Letzten Sonntag besuchte ich den Gottesdienst und teilte die Kirchenbank unter anderem mit drei Kommunionmädchen. Brav und still saßen sie da nebeneinander, mit einer  von ihnen bin ich persönlich verwandt. Der Wortgottesdienst begann und er ging weiter und er ging weiter. Es gab viel vorzulesen und noch mehr zu sagen, alles in einer Stimmlage. Hin und wieder rieb sich jemand die Augen, verstohlenes Gähnen rechts und links neben mir, ab und an scharrte jemand mit den Füßen. Ansonsten Stille und viel Raum für die zahlreichen Worte, die da gelesen und gesprochen wurden. Plötzlich hörte ich neben mir ein kleines Glucksen. Da- da war es schon wieder. Das Glucksen wurde langsam mehrstimmig. Ein Prusten gesellte sich dazu. Ich drehte den Kopf und sah die Mädchenfäustchen, die sich gegen dazugehörige Kindermünder pressten, im ehrenvollen Bemühen aufzuhalten, was nicht mehr aufzuhalten war. Rechts und links an den Fäustchen vorbei kullerte und quiekte es hervor, ein Kichern, dass kein Halten kannte, eines von der Art, das Bauchweh macht und Lachtränen fließen lässt. Kicheritis in ihrer reinsten Form, wunderbares, herrliches Mädchenprusten- Lebensfreude brach sich Bahn durch die ermüdende und erstarrte Stimmung im Kirchenraum. Ach und wer wollte es ihnen verdenken? Ich schickte mahnende Blicke und war selbst stark in Versuchung mich von diesem Mädchenlachen einfach hinreißen zu lassen und hemmungslos mitzukichern. Die Herrschaften hinter mir trugen breites Grinsen, die Erleichterung, dass endlich wieder Leben zu spüren war, war greifbar. Manchmal glaube ich ja, dass mein himmlischer Vater da oben in der Ewigkeit den Kopf  über uns schüttelt, wie wir mit ernsten, müden Gesichtern dasitzen und Gottesdienst eher erdulden, als ihn zu feiern. Und vielleicht hat er gerade an diesem Sonntagmorgen gedacht: schauen sie denn gar nicht raus?!

Denn  Lebenslust lässt sich nicht aufhalten, jede einzelne Knospe ruft es uns entgegen, jedes grüne Blättchen und jedes Vogelzwitschern. Der Winter hat nicht das letzte Wort, die Dunkelheit siegt nicht. Spatzenkarawanen trotzen dem grauen Himmel, pfeifen es mir entgegen, hüpfen und sind fröhlich. Das Leben bricht sich neue Bahn, der neue Frühling kommt. Mädchenlachen und Kirschbaumblüten, wuchernde Rosenzweige    und das Singen der Amseln, es ist, als wollten sie das Ostergeheimnis schon mal vorwegnehmen und rufen : Hurra Leben! Sieh doch nur hin! Und vergiss nicht, dich zu freuen!

Polenta und Risotto ( lasse ich vom Gatten kochen, das ist das Beste daran…) – freue dich!

Nachmittagspicknick im Garten- freue dich!

Endlich wieder nach Herzenslust Basteln und Kleistern- freue dich!image

Frisch gebackenes Brot  und dieser unfassbar leckere Salat-  freue dich!

Familienzeit und tatsächlich ein Sonntag ohne Arbeit- freue dich!image

Ja, ich freue mich! Gestern durfte ich meinem Grüppchen Kommunionkindern, die langsam aber sicher auf die Zielgerade einbiegen, vom Karfreitag erzählen.  Sie hörten die Leidensgeschichte Jesu, ganz ohne jedes Kichern. Am Ende ließ ich sie Blumensamen in kleine Töpfchen pflanzen, tief in dunkle Erde. Und ich fragte sie: und ? Ist jetzt alles aus? War alles umsonst? Erkenntnis breitete sich auf ihren Gesichtern aus. Das Leben siegt!

Und worüber freust du dich?

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