Diese Woche hat es echt in sich. Es ist eine von der Sorte, wo man am Freitag schwer in Versuchung ist, den Kopf auf den Tisch fallen zu lassen um entweder kräftig zu heulen, hysterisch zu lachen oder sofort vor Erschöpfung einzuschlafen.

Zu den Highlights gehörten

  • eine sehr schmerzhafte Muskelzerrung meiner Tochter, die uns eine schlaflose Nacht und unruhige Stunden kostete
  • eine Autopanne direkt vor dem Kindergarten. Um zehn vor Zwölf gab das Auto nicht den leisesten Mucks mehr von sich. Ich hatte fünf Minuten um mit meinen Zwillingen nach Hause zu gelangen, bevor mein busfahrender Erstklässer vor der Haustür stehen würde. Fünf Kilometer vom Kindergarten entfernt.
  • Rückenschmerzen. Und zwar in meinem Rücken. Am Morgen krieche ich aus dem Bett wie ein Käfer kurz vor der Rente
  • ein zugfahrendes Schulkind, das drei Haltestellen von zu Hause entfernt plötzlich ein Bedürfnis nach frischer Luft verspürte ( ja wirklich, das waren seine  Worte: ich wollte nur kurz frische Luft schnappen….). Er stieg aus, der Zug fuhr weiter ohne ihn, aber dafür mit dem Schulrucksack nebst Fahrradhelm, Schulbücher, Spindschlüssel usw
  • ein Anruf bei der Deutschen Bahn, bei dem wir erfuhren, dass man da leider gar nichts unternehmen könne, aus Prinzip nicht. Fundsachen, die am Abend noch im Zug lägen, würden von der Putzkolonne rausgeholt. Ich begann im Kopf kurz den Wert der einzelnen Sachen zu addieren, vom Rucksack, über den neuen Füller, den Fahrradhelm und das Lateinbuch usw usw Als ich bei knapp dreihundert Euro angekommen war, ließ ich das Rechnen sein. Mir war übel.

Oh ja, wenn ich es recht bedenke, dann hätte ich allen Grund wenigsten ein kleines bißchen zu heulen, oder hysterisch zu lachen…tue ich aber nicht. Denn diese Woche hat es echt in sich.   Sie bot mir:

  • eine hilfsbereite Hausärztin, die mein Kind einschob und zwar ohne Wartezeit. Eine Nachbarin, die dankenswerter Weise auch Osteopathin ist und eine Behandlung bei sich zu Hause anbot. Das nenne ich mal unkomplizierte Hilfe. Meiner Tochter geht es besser.
  • eine Mutter, die aus dem Kindergarten eilte, die Lage überblickte und mich ohne große Worte samt meiner Zwillinge und dem Zwillingskinderwagen in ihr Auto verlud und nach Hause fuhr. Sie war meine Rettung. Der Erstklässer stand keine fünf Minuten alleine vor der Tür.
  • eine Autowerkstatt, deren Mitarbeiter für mich kurz vor der Heiligsprechung stehen ( schon seit damals, als sie das Auto aus unserem Carport abschleppten, weil ich es geschafft hatte, mir im Carport den Reifen kaputt zu fahren!!) Sie kamen zu mir nach Hause, holten meinen Autoschlüssel, fuhren zum  Kindergarten und retteten mein Auto. Am Nachmittag parkten sie es ordnungsgemäß in meinem Carport. Die Wintrerreifen hatten sie auch noch schnell draufgezogen.
  • einen Zehnjährigen, der Mist gebaut hatte und nachdem er mich darüber informiert hatte, stieg er in den nächsten Zug, ginge nach vorne durch bis zum Lokführer. Er schilderte seine Lage, bat um Hilfe und vergaß auch nicht unsere Telefonnummer weiterzugeben. Ich bin immer noch sprachlos vor soviel Mut und Lösungskompetenz
  • zwei Lokführer. Der eine funkte den anderen an. Und der ging durch den Zug bis nach hinten, fand tatsächlich den Rucksack und brachte ihn zum Reisezentrum im Bahnhof. Dann rief bei uns an, um zu sagen, wo wir das Ding abholen können. Ich fuhr die dreißig Kilometer in die fremde Stadt und kehrte mit Rucksack wieder heim. Wirklich, ich danke diesen beiden unbekannten Menschen von ganzem Herzen für ihre patente Hilfsbereitschaft !  Vor allem seit ich weiß, dass sie damit gegen Dienstvorschriften verstoßen haben. Und meinem reumütigem Kind fielen die Alpen vom Herzen.
  • eine liebe Freundin, die jetzt Freitagsmorgen mit mir zum Schwimmen geht. Da gibt es dann keine faulen Ausreden. Aber Bewegung und Zeit zum Plaudern. Mein Rücken und auch mein Herz danken es ihr.

Ich bin K.o. von all den kleinen Dramen, die die letzten Tage für uns bereithielten. Aber ich bin auch komplett überwältigt, auf wieviel Hilfsbereitschaft und Freundlickeit ich gestoßen bin. All diese Menschen sind echte Alltagshelden und wenn wir alle in diesem Maße freundlich zueinander wären, um wieviel heller und freundlicher wäre die Welt?

Nein, ich lasse meinen Kopf nicht auf die Tischplatte sinken, stattdessen entschließe ich mich einmal mehr zur Dankbarkeit. In diesem Sinne wünsche ich ein gutes, entspanntes Wochenende ohne nennenswerte Dramen.

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Alle bauen mit, an der Freundlichkeit der Welt….

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