Jeden Abend, wenn der Tag sich seinem Ende zuneigt und es still werden will (oder soll…) im Hause 7geisslein, wenn für den Moment genug getan und gesagt, gespielt und erlebt wurde, dann singen der Gatte und ich unsere Kinder in den Schlaf, seit elf Jahren schon. Wir tun es nicht immer zusammen, aber doch immer nach dem selben eingespielten Rhythmus, der unverkennbar die Nacht einläutet. Wenn der Gatte singt, dann endet er immer mit „Der Mond ist aufgegangen„. Mir liegt dieses Abendlied nicht so, irgendwie wirkt es immer ein wenig düster auf mich, obwohl unsere Kinder es sehr lieben. Wenn ich singe, dann ende ich mit „Weißt du wie viel Sternlein stehen…?“. Und vergesse natürlich nicht, bei „kennt auch dich und hat dich lieb“ ordentlich in die kleinen Kinderbäuche zu piksen, damit sie es auch ja begreifen, wie sehr sie lieb gehabt werden. Wir enden also etwas unterschiedlich, nach persönlicher Vorliebe, aber wir beginnen stets gleich, seit elf Jahren. „Nun wollen wir singen das Abendlied und bitten das Gott uns behüt…“ und danach, als Herz und Mittelstück, „Von guten Mächten„.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag„. Unzählige Male haben wir diese Zeilen schon gesungen, immer und immer wieder, ein bisschen abgegriffen und speckig sind sie geworden, aber, ganz ehrlich: etwas anderes braucht es für mich nicht. Sie enthalten alles, was ich meinen Kindern am Ende eines langen Tages mitgeben möchte, in einen hoffentlich friedlichen Schlaf. Ich hoffe, dass diese immer gleichen Zeilen, die mir selbst beim Singen immer wieder Trost und Hoffnung schenken, auf fruchtbare Erde fallen mögen, dass sie sie verinnerlichen und von ihnen zehren, auch wenn es das Leben mal nicht so gut mit ihnen meint.

Jetzt will dieses Jahr sich dem Ende zuneigen. Für einen kurzen Moment, und auch nur wenn du dich darauf einlässt, also für einen kurzen Moment,scheint die Zeit still zu stehen. Das alte Jahr liegt hinter dir, das neue noch völlig unberührt vor dir. Du weißt nicht, was es dir bringen mag. Und vielleicht liegt dir manches aus den alten Tagen noch schwer im Magen.Vielleicht dauert dieser Moment nur wenige Minuten. Für diesen einen Moment, ist genug getan und gesagt, erlebt und gespielt worden. In katholischen Kirchen, zumindest in denen, die ich kenne, erklingen im Jahresabschlussgottesdienst dann genau diese Liedzeilen: Von guten Mächten… Unfassbarer Weise wurde vor ein paar Jahren die Melodie geändert, was ungefähr so wahnsinnig ist, als wolle man plötzlich „Stille Nacht“ neu vertonen, nur weil es irgendwie altmodisch geworden ist. In meinem Herzen singe ich die alte Melodie. Und jedes Jahr denke ich aufs Neue: mehr wird dieses neue Jahr nicht brauchen, als das, was dieser Text an Gottvertrauen, Hoffnung, Zuversicht und Dankbarkeit enthält. Dietrich Bonhoeffer hat diese Zeilen 1944 aus der Gefangenschaft an seine junge Verlobte geschrieben, wohl wissend oder ahnend, dass sein Leben nun ein Ende bereitet werden würde. Ich will sie verinnerlichen, diese Zeilen und von ihnen zehren, wenn das neue Jahr es mal nicht so gut mit uns meint. Mit dem Vertrauen und der Zuversicht hab ich es nicht so, aber ich werde es versuchen, auch im neuen Jahr. Dankbarkeit möchte ich weiter pflegen, denn ich habe allen Grund dafür.

Dir wünsche ich ein gutes neues Jahr, friedvoll und gesund möge es sein, voller Hoffnung, Zuversicht und Dankbarkeit. Und weil das Altvertraute manchmal neu angeschaut werden möchte, gebe ich sie dir mit, diese wunderbaren Zeilen. Bis nächstes Jahr!

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar so will ich dieser Tage mit euch leben, und mit euch gehen in ein neues Jahr. Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsren aufgeschreckten Seelen, das Heil, für das du uns bereitet hast. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern, aus deiner guten und geliebten Hand. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken, an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken und dann gehört dir unser Leben ganz. Lass warm und still die Kerzen heute flammen, die du in unsere Dunkelheit gebracht. Führ wenn es sein kann wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang, der Welt , die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang. Von guten Mächten wunderbar geboren, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen. Und ganz gewiss an jedem neuen Tag. (Dietrich Bonhoeffer)

 

2 Gedanken zu “Von guten Mächten

  1. ….danke fürs dran erinnern…in der evangelsichen kirche wird es auch am altjahrsabend gesungen….und es trägt uns, gott selbst trägt uns……ich kann mich mit der neuen, mir viel zu beschwingten meldoie auch nicht anfreunden…..
    ein segensreiches 2018
    annette

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