So, noch die Türe zu und jetzt ist Ruhe. Ich habe mich in unser Schlafzimmer verzogen, ein Ort an dem ich mich tagsüber sonst tatsächlich niemals aufhalte, der aber heute der einzige ist, an dem keine vergrippten Menschen ihre Viren verschleudern. Keine Bange, sie sind gut versorgt, da draußen, mit Wolldecken und Hörspielen und Saft.

Das eigentlich wunderbare an diesem Schlafzimmerrückzugsort ist aber, dass ich hier jetzt schreiben kann. Auf diesem Wunderwerk der Technik, diesem herrlichen Notebook, auf das man Bilder hochladen kann und das dich dort schreiben lässt, wo du eben gerade möchtest, oder Ruhe findest. Einfach zusammenklappen und mitnehmen. Und der Bildschirm ist wirklich ganz einwandfrei. Aha, denkst du jetzt vielleicht, sensationell, was hat die denn gebissen?!

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Also, da will ich dir mal schnell erzählen, wie meine kleinen Blogschreibereien in den letzten fünfzehn Monaten so entstanden sind. Anfangs tippte ich sie noch in das kleine Tablet ein, das mit der gebrochenen Scheibe und den vielen Rissen. Bald wollte es das aber nicht mehr, vielleicht leidet es doch mehr unter seinem Scheibenschaden, als man zunächst annehmen wollte. Es stürzte immer wieder ab, fast fertig geschriebene Texte verschwanden mehr als einmal im Nirgendwo, weil das dumme Ding sich störrisch weigerte, irgendetwas abzuspeichern. Noch grantiger als der Verlust meiner geschriebenen Worte machte mich der Verlust an Lebenszeit. Also stand ich oben im Flur vor den Kinderzimmern, Woche um Woche, an unserem uralten PC, der schon lange um Ruhestandsversetzung bittet.  Immerhin ist der Bildschirm noch ganz, aber die Tastatur versagte öfter. Und Fotos mochte er gar keine mehr hochladen, das war zu viel verlangt, als wolle er sagen: „Nee, für den Mist bin ich zu alt, das überlasse ich den jungen, flachen Hüpfern. Sollen die sich doch damit rumärgern.“ Damit das hier  nicht eine ganz so buchstabenlastige, traurige Veranstaltung wurde, machte ich meine Auflockerungsbildchen mit dem gesundheitlich angeschlagenen Tablet, lud die Bilder hoch, um dann die Worte am altersschwachen Kollegen einzuhacken. Auf unserem Flur herrscht, je nach Tageszeit, ein Durchgangsverkehr, wie auf dem Hauptbahnhof. Alle Rechtschreibfehler sind selbstverständlich auf diesen Umstand zurückzuführen und nicht auf irgendeine schludrige Arbeitsweise meinerseits! Das Monstrum steht auf einer Kommode, die es einem nicht erlaubt, noch einen Stuhl davor zu stellen. Stehen ist ja eh viel gesünder als Sitzen, aber auf Dauer wird der Nacken steif.

Aber: diese Zeiten sind nun vorbei, denn seit Mittwoch wohnt nun dieses flache Schnittchen bei uns, um uns das Leben zu erleichtern. Gott sei Dank am Mittwoch, denn am Donnerstagabend ist leider, plötzlich und unerwartet, unser Herd von uns gegangen. Wäre die Reihenfolge der Ereignisse umgekehrt gewesen, dann stünde ich jetzt wohl wieder oben im Flur. Manches muss man nehmen, wie es kommt

Und so freue ich mich eher still über die Veränderung. Still und sehr dankbar. Denn es erleichtert mir etwas, was mir wirklich Freude macht und für mich eine wirkliche Bereicherung ist: das Schreiben hier in meinem kleinen Eckchen, das eigentlich gar kein so kleines Eckchen mehr ist, sondern vielmehr schon eine richtige Ecke. Und die letzten fünfzehn Monate haben mir wieder gezeigt, was ich in meinem Herzen eigentlich schon lange wusste: wenn du etwas wirklich willst, wenn du dir etwas wirklich wünschst, dann hält dich nichts zurück. Dann kannst du es auch schaffen, auch wenn die Umstände nicht ideal sind. Vielleicht braucht es viele Anläufe, vielleicht gibt es einige Rückschläge, aber wenn dein Herz dafür brennt, dann solltest du es tun.P1050850

