Na endlich, endlich sitze ich im Sessel und endlich ist Ruhe in unser quirliges Zuhause eingekehrt. Fast alle schlafen in ihren Betten, nur auf dem Sofa schläft ein kleiner Unruhegeist, dem das Einschlafen alleine einfach nicht gelingen wollte. Der Gatte sitzt in irgendeiner Sitzung aushäusig, ich habe die letzten Matheübungsschmierblätter in den Müll geworfen, Krümel zusammengefegt und einen etwas halbherzigen Versuch unternommen, die häusliche Ordnung wiederherzustellen. Nun reichts. Ich bin müde und was jetzt noch rumliegt, wird mit relativer Sicherheit morgen immer noch daliegen. Ich würde dich ja gerne hereinbitten, ins still gewordenen Zimmer und dich einladen, Platz zu nehmen, auf dem neuen, geräumigen Sofa. Wir könnten natürlich nur leise flüstern, denn da schläft ja ein kleiner Zwerg, versteckt zwischen den Kissen. Aber ich könnte dir eine Tasse Tee anbieten, Apfel- Karamell vielleicht oder marokkanische Minze, die mag der Gatte so gerne, und natürlich brennen auch ein paar Kerzen. Für dich würde ich sogar einige der gut gehüteten Plätzchen hervorkramen.  Und dann könntest du mir erzählen, von deinem Advent, wie es dir zur Zeit so ergeht und was dich umtreibt, welche Bücher du liest und ob dir etwas Sorgen macht. Ich würde natürlich meinen Senf dazugeben, denn ich plaudere so gerne, eine echte Quasselstrippe von Zeit zu Zeit. Nun, leider geht das ja nicht und so sitzt du hoffentlich in deinem eigenen Wohnzimmer und hast es ruhig und nett und ich teile meine Erkenntnisse einfach hier, in diesem Eckchen mit, der Tee steht bereit.image

  • Hast du es gemerkt? Irgendjemand hat einfach eine Woche Advent geklaut, was will er nur damit anfangen?! Aber hier fehlt sie an allen Ecken und Kanten, drei Wochen sind zu wenig, ganz eindeutig. Wo sollen wir das ganze Backen, Singen, Basteln, Geschenke aussuchen und verpacken, die frommen Gedanken und das liebevolle Miteinander, das Vorlesen in aller Gemütlichkeit und all diese Weihnachtsfeiern neben dem normalen Alltagswahnsinn denn noch hinquetschen? Ganz atemlos macht es mich von Zeit zu Zeit, und ständig kritzele ich etwas auf die immer länger werdende Liste. Es fühlt sich nach einem Wettlauf an, den ich nur verlieren kann, schon allein deshalb, weil ich in Wettläufen aller Art schon immer die Schlechteste war. Der Gatte meint, es würde reichen, wenn ich ins Ziel spaziere, was nicht geht, geht eben nicht und natürlich hat er Recht. Und alle anderen, die zum entschleunigten Advent aufrufen, haben ebenfalls Recht. Nur- essen, Geschenke auspacken und es nett haben, wollen halt trotzdem alle. Ich versuche es jetzt mal mit Traben. Nicht sprinten und nicht gehen- so ein Zwischending. Nicht alles, was möglich ist, ist auch nötig, die Plätzchendosen sind gefüllt, aber nicht überfüllt und die Weihnachtskarten sind auch in diesem Jahr nicht selbstgebastelt.
  • Liebe, liebe Lehrer- warum nur? Warum nur immer in den letzten zwei Wochen vor Weihnachten? Könntet ihr uns zur Abwechslung nicht irgendeine regentrübe Woche im Januar vergällen? In diesen Tagen werden so viele Arbeiten geschrieben, dass einem der Kopf nur so schwirrt und an Stelle von Gedichten und Liedern ertönen hier Vokabeln, mathematische Rechenwege und alle Feste im Kirchenjahr. Dummerweise musste ich feststellen, dass es um meine Bruchrechenkünste deutlich schlechter bestellt ist, als ich bis jetzt immer angenommen habe. Also lerne ich von vorne und nein, sie bringt mir keine Freude, diese Form des geistigen Wachsens. Ich finde, man sollte in den letzten zwei Wochen überhaupt nur noch praktisch arbeiten. Wald und Wiesen zu Fuß erkunden, Gedichte lernen, denn die machen das Herz satt, werken mit Holz, backen und zwar ohne Mütter, etwas Gutes tun und sich nützlich machen. Hmmjaja, das wäre nett und alle Beteiligten wären weniger gereizt.
  • Gerade jetzt merke ich wieder in aller Heftigkeit, dass wertvollste, was ich geben kann, ist Zeit. Ein Zettelchen nur im Adventskalender: „heute Filmabend mit Mama“, hat zwei Menschen glücklich gemacht. Mein Mädchen und mich selber. Wir beide nur, eine altmodische Schnulze („E-Mail für dich“, also ehrlich, wie wunderbar!), ein paar Kissen auf dem Sofa und eine Decke. Noch nicht ganz zwei Stunden und ein Mädchenherz ging zufrieden zu Bett. Und mein Mamaherz auch, ja doch wirklich. Verschenke Zeit, an deine Liebsten und deine Lieben, es kostet nicht viel und macht doch so unendlich reich (pssst, am Sonntag gibt es Waffeln für alle, aber verrate mich nicht!)
  • Wenn deine Flurwand mit Feuerwehrmann Sam Stempeln vollgestempelt ist, die du nicht mehr abwaschen kannst, dann musst du streichen. Ich wollte schon immer eine rauchblaue Wand. Hin und wieder ist es sinnvoll, einen Fehler einfach zu übertünchen und aus einem Ärgernis etwas Hübsches zu machen. Klappt nicht immer, aber häufig eben doch. Nicht nur bei Feuerwehrmann Sam Stempeln.image
  • Wir haben die“ Herdmanns“ fertig gelesen und wie immer musste ich auf den letzten Seiten heulen, auch, weil ich diese Geschichte so wunderbar tröstlich finde. Eugenia Herdmann, die eine beherzte Löwenmutter Maria spielt, die Hl drei Könige, die einen Schinken zur Krippe bringen und der Weihnachtsengel, der nicht fromm säuselt sondern seine frohe Botschaft laut in die Welt hinaus brüllt. Da ist nichts adrett und auf Hochglanz poliert. Er ist wirklich Mensch geworden und es darf menscheln, alles andere wäre doch verrückt. Damals, wie heute. Auch wenn der Advent nur drei Wochen hat, auch wenn wir zwischendurch mal kurz die Nerven,  den Überblick und die Fähigkeit Brüche auszurechnen, verlieren.

