Eigentlich sollte ich nicht hier sitzen und schreiben. Ich sollte mich durch die Überreste eines übervollen Wochenendes   kämpfen, Duplosteingebirge abtragen, Wäsche sortieren, Wollmäusen jagen und einen Wust von Frischgemaltem entsorgen. Die to-Do-Liste ist genauso übervoll, wie es das Wochenende war. Stattdessen nehme ich mir die Freiheit und ignoriere das Unordentliche noch ein wenig länger. Weglaufen wird es nicht, da bin ich mir relativ sicher. Und was ist letztlich wichtiger für das Wohlbefinden- ordentliche Kinderzimmerfußböden oder ein hübsch sortiertes Gehirn? Eben…

Letzte  Woche hörte ich von einem klugen Mann (ausnahmsweise mal nicht der meinige…), dass er traurige Gedanken faste. Und wie schwer diese Herausforderung für ihn sei. Immer wieder stehe er in der Gefahr,  nur die dunklen und schwierigen Seiten des Lebens zu sehen und sich den Blick für das Gute und Schöne, für Gelungenes und die Freude verstellen zu lassen. Der kluge Mann ist Priester und damit Tröster von Berufswegen, die traurigen Geschichten bekommt er quasi täglich frei Haus geliefert. Bei vier Beerdigungen in der Woche ein frohes Gemüt zu bewahren  ist schon eine ganz eigene Kunst.

Ich bin kein Priester, verbringe meine Zeit nicht zu wesentlichen Anteilen auf Friedhöfen und bei Trauergesprächen, bin nicht täglich mit dem Leid der Menschen konfrontiert. Aber die Gefahr, sich den Blick auf die Schönheit des Lebens durch eine Übermacht trauriger oder vielmehr sorgenvoller Gedanken rauben zu lassen, kenne ich nur zu gut. Sie kommen und wachsen sich zu einem Riesengebirge aus. Eine wahre Meisterin bin ich mittlerweile im befürchten, sorgen und ängstigen. Was das angeht, bin ich sozusagen im Ganzjahresfastenmodus, denn ich übe und übe und übe gleichzeitig dagegen an. Ich werde auch nicht aufhören zu üben, denn das Leben ist doch einfach zu schön und zu kostbar, um sich die ganze Zeit zu sorgen. Es ist ein Einüben in das Loslassen von Sorge und in das Vertrauen in Gott und das Leben. Die Sorgen kommen trotzdem, jeder Tag hat so seine eigenen und die, die ich mir um meine Kinder mache, wiegen am schwersten. Aber wie groß ich sie wachsen lasse und wieviel Raum ich ihnen verschaffe, liegt zu einem guten Teil an mir selber. Lasse ich sie übermächtig werden, dann habe ich keine Auge mehr für die Schätze des Alltags und alles wird quälend und mühselig.  Ich habe mich auch schon ganz schön oft umsonst gesorgt (relativ häufig sogar, wenn ich es recht bedenke) und dabei auch ganz schön viel übersehen, was da an Kostbarkeiten den Tag entlang wuchert.

In diesen Tagen wollen diese Kostbarkeiten nicht mehr übersehen werden, sie drängeln sich in Auge und Ohren, wollen wahrgenommen und gefeiert werden. Warme Sonnenstrahlen im Gesicht. Blauer, klarer Himmel über mir, vorwitzige Krokusse und Schneeglöckchen im Garten. Der erste Tee draußen in meinem Liegestuhl. Kinder, die es nach draußen drängt und die seltsam genügsam werden, wenn sie einfach nur raus dürfen. Ein Plätzchen an der Sonne, ein paar Spielkarten, eine Schaufel. Mehr braucht es nicht. An solchen Tagen fällt das Sorgenfasten leichter, sie halten sich vornehm an der Peripherie des Tages auf und nur ab und an hebt eine mahnend den Zeigefinger. Und ich tanke auf und atme durch, dankbar für alles, was mich umgibt.

Ich wünsche dem klugen Mann so sehr, dass sein Fasten erfolgreich sein möge, denn es wäre doch zu schade, um all die guten und warmen Gedanken, die einen Tag auch füllen sollten. Und es scheint mir um so vieles sinnvoller und sinnstiftender, als der Verzicht auf Schokolade. Durch Zufall bin ich in unserem Bücherregal über ein kleines Büchlein gestolpert, „Im Meer schwimmen Krokodile“ von Fabio Geda (wie lang steht es da schon rum und warum habe ich es nie gelesen?). Die wahre Geschichte eines kleinen Jungen, allein auf der langen Flucht und Odysee von Afghanistan nach Europa. Völlig unpathetisch erzählt, ohne jede Lust am Grauen, gerade deshalb so bewegend. Und auf jeder Seite schimmert etwas durch, von der Schönheit des Lebens, trotz übelster Umstände. Es bestärkt mich ungemein darin, weiterzuüben, jeden Tag auf ein Neues. Ängste und Sorgen dürfen nicht die Bestimmer sein. Vielleicht wird es ein lebenslanges Fastenthema. Denn dieses Einüben ist gleichzeitig der Nährboden für Dankbarkeit und Zufriedenheit.

imageNa gut, dieses Spiel passt jetzt nicht ganz zum Thema, aber wirklich- es ist so lustig. Wenn ihr etwas wirklich lustiges spielen wollt, dann Bitteschön. Latrinenbesitzerin im Alten Rom, das wollte ich schon immer mal sein.

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