imageVor zwei Tagen lag sie m Briefkasten, die neue „Family“. Mein Schlüssel ist immernoch weg und ich musste sie mithilfe einer Grillzange aus dem Kasten operieren. Diese winzige Widrigkeit konnte  meine Vorfreude aber in keinster  Weise schmälern (nach einer Woche ohne Schlüssel bin ich im Umgang mit der Grillzange recht versiert). Ich freue mich immer so sehr über diese Zeitschrift, weil sie mir nicht nur interessantes Lesefutter bietet, sondern weil ich mit ihr ganz besondere Momente verbinde.

Abonniert haben wir das Heft eher zufällig, weil ich im Internet nach einem Probeabo einer ähnlich lautenden Zeitung suchte und sie glatt verwechselte. Probe abo bestellt und auch direkt wieder vergessen. Es war zur gleichen Zeit, als ich an einem Frühlingsmorgen unser Auto geschrottet hatte. Außer dem Auto blieben alle Insassen unverletzt, aber an diesem Morgen früh um acht, auf dem Weg zur Logopädin mit drei Kindern im Auto, wurde mir schmerzlich bewusst: ich konnte nicht mehr. Ich war müde und überfordert, mit meinen Zwillingsbabies, meinem Mädchen, das sich in der Schule nur schwer eingewöhnen wollte, meinem Großen, der ein hohes Maß an Input forderte, meinem Mittleren, der nicht nur zweimal pro Woche zur Logopädin musste, sondern auch zum Ergotherapeuten. Immer früh am Morgen, immer die Babies im Schlepptau. Der beste Gatte von allen war beruflich mehr als eingespannt, ich war schlicht am Ende meiner Kräfte, konnte kaum schlafen und musste mir zähneknirschend eingestehen, dass ich Hilfe brauchte.

Ich suchte eine Hausarztpraxis auf, schilderte die Lage und bat um einen Antrag auf Mutter-Kindkur. Mein Gegenüber starrte mich entgeistert an. Fünf Kinder, in diesem Altersabstand, das ginge gar nicht. Äh, tja, geht doch, sie sind ja da und mein Ein und Alles. Ich brauchte nur eine klitzekleine Pause. Mein ärztliches Gegenüber blieb uneinsichtig und stellte fest, ich bräuchte keine Mutt-Kind-Kur sondern zwei Krippenplätze und eine anständige Arbeit. Ich weiß, ich hätte empört aufschreien sollen, ich weiß, ich hätte einfach einen anderen Arzt aufsuchen sollen, aber ich konnte nicht. Dieser Gang hatte mich soviel Überwindung gekostet und mehr ging nicht. Ich schlich betreten nach Hause, setzte mich auf das Bänkchen in unserem Garten und war ratlos.

imageUnd im Kasten lag mein Probeabo von der Family. Ich holte es raus, begann zu blättern, las mich fest. Unfassbar, da schrieben Menschen genau in meine Lebenssituation hinein, in ungekünstelter Sprache, kein Lifestyle, aber jede Menge echtes Familien und Eheleben. Ich musste an einigen Stellen lachen, oft    aber einfach innehalten und Gelesenes verdauen. War es möglich, dass es noch mehr Familien wie die unsere gab?  Familien, die sich durch ihren Alltag kämpften, eine christliche Erziehung ihrer Kinder versuchten und ab und an an Grenzen stießen? Und der endgültige entscheidende Unterschied zu anderen Familienmagazinen: alles wurde in einen größeren Zusammenhang gestellt. Gott kam ins Spiel, ohne dass es mich unangenehm berührt hätte. Und dort auf meinem Bänkchen hatte ich ein echtes Aha-Erlebnis. Zwölf Semester Theologiestudium, vier Jahre Pastoralkurs, all die Jahre in Jugendarbeit und Seelsorge und ich war nie auch nur auf die Idee gekommenen, meinen himmlischen Vater um Hilfe zu bitten. Als Katholikin hatte ich das Beten im Alltag nicht gelernt. Vielleicht lag es auch einfach an mir. Ich hatte nicht verstanden, dass Gott vor allem diesen Alltag mit allem Krummen und Schiefen will und nicht nur den Sonntagsbesuch in der Kirche.

Und in meinem Garten mit dieser Zeitung in der Hand konnte ich zum ersten Mal seit langer Zeit richtig und von Herzen beten.   Und Mut fassen. Ich fühlte mich getröstet und gar nicht mehr so allein.

Seit dem ist einige Zeit vergangen und vieles hat sich für mich persönlich verändert, auch wenn sich an den äußeren Umständen rein gar nichts getan hat. Das Leben mit unseren fünf Kindern und einem vielarbeitenden Mann (da findet sich in der aktuellen Ausgabe übrigens ein ganz ausgezeichneter Artikel zu diesem Thema…) ist immernoch turbulent und manchmal ziemlich aufreibend. Aber meine innere Haltung ist eine andere. Ich weiß jetzt, an wenn ich mich wenden kann. Und es tröstet mich ganz ungemein, dass es andere Familien, andere Mütter in ähnlicher Lage gibt, auch wenn ich sie nicht persönlich kenne.

