Schwups, da sind sie auch schon rum, die lang herbeigesehnten Ferien. Obwohl wir wenig unternommen haben, waren sie doch vollgestopft mit Eindrücken und Erlebnissen, mit Osterfeierlichkeiten und Krankheiten, mit Spielen und der Sichtung von Liegengebliebenem, mit Ausruhen und Durchschnaufen, mit Anlaufnehmen für die letzte Runde vor dem Sommer. Jetzt sind alle aus dem Haus und die eingekehrte Stille ist noch ein wenig ungewohnt, aber nicht unangenehm, keineswegs. Ich sortiere immer noch die Wäsche und die Gedanken der letzten Tage. Buntes und Weißes. Erlebtes und Gesehenes. Und stelle fest, dass

  • nach den Ferien eben auch vor den Ferien bedeutet. Der lange Sommer wartet um die Ecke und winkt uns unter zu Hilfenahme aller Feiertage schon mal freundlich zu. Sehr nett von ihm. Und damit kein falscher Eindruck entsteht: ich mag und brauche auch Alltag. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die meinen, dass das Leben nur an Wochenenden und im Urlaub lebenswert wäre, nein wirklich nicht. Aber das Wissen, dass nach intensiven Phasen auch wieder ruhigere kommen, dass nach der Arbeit eine Pause wartet, auf die Anspannung auch die Entspannung folgen darf, erleichtert doch manches und beruhigt ganz ungemein
  • nach dem Stopp vor dem Stopp ist. Am Wochenende reisten wir nach Bayern zur Erstkommunion unserer Nichte. Der Gatte hatte auf wunderbare Weise mitgedacht- er kennt uns halt doch ganz gut….und so weiß er, dass wir eher mittelmäßige Autofahrer sind. Wir werden schnell nölig, besonders diejenigen von uns, die unter zehn sind. Nach zweieinhalb Stunden Stopp in Pfortzheim, direkt an der Autobahn ein wunderschöner Wildpark, familienfreundlich, da man nur die Parkgebühr für das Auto zahlt. Danke! Picknick und zwei Stunden Ausgleichsauslauf und die Fahrt konnte  ohne Geheule weitergehen. Nächster Stopp: eine bayrische Stadt im strömenden Regen
  • nach dem Rumms vor dem Rumms ist. Wir bezogen die ausgewählte Jugendherberge, die auf ihrer Internetseite unter anderem mit Familienfreundlichkeit warb. Das ist sie nicht. Ein aberwitziges Schlüsselkartensystem, fehlende Ausstattung, Lärm und Gegröle über die ganze Nacht, der Charme eines Sechziger Jahre Kreiskrankenhauses zu echt saftigen Preisen. Um 18.15 Uhr teilte man uns lapidar mit, dass es das von uns zwei Tage zuvor telefonisch angefragte Abendessen nicht geben würde. Die Küche sei zu. Eine uns fremde bayrische Stadt, es schüttete wie aus Eimern, fünf übermüdete Kinder und Hunger. Nach einer halben Stunde fand sich der Ableger einer Pizzakette. Wahrscheinlich sah das Rudel nasser und hungriger Wölflein so erbarmungswürdig aus, dass die Bedienung uns auch ohne Reservierung einen Tisch zuwies. Und oh ja- es rummste. Der Gatte ist sehr langmütig und freundlich- da war er es nicht mehr. Das Entscheidende an der Episode: der Chef des Hauses war gar nicht da und nach zwei Telefonaten am Montagmorgen hatten wir eine Entschuldigung und einen Preisnachlass von fünfzig Prozent. Merke für den nächsten Rumms: die meisten Dinge lassen sich klären und wieder in Ordnung bringen, so lange alle Beteiligten gesprächsbereit bleiben. Wir würden zwar nicht mehr hinfahren, aber wir sind auch nicht mehr ärgerlich.
  • nach dem Verlust vor dem Gewinn ist. Als Sahnehäubchen für unsere grässliche Jugendherbergsnacht stellten wir fest, dass unser Jüngster seinen heißgeliebten Schnuller samt Schnullertuch unterwegs verloren hatte. Völlig übermüdet schlief er irgendwann ein. Die nächste Nacht zu Hause hatte er nur ein angebissenes Exemplar. Heldenhaft warf er es am Montag in den Müll. Mit Pipi in den Augen erklärte er mir: „Ich schaffe das!“ Erste Schritte sind ja meistens schnell und leicht gegangen. Gestern Mittag brach er weinend zusammen, überwältigt von Trauer und Schmerz. Weinend erklärte er mir: „ich schaff das nicht!“ Ich saß an seinem Bett, hielt seine Händchen  und litt mit ihm. „Doch“, sagte ich, „Doch. Du schaffst das. Jetzt hast du schon soviel geschafft“. Und siehe da. Gestern Abend war das Ding kein Thema mehr. Was für ein Gewinn! Wie oft klammere ich mich an Dingen fest, die mir scheinbar Halt und Trost geben? Anstatt auf die Stimme zu hören, die mir sagt: du schaffst das. Ich bin hier. Und ich lasse dich nicht allein.
  • nach dem Fest ist vor dem Fest. Wir haben das bayerische Erstkommunionkind gebührend gefeiert. Ich beobachtete mein Mädchen und wie ihr langsam die Erkenntnis dämmerte, dass es keine zwei Wochen mehr dauert, bis zu ihrem Festtag. Die Aufregung steigt. Auch bei mir. Letzte  Nacht um drei Uhr hatte ich plötzlich die Erkenntnis, dass es gar nicht auf all die hundert Details ankommt, die mein Hirn heißlaufen lassen. Für den Augenblick, auf den es an diesem Tag wirklich ankommt, sind Essen, Festtagskleidung, Geschenke und Gäste völlig unerheblich. Sogar wir Eltern. Der, auf den es ankommt, der macht das ganz ohne mein Einmischen. image

Immer und immer wieder stelle ich fest, dass jede Geschichte zwei Seiten hat. Oder drei oder fünfzig. Es gibt immer ein danach und ein davor. Nichts und niemand steht für sich allein. Ein riesiges Wimmelbild und ich werde nicht müde, es zu studieren.

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