Nach einer Idee von Veronika Smoor

Heute Morgen habe ich einen Rüffel vom Papst bekommen. Nein, er hat mich natürlich nicht persönlich angerufen, ich habe den Rüffel aber höchstselbst aus der Zeitung entgegengenommen. Dort stand nämlich zu lesen, dass der Hl Vater an der Tür zu seiner Unterkunft ein Klage und Jammerverbot anbringen ließ. Lamentieren und Nölen, insbesondere in der Gegenwart von Kindern, sei nicht erwünscht und begrenze den Menschen nur, anstatt ihn Lösungen finden zu lassen. Ich bin mir tatsächlich sicher- der Rüffel gilt nicht nur Kurienkardinälen, die auf eine Runde gepflegte Pienserei beim Chef vorbeischauen wollen. Nein, nein- ich fühlte mich, den Müslilöffel noch in der Hand, auf frischester Tat ertappt. Seit Tagen leide ich unter akuter Jammeritis und das trotz der ersehnten Sommerferien und (mal abgesehen von Grasmilben und einem rätselhaften Handausschlag) stabiler familiärer Gesundheit. Der Sommerflow im Herzen will sich einfach nicht einstellen, das Wetter nervt mich, wenn das Außen ruhiger wird, dann wird das Innen lauter und ich will es nicht immer hören. Müdigkeit bricht sich Bahn, statt des erhofften Tatendrangs. Außerdem fürchte ich, dass eine Dynastie von Fliegen bald die Alleinherrschaft in unserem Haus übernehmen will, aus heiterem Himmel plumpsen sie in den Tee oder in den Guß vom Schokokuchen, sie sind wirklich zu allem bereit. Naja, alles in allem also Jammern auf höchstem Niveau und sogar der Papst scheint es zu wissen. Höchste Zeit sich am Schlappen zu reißen und damit aufzuhören, sich den Sommer selber zu vergällen, nur weil der nicht so freundlich ist, sich meinen Idealvorstellungen anzupassen. Höchste Zeit also, um mal wieder auf die zehn Dinge zu schauen, die mich in der letzten Woche getragen haben, die schön waren, die gelungen sind. And here we go:

1. Ein Abendessen mit meinen Kindern in den Weinbergen. Rucksack auf, Brezeln, Käsewürfel, Würstchen und ein wenig Wein (für mich, nicht für die Kinder) hinein, ein halbstündiger Marsch bergauf und die Aussicht aufs Paradies genießen. Manchmal ist das Glück sehr simpel gestrickt.

2. Ein Sechsjähriger, der jetzt sieben ist. Die Geburtstage meiner Kinder stimmen mich immer ein bißchen sentimental, aber vor allem dankbar und froh. Und dieser wurde gefeiert, wie es sich gehört. Mit Ausflug zur Burg, Picknick und Schokoladenkuchen. Mit Besuch, Fußballspielen und Lagerfeuer. Perfekt.

image3. Das perfekte Geschenk zu diesem Anlass kam nicht von seinen Eltern, sondern von seinen beiden älteren Geschwistern. Ein Tischkicker, der funktioniert. Viel Arbeit steckt in diesem Geschenk, bestehend aus einem alten Umzugskarton, etwas Papier, Farbe und einigen Rundhölzern. Und viel Liebe. Perfekt eben.

4. Unser zwölfter Hochzeitstag, der zu wenig gefeiert wurde. Wir feiern ihn immer zu wenig, denn wir sind  so sehr mit Geburtstagfeiern beschäftigt. Aber zu wissen, dass man an diesem Tag, vor zwölf Jahren, genau die richtige Lebensentscheidung getroffen hat, und dass man sie genauso wieder treffen würde, ist wirklich toll, sehr beruhigend und legt nochmal eine große Schippe Dankbarkeit obenauf. Damals wie heute gilt: Ubi  caritas et amor ibi deus est.

image5. Ruhepausen. Hin und wieder ist es mir diese Woche gelungen. Und dann baumelten wir in der Hängematte. Oder ich lag im Liegestuhl. Sogar ein paar Seiten lesen war möglich. Ich ignorierte Unordnung und To do Listen. Der Unordnung und den Listen war es egal. Den Kindern auch. Also, was soll’s?

6. Gut, es war kein Poolwetter. Aber Zeit zum Werkeln und Basteln mit den lieben Kleinen. Jetzt ist der Jutebeutelvorrat wieder aufgestockt und ich habe endlich einen Stoffbeutel für unser Brot. Von kleinen Kinderhänden mit Korken handgestempelt. Ich hoffe, dass ist ethisch vertretbar.image

7. Jede Menge Besuch. Kinderbesuch. Die ursprüngliche Kinderzahl saß selten am Tisch. Aber ich freute mich darüber, dass unsere Kinder Freunde haben. Noch ein Schäufelchen Dankbarkeit. Und zum Helfen fand sich eigentlich auch immer eine kleine Hand.image

8. Himbeereis nach Linda Lomelino. Ohne Worte

image9. Dieses Buch, gefunden in der Bücherei. Das Vorgängerbuch über das Leben eines Wikingerjungen haben wir letzten Sommer vorgelesen und es wurde heiß geliebt. Die Bilder sind unglaublich eindrücklich. Gar nicht so einfach ein Buch zum Vorlesen zu finden, das mehrere Altersklassen gleichermaßen fesselt.

10. Ich darf packen. Das ist immer wieder Irrsinn. Aber: wer packen darf, der darf auch verreisen! Die Vorfreude steigt. Vor dem Abenteuer steht die Herausforderung des Zeugzusammensuchens für Sieben. Kann ich mittlerweile ganz gut. Deshalb dieses Jahr für Fortgeschrittene: sieben Menschen, zwei Wochen, ein Sharan, keine Dachbox (der Schlüssel war an meinem Schlüsselbund, den ich nun seit fast einem Jahr suche…) Also übe ich auch die Kunst des Weglassens. Getrost zu Hause bleiben dürfen: Windeln (hurra!), deutsche Funktionskleidung aller Art (wie gut, dass wir gar keine besitzen, ha!- alles richtig gemacht!), der Zwillingswagen (sie verfügen beide über ausgezeichnet funktionierende Beine und Füße, also bitte.  Für den Notfall hat der Gatte ausgezeichnet funktionierende Schultern), lange Hosen, warme Jacken, Strümpfe (das ist Italien!) und Essensvorräte (das ist Italien!!!). Irgendwie mit müssen: gefühlte drei Tonnen Buch, Kuscheltiere (pro Kind nur eins, das macht…), ein Fußball (unfasslich), die Hängematte (lässt sich auf Regencapegröße zusammenfalten und zählt damit gar nicht richtig). Ich bin sicher, dass wird. Bestimmt.

Na also, geht doch. Bin ich dem Hl Vater gerade nochmal aus dem kritischen Blick gehüpft. Und so bleibt nur noch, mich für die nächsten drei Wochen zu verabschieden, euch gesegnete, entspannte Sommertage und immer zehn Dinge im Blick zu wünschen. Ciao, ihr Lieben!

3 Gedanken zu “Zehn Dinge 2

  1. Danke! Und euch auch eine gute Reise! Ich freu mich schon auf Geschichten aus dem Norden. Unsere Kinder zweifeln noch an der italienischen Idee. Sie haben Fernweh nach Schweden. Liebe Grüße Sandra

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