmissgeschicke  gar nicht gewürdigt werden. Hmpf, machte ich. Hmpf. Aber, räume ich widerwillig ein, wo er recht hat, da hat er recht. Und bin ich nicht angetreten, um die Schönheit der kleinen Dinge im Alltag wahrzunehmen und zu würdigen? Der Gatte ist ein klassischer“ das Glas ist halbvoll“ Typ. Ich nicht. Und auch wenn er mich damit manchmal entsetzlich nervt, hat er nun mal recht. Also gut.

Es ist immernoch September und ein wunderschöner noch dazu. Man stelle sich eine solche Woche bei Dauerregen und Kälte vor! Unser Großer hat schon Freunde in der neuen Schule gefunden und fühlt sich wohl. Den Schulweg mit Bus, Zug und Fahrrad bewältigt er ganz alleine.Die Eltern seiner neuen Kameraden konnten wir gestern kurz kennenlernen. Sie sind alle ganz sympathisch. Unser Erstklässer hat trotz Schreibenlernens eine großes Freude an der Schule. Er ist unglaublich selbstständig, das erste Kind, das ich nicht von der Schule abholen darf- er fährt Bus von Anfang an. Ich durfte gestern Morgen eine Stunde Drache Kokusnuss in der Hängematte vorlesen und ich fand es sehr schön. Der Gatte und ich haben es sogar an zwei Abenden geschafft eine halbe Stunde durch die Weinberge zu spazieren. Und trotz all dem Chaos hatte ich tolle Gespräche mit meinen Kindern und durfte teilhaben an ihren neuen Leben.imageEin neues Strickprojekt, dass mir viel Freude macht und noch viel wichtiger, auf dessen Ergebnis sich meine Tochter freut, wie verrückt. Wer weiß, wie lange ich sie noch bestricken darf?

Eigentlich war die Woche doch gar nicht so schlecht. Wie immer ist alles eine Frage der Perspektive. Und ich möchte ihn wieder mehr trainieren, den Blick für die Schönheit des Augenblicks, das Besondere im Gewöhnlichen, das große Glück in den kleinen Dingen.

 

6 Gedanken zu “Eigentlich…

  1. Vielen Dank! Das macht mir Mut für diese Woche, in der bei uns die Schule wieder anfängt. Ich plane gerne und fühle mich dann überfordert, wenn nicht alles danach läuft, was sich ja aber nicht vermeiden lässt. 😉 Also übe ich mich darin auch ‚im Moment‘ zu leben und das Schöne darin zu finden. Nicht immer so leicht… 🙂

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  2. Ach wie mir das bekannt vorkommt. So sind wir auch in den Schulalltag gestartet und leider zog das Virus erst aus, nachdem es wirklich alle lahm gelegt hatte. Ich kann es immer noch gar nicht fassen, denn sowas hatten wir ewig nicht. Eigentlich sind die Großen da doch schon gewappnet, aber dieses Mal hatten wir Großen es am schlimmsten, während die Kleinen zwar krank und quengelig waren, aber eben nicht total in den Seilen hängend.

    Alles Gute für euch. Wie schön, das du dankbar sein kannst. Ich muss da auch immer hingelenkt werden. Ich neige auch dazu, zu jammern und alles schlecht zu sehen. Leider. Wäre anders viel einfacher.

    Alles Liebe
    Andrea

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  3. Vielen Dank, habe deinen Artikel gelesen als just in diesem Moment das Terminpuzzle des gerade beginnenden neuen Schuljahres mich zu überwältigen drohte. Ha, die nächsten Elternbriefe bleiben liegen, ich trinke jetzt ein inspiriertes Käffchen auf der Bank vorm Haus ( im Schatten😉) vielleicht macht meine liebe Nachbarin ja mit,

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