Gerade habe ich eine weiße Klebstoffspur entfernt. Sie verlief zwischen Esstisch und Wohnzimmertisch quer über den Parkettboden und endete in einem breiten, weißen Kleistersee, in gefährlicher Nähe zum immer noch als neu geltenden Sofa. Beunruhigender als die Putzarbeit fand ich die Frage, nach dem Verbleib der Heißklebepistole samt größerer Mengen an Nachfüllpatronen. Die Zeichen mehren sich in eindeutige Richtung, jeder Wollfaden, jede tintenverschmierte Kinderhand und jeder klebrige Stoffrest erzählt die selbe Geschichte: es will wieder Muttertag werden. Natürlich müsste ich mich jetzt beeilen und ganz schnell versichern, wie grässlich solcherlei Tage sind, dass wir einander und insbesondere allen Müttern jeden Tag Danke sagen sollen, nicht an irgendeinem von außen Bestimmten, quasi auf Kommando und wie verachtenswert solch völlig unangebrachter Konsumterror ist. All diese Einwände sind ganz nachvollziehbare Gründe gegen die Begehung des Muttertages und zugegebenermaßen gruselt mich die „Fleurop“- Werbung und ähnliche Attacken großer Kaufhausketten auch ganz ordentlich. Aber was nützt es- ich liebe ihn einfach, den Muttertag! Da kann ich gar nichts gegen machen, ich freue mich einfach drauf. Und hier kommen meine zehn Gründe, warum ich absoluter Muttertags-Fan bin und ihn mir auch in diesem Jahr auf gar keinen Fall entgehen lassen werde:

  1. Ich bin so unfassbar gerne Mama. Ich bin glücklich, die Mutter meiner Kinder sein zu dürfen, dass sie mir anvertraut wurden und ich ihnen beim Wachsen und Werden zur Seite stehen darf. Und ich sehe den Muttertag als eine fantastische Gelegenheit, dieses Mama -Sein zu feiern! Denn es ist ein Geschenk, Mama sein zu dürfen, keine Selbstverständlichkeit. Wie viele Frauen hoffen und warten vergebens, wie viele Sternenkinder mussten sich zu früh verabschieden, wie viel Not, Trauer und Leid gibt es in viel zu vielen Frauenherzen. Also ja, ich habe allen Grund zum Feiern, schon allein um meiner eigenen Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen.
  2. Ich bekomme wahnsinnig gerne Geschenke. Da spricht jetzt leider nicht die wahre Bescheidenheit aus mir, aber Geschenke- immer her damit! Allerdings bevorzuge ich tatsächlich die Selbstgebastelten, Selbstgeklebten oder Selbstgeschriebenen. Egal, wie krumm und schief- hauptsache mit Herz. Und hey, wann hast du denn je wieder die Gelegenheit mit einer gigantischen, selbstgefädelten Holzperlenkette um den Hals herumzuspazieren?!  An einem Sonntag? Am besten in allen Farben des Regenbogens?! Oder einem gigantischen Tonherz an einem Lederband? Nie gab es bessere und buntere Gründe sich von allen falschen Schamgefühlen zu verabschieden.
  3. Mit der Geburt meines ersten Kindes hatte ich das Gefühl, komplett in alle Einzelteile zu zerfallen, um dann ganz neu zusammengebaut zu werden. Meine Sicht der Welt, meine Gefühlslagen, die Intensität meiner Liebe und die Intensität meiner Ängste, die Aufgabe eines nicht unwesentlichen Teiles meines eigenen Egos- plötzlich hielt ich nicht nur einen niegelnagelneuen Menschen in meinen Armen, sondern war selbst einer geworden. Muttertag ist also ein klein wenig wie Geburtstag.P1060441
  4. Ich mache meinen Kindern eine Riesenfreude, wenn sie mir eine Freude machen können. Oder wie meine Tochter neulich meinte: „Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich besser finde- schenken oder etwas geschenkt zu bekommen. Ist beides so schön!“ Also erfreuen wir uns gegenseitig und die Freude wächst.
  5. Wie nahezu alle anderen Mamas, die ich kenne auch, verbringe ich sehr viel Zeit mit Zaudern und Hadern. Ich sehe wohl, was ich alles nicht schaffe, was mir schief gegangen ist und wo es hakt. Und nicht selten fürchte ich gar Schlimmes für meine Kinder, die mit so einer Mutter durchs Leben gehen müssen. Ist ja auch so- es geht öfter mal was schief, mein Vorrat an Geduld ist begrenzt, ich habe ein Schlafdefizit von mehreren tausend Stunden angehäuft, neige zur Vergesslichkeit und bin manchmal durchaus ratlos. Aber! Morgen ist eine hervorragende Gelegenheit mir mal selbst ordentlich auf die Schulter zu klopfen! Häufig geht es nämlich auch nicht schief, habe ich das richtige Wort gefunden und war am Boden meines Herzens doch noch ein Restchen Geduld. An die meisten Sachen denke ich und es ist auch noch keiner verhungert oder ohne Kleidung aus dem Haus. Wenn das mal kein Erfolg ist!
  6. Mit dem Muttertag kannst du die Buntheit und die Vielfalt des Lebens feiern, er zeigt uns, auf wie viele verschiedene Weisen wir Mütter und Familie sein können. Ich allein bin Bubenmama und Mädchenmama, Kleinkindmama und Fussballmama, Teeniemama und Superheldenfanmama, Zwillingsmama und Schulkindermama usw usw. Was auch immer kommt, mein Geist bleibt flexibel, soviel ist sicher. Darauf ein prosit!
  7. Ein Tag um die Liebe zu feiern! Die Liebe in unseren Familien, die Liebe, die diese Kinder ermöglicht hat, die Liebe du schenkst und die Liebe, die du bekommst!
  8. Was wüsste ich alles nicht, wenn ich keine Mama wäre! Mit wie wenig Schlaf kann ein Mensch überleben? Wie überaus kostbar sind Zeit, Geduld und Nerven und wie gänzlich überbewertet High Heels, stramme Bauchmuskeln und ein aufgeräumter Hausflur. Ich kenne die Bundesligatabelle und alle Lieder der Kelly Familie. Mit den avengers stehe ich auf Du und Du und die Namen wirklich aller Paw Petrol Mitglieder gehen mir flüssig über die Lippen. Ohne zu Zögern kann ich wieder das große Einmaleins aufsagen und jederzeit fünf Fakten über den Nutria zum Besten geben. Ich kann Gemüse schmuggeln, dass jeder anständige Dopingdealer vor Neid erblasst und verfüge über diplomatische Fähigkeiten, die, falls meine Zeit es irgendwann ermöglichen sollte, uns dem Weltfrieden ein gutes Stück näher bringen wird.
  9. Am Muttertag gibt es mein Lieblingsessen.
  10. Ich feiere das Leben, das in allem Wachsen und Werden, im Großziehen und Gestalten, im Erziehen, im Scheitern, im Loslassen und in der Familie steckt. Das ist die Schöpfung und sie ist großartig!

Frohen Muttertag euch allen!

4 Gedanken zu “10 Dinge- mamas edition

  1. So schön geschrieben. Ich kann es unterschreiben 🙂 Gerade habe ich Waffelteig gemacht. Meine Tochter möchte morgen das Frühstück machen, aber sie traute sich nicht, den Teig alleine zu machen. Ich solle bitte noch Erdbeeren und Heidelbeeren kaufen. Das war mein Job. Nun ist sie dran und ich freue mich drauf !

    Alles Liebe an euch Mütter
    Andrea

    Gefällt 1 Person

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