„Ach, weißt du Mama, es ist eben wie mit einem Paar alten, ausgelatschten Schuhen. Die trage ich auch am liebsten, weil sie so schön bequem sind!“ Die Erkenntnis kam aus einem bezaubernden Mädchenmund der mitten in einem mich aufmunternd anschauenden Mädchengesicht sitzt. Der Haken an dieser an sich vernünftigen Erkenntnis: ich bin mit dem alten, ausgelatschten Paar Schuhen gemeint. Bei einem dieser Tischgespräche, die einfach nicht aufhören wollen, ein ewig sprudelnder Quell der Erbauung und der Belebung des Geistes zu sein. Offensichtlich habe ich den Hang zu einer allzu bildreichen Sprache direkt an meine Nachkommen weitervererbt. Eigentlich ging es ums Heiraten. Eigentlich war ich gerade dabei, die Tränen eines kleinen Jungen trocknen, der schon beim Gedanken daran, er solle irgendwann in einem anderen Leben Elternhaus und Mama verlassen, um irgendwo zu wohnen, seinen Seelenschmerz nicht mehr zügeln konnte. Nun ja, man kann sich seine Komplimente nicht immer aussuchen. Es gehört in dieselbe Kategorie, wie : “ Mama, du bist wirklich  wie eine Matratze, überall weich und kuschelig.“ Hmm.  Ich hob es auf, das Kompliment, und steckte es in die Tasche, um mir an einem kalten Wintermorgen die Seele daran zu wärmen.

Es ist ja nichts Schlechtes, am Alten, Vertrauten, ganz im Gegenteil. In diesen Tagen, die ja bekanntermaßen nicht eben durch ihre Eintönigkeit und Entspanntheit bestechen, gelingt es den alten, vertrauten Bekannten, Ruhe ins Gewusel zu bringen. Kleine Rastplätze und Ankerpunkte sind sie, sie machen den Advent zur Erwartungszeit. Wie auf einer Reise, deren Ziel man schon kennt, aber das man lange nicht gesehen hat. Mit jedem vertrauten Baum, jedem bekannten Wegmarker, jedem Hinweis am Straßenrand, steigt die Vorfreude und du fühlst das ersehnte Ziel näher kommen. Trotzdem war ich vorsichtig, in diesem Jahr. Nur weil es mir so geht, nur weil ich das so empfinde…Kinder werden größer, Bedürfnisse ändern sich, ist es noch altersgemäß und gewünscht, das Singen und Vorlesen, Adventskalender und Weihnachtstheater? Ich hörte von mehreren Müttern, dass…und bange dachte ich, vielleicht… nur mit meinen Kleinen…aber, weit gefehlt! Ich hatte mich geirrt. Was sich gehört, dass gehört sich nun mal. Wo kämen wir da hin? Der Gatte und ich müssen und dürfen nicht allein auf Reisen gehen, alle sind mit an Bord. „Ich werde meinen Adventskalender immer schön finden, auch wenn ich später mal elf Jahre bin. Sogar noch, wenn ich schon zwölf bin. Und noch älter!“

Und so hängen an unseren Wänden dieselben alten Adventskalender, wie in jedem Jahr, das Papier wird an manchen Stellen schon dünn, und der ein oder andere Riss ist sichtbar. Sie sind gefüllt mit Winzigkeiten, die eben geradeso in ein Streichholzschächtelchen passen. Die kostbarsten unter ihnen enthalten Zettel und nicht Schokolade. Kleine Botschaften, die gemeinsame Zeit verheißen und die bejubelt werden.

Die lieben alten, teilweise schon ganz zerlesenen Bücher werden hervorgeholt und sie nehmen uns mit auf die Reise hin nach Weihnachten. Gestern am Abend durfte ich anfangen „Hilfe, die Herdmanns kommen“ vorzulesen und es war so lustig, dass man vor Lachen vom Sofa kullern musste, auch wenn man die Geschichte doch wahrlich nicht zu ersten Mal hört, auch wenn man doch eigentlich schon ziemlich groß ist. Und Gedichte…es gibt so herrliche Advents und Weihnachtsgedichte und jeder hat so seine Präferenzen, aber am liebsten mögen alle „Weihnachten in der Schule“ und jenes, bei dem die himmlischen Heerschaaren mit den Ohren wackeln- wir können sie auswendig mitsprechen, aber gerade das macht es ja so schön. Und „Klopft es bei Wanja in der Nacht…“ dann kann ich das Ziel fast schon sehen…

Natürlich wird auch ordentlich gesungen, ein Potpourri aus   “ In der Weihnachtsbäckerei“ und „Tochter Zion“ gemischt mit „Alle Jahre wieder“, die Stimmlage ist nicht immer passend, aber es kommt von Herzen. Auch die Deko stimmt mittlerweile und es erstaunt mich doch immer wieder, dass selbst ausgeprägteste Bastelmuffel sich zum ein oder anderen Sternlein hinreißen lassen. Und wenn du jetzt schon vier Jahre alt bist, dann geht dir die Dekoriererei vielleicht nicht weit genug oder du bist besorgt, dass es in deinem Zimmer nicht weihnachtlich genug ist. Dann bist du ja jetzt Gott sei Dank schon alt genug, um dir selber zu helfen und du beklebst die Scheiben mit ausgeschnittenen Sternen, dass es nur so eine Freude ist. Am Besten nimmst du echten Klebstoff dazu, nur um sicher zu gehen, dass es auch hält. Die Flurwände könntest du vielleicht mit „Feuerwehrmann Sam“ Stempel aufhübschen- dann haben alle was davon.

Ich hörte letztlich  in einer Predigt den Satz, dass man häufig einen besinnlichen Advent gewünscht bekäme und man dies ja auch im Sinne von „wieder zu Bewusstsein, zur Besinnung kommen“ verstehen könne. Warum machen wir das alles und für wen? Es sind unsere alten, vertrauten Familientraditionen und rituale, die mir dieses zur Besinnungkommen ermöglichen, bei denen ich spüre, worauf es ankommt, wenn er kommt. Dabei geht es nicht unbedingt leise oder besonders andächtig zu, aber sehr lebendig, das wohl schon.

Und weil es bei aller Liebe zum Alten trotzdem ja auch Neues sein darf, probieren wir fleissig aus. Häuschen bauen aus Natronteig zum Beispiel (doch, doch, das geht), Spekulatiusrührkuchen (bäh, geht gar nicht!), die Weihnachtsbücher wohnen in einer Weihnachtsbücherkiste (ein herzliches Dankeschön der lieben Blogschreiberin, die diesen wunderbaren Rat hatte!), und die Barbarazweige verdanken wir unserem großen Jungen, der sich im Dunklen und mit Fuchsschwanz bewaffnet noch in den Kirschbaum traute- neue Hilfe, großartig!

Was ist dein Altes und was bringt dich wieder  zu Bewußtsein? Und wenn du noch etwas Neues ausprobieren möchtest, dann unterstütze doch Veronikas Adventsaktion dressember, für Frauen in Not. Wenn du das liest, dann kommst du auch ganz schnell zur Besinnung.

 

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