Die Family ist eine liebgewonnene Freundin geworden und zugleich eine regelmäßige Erinnerungsstütze. Natürlich spricht mich nicht jeder Artikel an, das wäre ja auch seltsam. Manches befremdet mich als Katholikin sogar, aber die Christin, Mutter und Ehefrau in mir fühlt sich gefüttert. In Zeiten, in denen das geistliche Leben einfach zu kurz kommt, ist das eine wertvolle Stütze, für die ich schlicht dankbar bin.

13 Gedanken zu “We are family

  1. Wow!! Ich freu mich, deinen Blog entdeckt zu haben. Und ich wünsche dir Kraft. Viel Kraft und den Mut dich beschenken zu lassen. Auch mit Auszeiten. Ganz viel Segen für dich und deine Familie!

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  2. So großartig Deinen Blog heute gefunden zu haben. Allein der Artikel über die Family spricht mir aus dem Herzen. Ich werde mal weiterstöbern durch Deine Bloggedanken Und freue mich grad zumindest schon mal familiär so einige Parallelen zu finden: wir haben auch fünf Kinder, davon drei Einlinge (Jungs 12 und 6 und ein Mädchen 7 und grad Zwillinge mit knapp 1 Jahr). Ebenso ist mein Mann selbst und ständig unterwegs und die Nummer mit der Kraftlosigkeit aktueller denn je. Und die Family habe ich bis gerade auf dem Wohnzimmertisch ignoriert, werde aber gleich bei einem leckeren Kaffee mal ‚tanken gehen‘ 😉. Danke Dir für Deine Gedanken und alles Gute!!!

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  3. Unglaublich, was ein paar Zeilen im Monat für einen Effekt haben können, oder? Ich lese mein Family-Exemplar am liebsten auf dem Balkon, wenn das (eine!) Kind gerade eingeschlafen ist und sich hier in der Straße langsam die Feierabendstimmung ausbreitet und alles so friedlich wird. Meist sind es nur 1-2 Artikel, für die ich mir die Zeit gönne, aber es geht mir ähnlich wie dir. Ich hoffe, du verlierst nie die Kraft! Alles Gute für euch.

    P.S.: Falls du bei mir reinlesen möchtest: https://familiereinicke.wordpress.com/

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  4. Hallo Du Liebe,

    Mein Mann schickte mir heute morgen per whats App den Link zu deinem Blog. Er hatte ihn von der Family geteilt gesehen und entschieden, dass das genau das Ruchtige für mich sei. Wir seien ja in ganz ähnlichen Situationen. Ja und so ist es.

    Ich lese dich hier und lache vor mich hin. Mir ging und geht es mit der Family genauso. Ich bin auch Katholikin und habe das Beten im Alltag nicht gelern. Auch mir hat die Family und die Bücher von Bianka Bleier, Maria Lang etc so sehr die Augen geöffnet und sind mir eine so große Hilfe in meinem so turbulentem Alltag .

    Ich denke gerade wieder über eine Kur nach. Aber in einem christlichen Haus und unter anderem Vorzeichen und sicher bin ich auch noch nicht .

    Danke ! Ich werde dir gerne folgen und dich lesen.

    Solltest du oder jemand anders hier in meinen Alltag lesen wollen, müsst ihr mich anmailen. Mein Blog ist nicht öffentlich. Das hat in unserem kleinen Dorf leider nicht funktioniert.

    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Hallo!
    Habe gestern deinen Artikel in der family gelesen und gleich mal nach deinem blog geschaut. Ich habe mich so quer durchgelesen und manche Situation gleich wieder erkannt: auch ich habe das Vergnügen jeden Mittag Hausaufgaben mit einem Kind der ersten, dritten und fünften Klasse machen zu dürfen. Da hilft Gelassenheit und immer mal ein Stoßgebet. Gott sei Dank haben wir Hessen noch Herbstferien. Wenn du bei euch die Weinberge hochkletterst, kannst du uns winken…wir wohnen nämlich direkt über den Rhein im nächsten kleinen Ort. In deinem Artikel hast du geschrieben, dass du ermutigt wirst von anderen Familien aus der Family. Ähnliche Familien (auch uns 😉 kannst du in der ev. Stadtmission Oppenheim treffen. Sonntags zum Gottesdienst mit Kindergottesdienst in drei Altersgruppen oder bei anderen Veranstaltungen (schau doch mal auf die Homepage). Wir sind zwar nicht katholisch, haben aber doch den selben HERRn!!! Vielleicht trifft man sich ja mal dort 🙂
    LG Katja

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