… so tönte es heute früh um 6.30Uhr aus unserem Badezimmer. Nein, keine Sorge, das ist nicht normal bei uns. Normal wäre Grunzen, leichtes Schimpfen oder einfach nur müdes Schweigen. Heute ist nicht normal und das kann nur eines bedeuten: endlich letzter Schultag, endlich gibt es Weihnachtsferien! Muss ich sonst immer mehrmals motzen, bis die Schultaschen endlich aus dem Hausflur entfernt werden, heute Mittag waren sie so schnell verschwunden, da konnte ich mir nur noch verwundert die Augen reiben. Mit einem Seufzer der Erleichterung ab in die hinterste Ecke, jetzt kann es endlich Weihnachten werden! Die Zeichen mehren sich, eindeutig. Während ich mich hier dem Luxus des Schreibens hingebe, rührt der Gatte in der Küche das Weihnachtseis. Karamell,  Zimt-Schokolade und Spekulatiuseis. Dafür bin ich aber auch tapfere Überlebende mehrerer großangelegter Supermarktexpeditionen, die in mir jeden Impuls einkaufen zu wollen für die nächsten drei Wochen ausgelöscht haben. Zwei meiner Nachkommen sind zur letzten Weihnachtsfeier des Jahres verschwunden, die DHL -Frau und ich pflegen eine neu erblühende Freundschaft. Die Kellertüre ist zugesperrt, aber meine Zwillinge haben das Christkind dahinter flattern gehört, da sind sie absolut sicher. Hinter verschlossenen Kinderzimmertüren wird gekruschelt und gebastelt, ständig fehlt das Tesafilm und es duftet nach gebrannten Mandeln. Ja, es will Weihnachten werden, ganz ohne Zweifel.

Vor ein paar Tagen werkelte ich in meiner Küche so vor mich hin und hörte dem Geplapper meiner versammelten Kinderschar zu. Sie unterhielten sich über Weihnachten und was sie daran gerne mögen. Jeder wusste etwas beizusteuern und mir klingelten die Ohren. Vom verschlossenen Weihnachtszimmer am Morgen des 24. Dezembers war da zu hören, vom Austragen der letzten Weihnachtskarten und dem Frühstück im Kinderzimmer, denn der Rest ist ja verschlossen. Vom Feinmachen und der Fahrt in die Stadt, damit wir alle zusammen eine Christmette mit Krippenspiel besuchen können. Vom Heimkommen und Weihnachtsliedersingen, jedes Jahr richtet ein anderes Kind sein Zimmer dafür her, vom aufs Glöckchenklingeln warten und dem großen Augenblick, wenn die verschlossenen Türen aufgehen, von all den Kerzen und dem Weihnachtsbaum, der plötzlich geschmückt ist und strahlt. Geschenke na klar, aber immer abwechselnd und dann ein bisschen Essen, nur kalte Köstlichkeiten, wieder ein bisschen Spielen und Tanzen, so lange, bis man freiwillig ins Bett fällt.

Wie sie so miteinander erzählten, da konnte man ernsthaft den Eindruck gewinnen, dass im Hause 7Geisslein das weihnachtliche Idyll zuhause ist. Unfassbar, wie schön, froh und gemütlich es bei uns zugeht. Bullerbü in Rheinhessen. Und jetzt verrate ich dir was: das stimmt nicht. Also, ein Großteil natürlich schon und auch ich liebe Weihnachten mit meiner Familie sehr, aber: es wird gern mal hektisch am 24. Dezember, der Gatte und ich sind ein wenig blass um die Nase, denn wir haben meist bis spät am Abend Engelchen gespielt, den Baum geschmückt und den Tisch festlich gedeckt, heimlich, heimlich und sehr leise. Nie finden wir einen Parkplatz, wann beginnt den überhaupt dieser verflixte Gottesdienst, alle sind sehr aufgeregt. Wir sind auch an Weihnachten wir, gerne mal laut, ungeduldig, keine Heiligen und wie vielen  Magen Darm Geschichten wir an diesen Tagen schon trotzten kann ich gar nicht mehr zählen. Ich erinnere mich an den Ohrring, der im Durcheinander verschwand, bevor er nur einmal getragen werden konnte, an eine Ritterburg, die eindeutig die falsche war und die Tränen, die deshalb kullerten.

Aber: es ist doch sehr beruhigend, dass all diese kleinen Widrigkeiten an diesen Tagen nicht zählen. Was bleibt, sind „O du fröhliche“, der Geruch von Kerzen, die uralten Worte, die Heil versprechen und das Lied der Spieluhr. Der Rest verschwindet in der Versenkung des gnädigen Vergessens. Den Anspruch auf absolute Harmonie und konfliktfreie Heiterkeit kannst du also getrost in die Schublade packen, den braucht es nicht. Dieser Gedanke erleichtert das mütterliche Herz doch sehr. Und noch etwas will ich meinem Herzen wieder schenken: die kindliche Gabe, das Gute, das Wesentliche mitzunehmen und den Rest zurückzulassen. Was blöd war, war blöd. Halte dich nicht länger damit auf, denn sonst musst du so schwer tragen, liebes Herz und hast gar keinen Raum für das Neue, was kommen mag. Was zählt ist das Kind, nicht der Stall, die Krippe, das Stroh. Es ist das einzige, was wirklich zählt.

Es will Weihnachten werden, die Zeichen mehren sich, ganz eindeutig. Das Spekulatiuseis schmeckt köstlich, ich habe es eben probiert. Heilig Abend an einem Sonntag ist an sich schon ein Geschenk, kein Gerenne und Eingekaufe auf den letzten Drücker mehr, dafür mehr Zeit, für das was wirklich zählt.

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Ich wünsche euch allen frohe, gesegnete Weihnachtstage, eine Umarmung zur rechten Zeit, ein gutes Wort, ein Quentchen mehr Geduld und ordentlich gefüllte Teller…

5 Gedanken zu “Gloooooria…

    1. Ist simpel: 500ml Milch, 500ml Sahne, 350g Zucker und 5 Tl Zimt verquirlen. 30 Spekulatiuskekse in einer Tüte zerkleinern und unter die Masse rühren. Ab in die Eismaschine. Liebe Grüße

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  1. ich freue mich ueber diesen wunderbaren Blogg! Kennt Ihr auch das Abendlied-Lieber Gott nun lass uns ruhig schlafen…-? Wuensche der ganzen Familie ein schoenes Hinuebergehen in das NEUE JAHR. Ich gehe immer b e t e n d hinein in das NEUE Jahr.
    Seid Gott befohlen!
    Omi Irmi

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