So, nun ist es richtig spät geworden, der Tee ist ausgetrunken und ich muss wirklich ins Bett. Oh, halt, den kleinen Zwerg vorher noch ordentlich ins warme Bettchen verstauen. Schade, nun warst du nicht hier! Wenn du magst, dann kannst du mir trotzdem erzählen, von deinem Advent und was dich so umtreibt. Schlaf gut, und sei gesegnet!

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8 Gedanken zu “Erkenntnisse am späten Dienstagabend

  1. Ach wie gern wäre ich bei dir gewesen. Vielleicht hätte dein Tee mein Halsweh gelindert und vielleicht hätte es mich darüber hinweg getröstet, dass ich nun schon seit fast einer Woche krank bin. Wir hätten zusammen feststellen können, dass Advent eigentlich Fastenzeit ist und dass gar nicht alles klappen muss. Und das Weihnachten schließlich auch nur Königsgeburtstag im stinkigen Stall ist.

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  2. Ach ja, die geklaute Adventwoche, die Lehrer und das alles… Ich hätte mich leise auf dein Sofa gesetzt und dir zugestimmt. Und danke für die Erinnerung daran, dass wir uns schon länger mal wieder zusammen setzen wollen und überlegen, wer was ganz allein nur mit Mama oder Papa machen möchte… (vielleicht schaffen wir das ja „zwischen den Jahren“ endlich…). Ich wünsch euch noch viele schöne Momente im turbulenten Advent… Liebe Grüße, Martha

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  3. Liebe 👸🏼 ( ich weiß nicht mal deinen Namen…) , bin erst vor ganz kurzer Zeit über Veronika’s Website auf deine Seite gekommen. Sooo schön! Danke für die schönen Gedanken und Impulse. Unsre Kinder sind schon erwachsen ( zum Glück und leider…) und ich bedaure es dass es solche blogs wie deinen und den von Veronika nicht schon gab , als sie noch klein waren. Naja, das Internet steckte damal ebenfalls noch in Kinderschuhen … Ich hätte mir das eine oder andere zu Herzen genommen und abgeschaut…
    Ich wünsche dir eine tolle fröhliche und gesegnete restliche Adventszeit und freue mich auf weitere Erzählungen.
    Liebe Grüße von Sonja