Martha erzählte diese Woche von dem, was sie und ihr Mann richtig gemacht haben. Von der Entscheidung für eine Großfamilie, trotz aller Umstände. Und sie sprach mir so aus der Seele. Denn eine große Familie, das war auch immer unser Herzenswunsch. Seltsamerweise haben auch wir nie gefragt, ob das Haus groß genug ist, ob genug Hilfe da ist, was es kostet oder wie anstrengend es wird, was ja durchaus vernünftige und einsichtige Überlegungen gewesen wären. Für uns aber war das alles nicht so wichtig, alles machbar, immer, irgendwie und wahrlich nicht immer einfach. Familie als Berufung.

Ich glaube, die tiefen, tiefen Herzenssehnsüchte, die immer wieder nach oben steigen und dich kitzeln,  liegen da nicht umsonst. Sie sind da, um dir den Weg zu zeigen, deine persönliche Berufung. Nicht jeder ist zur Großfamilie berufen, oder zum Schreiben. Aber die Wege und Möglichkeiten sind ja unzählig. Wofür brennt dein Herz? Wofür würdest du alles in Kauf nehmen, Umwege gehen und Opfer bringen? Was ist deine Perle, dein Schatz?P1050839

Meine Schreibsehnsucht ist für heute gestillt, ich gehe und rufe eine Runde Fiebermessen aus, fülle die Saftgläser und entsorge Taschentücher, bevor ich mich an die Zubereitung eines Backofengerichtes machen werde. Gesegneten Sonntag dir und gute Besserung den Grippekranken!

 

 

5 Gedanken zu “Wenn du es willst

  1. Liebe Sandra, ich musste so lächeln bei deiner PC-Geschichte, sogar hier finde ich Paralellen zwischen uns :-). Bis vor Kurzem saß ich an unserem alten Familien-Laptop, der einfach eeeewig brauchte um irgendwas hochzuladen. Aber er funktionierte ja noch. Dann fiel die erste Taste herunter (hoppla!), ein Sonderzeichen, das braucht man ja nicht so oft. Weitere Tasten folgten, die ich anfangs noch wieder draufsteckte, bis ich dann wirklich nicht mehr schreiben konnte. Bei mir ist es nun ein gebrauchter Laptop, den mein Mann in einem tollen Laden gekauft hat, wo auch einige Menschen mit Behinderung arbeiten und gebrauchte Firmen-PC´s für den Wiederverkauf fertig machen. Auch mein neues Schätzchen hat so seine Macken (ohne Stromkabel mag er nur kurz), aber er macht schnell und zuverlässig, was ich möchte. Übrigens ist das auch meine Erfahrung, dass wenn ein Gerät kaputt geht, das nächste bald folgt. Es muss eine Art Elektrogeräte-Virus geben! An dieser Stelle gute Besserung für alle Kranken bei euch! Und liebsten Dank auch fürs Verlinken, das freut mich sehr… Nicht zuletzt noch danke für die ermutigenden Worte, die für mich gerade echt gut passen. Ich richte gerade im Schlafzimmer meine Arbeitsecke ein und weiß überhaupt noch nicht, ob und wie es mit dem Schreiben ab Sommer weitergehen kann. Aber wenn ich das wirklich will… Mal sehen. Liebe Grüße, Martha

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    1. Es wird weitergehen, liebe Martha, da bin ich mir sicher! Außerdem musste ich doch heute so sehr über deinen Beitrag schmunzeln…mit einem grippekranken Mann im Haus ist es gar nicht so leicht, eine liebende, sprüchegemäße Ehefrau zu sein…liebe Grüße

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      1. Ich las mal, dass Sprüche 31 eine Bibelstelle ist, die jüdische Männer ihren Frauen vortragen, um sie zu loben. Es soll keine Messlatte für uns Frauen sein, die ewig zu hoch hängt, sondern den liebenden Blick des Mannes auf die Frau zeigen. Find ich irgendwie gut… zumindest in der Theorie 🙂

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    1. Hallo Anette,
      ich stricke zur Zeit am Allerliebsten aus dem Buch: das geniale schnellstrickerbuch von Nina Schweisgut. das Ding nennt sich „shrug“ und ist eine Mischung aus Schal und Weste. Liebe Grüße

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