bestaune ich das neue Jahr, immer noch. Ich hoffe doch wirklich, du hast es gut angefangen? Der neue Kalender liegt vor mir und mit ihm so viele unbeschriebene Seiten. Und wie in  jedem Jahr erfüllt mich das mit einem sehr erhebenden Gefühl, ähnlich wie früher, wenn ein neues Schulheft angefangen wurde. Blütenweiße Seiten, ohne Knicke und Eselsohren, ohne Flecken und ohne abgeranzte Ecken. Für den Moment schien alles möglich. Die Seiten ohne Fehler mit ausschließlich klugen Gedanken füllen. In schönster Schrift, um der Makellosigkeit der Seiten Rechnung zu tragen. Datum nicht vergessen und ordentlich unterstreichen. Tja, und dann fing ich an das Heft zu benutzen und hatte nur meine krakelige Handschrift, in der Eile vergaß ich das Datum, Flecken gesellten sich dazu und die Ecken knickten. Der Rotstift korrigierte die Fehler, an denen es nicht mangelte, einige Gedanken waren klug, andere der totale Dünnsinn. Irgendwann war das Heft voll und damit ein altes. Es wurde ausgemustert, immerhin hatte ich was gelernt und mit neuer Zuversicht begann ich ein neues Heft. Mit dem neuen Jahr verhält es sich ähnlich. Ein erhebendes Gefühl, noch keine nennenswerten Fehler gemacht, für den Moment scheint alles möglich und an gutem Willen mangelt es mir nicht. Aber natürlich bin ich alt genug, um zu wissen: es wird Knicke und Eselsohren bekommen und, so sehr ich mich mühe, ist es doch immer meine Handschrift, die die Seiten füllen wird und die sieht nicht aus, wie gedruckt. Trotzdem hoffe ich auf den ein oder anderen klugen Gedanken, auf viele spannende Geschichten und ein paar bunte Zeichnungen. Es wird sicherlich kein Matheheft, gefüllt mit endlosen, ordentlichen Zahlenkolonnen. Das liegt mir nicht so. In 360 Tagen werde ich mein Jahresheft dann ins Regal meines Herzens räumen, hoffentlich vollgeschrieben bis in die aller letzte Zeile, mit Kreuzchen und Querverweisen, hoffentlich auch ein bisschen klüger. Eigentlich bin ich ganz zuversichtlich. Ich habe einen guten Schutzumschlag.

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freue ich mich, über die blühenden Zweige unseres Barbarastraußes. Pünktlich zum ersten Januar findest du in jedem Discounter ein ganzes Meer an Gewächshaustulpen. Das geht mir ja schon wieder viel zu schnell, standen da nicht gerade noch Spekulatius neben Dominosteinen? Es ist immerhin Winter, theoretisch zumindest. Aber die Blüten unserer Kirschzweige verheißen das Leben in der kargen Dunkelheit, die Weihnachtsbotschaft in der Blumenvase. Natürlich blühten sie nicht zur Weihnachtsnacht. Das tun sie eigentlich nie. Aber rund um Silvester, da hatten sie es plötzlich eilig. Macht nichts. Ich blühe auch nie in der Weihnachtsnacht, da bin ich noch viel zu gestresst. Aber rund um Silvester, da fang ich damit an.

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sehe ich gemeinsam mit dem Gatten „this is us“. Und kann aus tiefster Seele sagen, dass mich wirklich noch nie eine schnöde Fernsehserie so sehr berührt hat, wie diese, bis ins Mark hinein trifft sie mich. Da sitze ich dann und weine ein bisschen, aber nicht aus Traurigkeit oder Rührseligkeit, sondern einfach, weil das Leben genau so ist, wunderschön und grausam, irrwitzig und toternst. Und weil diese Serie ein hohes Lied auf die Familie ist, die das Beste will und Schmerz doch nicht verhindern kann. Erstaunlicherweise geht es dem Gatten genauso. Es kommt ja jetzt nicht so oft vor, dass Serien paarkompatibel sind.

lese ich neue Kinderbücher, die ja meine geheime Leidenschaft sind und an denen ich mindestens eben so viel Freude habe, wie die Kinder, für die sie eigentlich gedacht sind. Topfavoriten nach Weihnachten sind  „Ben“ und „Borst vom Forst“. Ersteres ist für Kinder ab sechs und mein Zweitklässler war aufrichtig erschüttert, dass auch so ein Buch einfach zu Ende gehen kann. Letzteres bezaubert durch ein ganz wunderbare Sprache und einer Weisheit, die die Welt dringend braucht.image

genießen wir die Ferienzeit, wie es sich gehört. Spiele spielen und einfach nur im Sessel sitzen, den schönsten Tannenbaum, den wir je hatten, bewundern, ein bisschen stricken und alte Freunde treffen, durch den Wind spazieren und endlich wieder Brotbacken. Spielwelten bestaunen, in einem Zimmer findest du den Boden nicht mehr, da ist nur noch Lego. In einem anderen betrittst du die Savanne Afrikas, Wildtiere versammeln sich um die Wasserstelle, soweit das Auge reicht. Oder ist dir lieber nach dem Leben auf einer höchst aktiven Feuerwache? Keiner wird gezwungen am Abend wieder aufzuräumen, für den Moment darf einfach alles bleiben, wie es ist. Herrlich, selbst in meinem rotierenden Hirn ist die Botschaft mittlerweile angekommen. Ein paar Tage haben wir noch, bevor das Jahr an Fahrt aufnehmen wird, hoffentlich nicht gleich so schnell, dass es einem schwindelig würde. Im Augenblick fällt mir das Schönschreiben auf neuen Seiten noch leicht, so ruhig und entspannt.

 

Oh, aber ich freue mich darauf, die blütenweißen Seiten dieses niegelnagelneuen Jahres vollzuschreiben, so gut ich es eben vermag, mit meiner eigenen Handschrift, mit meinen Fehlern und klugen Gedanken und bestimmt auch dem ein oder anderen Dünnsinn. Ich hoffe, du freust dich auch.

11 Gedanken zu “In diesen Tagen…

  1. Ich kann so vieles nachempfinden was du schreibst. Der leere Kalender den mag ich auch. Es ist Zeit für Schönschrift. Bei This is us erwarten mein Gatte und ich gespannt die zweite Staffel. Zeit mit der Familie, einen Kuchen backen, mit dem Hund laufen, Spiele machen, zusammen essen gehen….. die freien Tage waren wunderbar. Herzlichen Gruß aus dem Sommerzimmer, Sandra

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  2. Ich freu mich auf deine Beiträge im kommenden Jahr 🙂 Machst du deinen Kalender selbst? Das sieht interessant aus… Ich hatte den Gedanken (zu spät für dieses Jahr), weil NIE ein Kalender GENAU SO ist, wie ich ihn brauche. Hab jahrelang den von Bianka Bleier, der ist auch sehr schön… nur halt nicht passgenau 🙂 Am besten fange ich in den Sommerferien an, meinen eigenen zu gestalten *lach* Liebe Grüße, Martha

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    1. Ja, liebe Martha, ich mache meinen Kalender selber, weil es einfach keinen Kalender gibt, der die Bedürfnisse und Termine von sieben sortiert. Dieses Buch ist die schriftgewordene Schaltzentrale unserer Familie inklusive Essensplänen, Wunschzettel, Packlisten, Ideen, Bücherlisten, Kreativprojekte etc. So habe ich alles auf einen Blick und keine Zettelwirtschaft. Ich bin ein Listenmensch und brauche das handschriftliche. Liebe Grüße

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