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  4. Wie einladend, deine Schilderung… ich rieche förmlich Tee und Plätzchen… das macht Lust, sich einfach reinzuschleichen zu einem Plauderstündchen, selbst wenn wir uns nicht kennen… So schön, die rauchblaue Wand! Diese Farbe gefällt mir richtig gut. Und die Herdmanns, das wäre auch was für uns. Irgendwo ist mir dieses Buch schon mal begegnet, keine Ahnung wo. Nur, für diesen Advent ist es wohl schon zu spät… wir sind unterwegs mit Esel Ben, auch eine schöne Geschichte. Mit den Lehrern hast du ganz recht. Versemmelte Prüfungen, weil nicht auf dem Radar des Kindes und erst recht nicht auf dem der Mutter, Zoff im Klassenzimmer, Zickenalarm und und und… da ist die weisse Winterlandschaft ein wohltuender Kontrast daneben. Wie gut es den Kindern tut, einen Nachmittag im Schnee herum zu tollen und alle „Tu dies, tu das“ zu vergessen. Und ich habe endlich mal eine Woche, die nicht überladen ist… habe Zeit für Kinder und liegengebliebene Arbeiten. Und zum Durchatmen. Weihnachtskarten werden keine geschrieben. Die Festtagsmenüs fallen bescheiden aus. Plätzchen gibt es so viele, wie es einfach gibt. Die meisten Geschenke sind schon da. Und ich übe mich darin, nicht alles so tierisch ernst zu nehmen… loslassen… und dankbar sein.
    Ich wünsche frohe Adventstage und viel Gelassenheit für das Alltags-Gewusel!
    Liebe Grüsse
    Sula

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  5. Mal wieder sehr schön geschrieben. Ich wäre gerne zu dir aufs Sofa gekommen. Stattdessen werde ich mir jetzt die Herdmanns aus dem Regal holen und mich ins Bett verziehen. Danke für die schöne Idee.

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  6. Danke für die wundervolle bildhafte Schilderung … Ich hätte mich auch gerne auf die Couch zum quatschen gesetzt 😄😉
    Es tut einfach gut, wenn man weiß, das man nicht alleine diese Dinge durchlebt, sondern auch viele andere Eltern dies erleben …
    Ach, du hast so Recht, mit dem menscheln und so …😊
    Wir machen uns manchmal soviel Stress durch unsere Ansprüche 🙄😌…
    Ich suche auch noch eine schöne Weihnachtsgeschichte, wir haben die Herdmanns schon mal gelesen und sie ist auch nicht mehr so richtig was für unseren Großen (13 Jahre): er wächst da langsam raus…🤔
    Also wenn jemand hier einen Tipp hat, bin ich sehr dankbar dafür 😃👍!
    Sonst lache und weine ich immer bei deinen Texten, weil du mich so gut ins 💖 triffst und ich mich einfach verstanden fühle 😄❗ Danke dafür!! Dir noch entspannte 1,5 Wochen und die Weisheit, was zu tun und was zu lassen ist 😉😊…
    Liebe Grüße, Debby 😃👋👋

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  7. Oh ja, ich hätte mich auch so gern, wie die anderen zu dir gesetzt! Und ja, mir geht es so ähnlich. Auch wenn wir “ nur“ vier Kids haben( auch einmal Zwillinge👫), bewegen mich fast die gleichen Dinge. Komplizierte Matheaufgaben lösen (oder zumindest Anregungen geben) ist echt eine Herausforderung, vorallem wenn noch ein paar andere am Rockzipfel ziehen… Aber es tut gut, es mal in Worte zu fassen / oder zu lesen, da kann man es wieder besser einsortieren und damit umgehen. Ich bewundere dich sehr, wie du als Mama deinen( katholischen ) Glauben im Alltag lebst! So jemanden habe ich bisher nicht kennengelernt.
    Wünsche dir noch viele gute Gedanken und ein fröhliches Christfest, bei dem das Wichtigste im Mittelpunkt steht,
    ganz liebe Grüße,
    Judith
    P.S. : Wie du es geschafft hast, mit 7 Personen für den Sommerurlaub alles in euren Sharan zu packen, würde mich noch interessieren. Ich hatte schon mit 6 Personen und einem Touran Probleme. Allerdings habe ich die Schlüssel für unsere Dachbox gefunden😉

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