Am letzten Samstag durften wir einen ganz wunderbaren Abend erleben. Es war ein Frühsommer- oder Spätfrühlingsabend, wie er sich schöner nicht ausdenken ließe. Ein kleines Hoffest in einem wunderschönen Garten, das herrliche Wetter und Musik, die Kinder spielten und rannten umeinander, ohne noch groß an ihre Eltern zu denken, denn unverhofft viele gleichaltrige Freunde fanden sich ein und es gab so nette Gespräche bei einem netten Fläschchen Wein. Fröhliche Leichtigkeit durchzog diesen Garten, geschenkte Zeit, einfach so.

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Überhaupt sind all diese Tage und Wochen gerade geschenkte Zeit. Wir haben zwar noch keine Ferien, aber im Grunde ist alles geschafft. Das erste Jahreszeugnis hat sogar schon den Weg nach Hause gefunden, die Viertklässler bereiten sich nahezu ausschließlich noch auf ihre Abschlussfeierlichkeiten vor, alle Arbeit ist eigentlich getan. Was bleibt sind eine schier endlose Reihe an Sommerfestchen und Poolnachmittagen, Schulausflügen und Eis- Essen. Morgens um kurz nach sieben, finde ich meine spielenden Kinder vor dem Haus und reibe mir verwundert die Augen. Kein Beknien und zur Eile mahnen ist mehr nötig. Aber es lässt sich ja auch soviel leichter zur Schule gehen, wenn nichts Garstiges mehr wartet, nur in kurzer Hose und T-Shirt. Keine lästiges Klamottensuchen, kein Kälteerschauern und kein Bangen mehr, vor fiesen Aufgaben. Geschenkte Zeit für die Kleinen und die Großen, das Leben nimmt es gerade leicht.

An diesem schönen, lauen Samstagsommerabend durften wir die Bekanntschaft zu ausgesprochen netten Menschen vertiefen und irgendwann kam das Gespräch auf das Bloglesen und das Blogschreiben, was wir mögen und was eher nicht, was uns interessiert und anspricht oder eben nicht. Was meine neue Freundin an all diesen Blogs, ja auch an meinem, stört, ist der Umstand, dass das Happy End immer mitgeliefert wird. Ein fieser Tag, Schwierigkeiten mit den Kindern, kleine Selbstwertkrise oder Ärger mit dem Liebsten- am Ende des Eintrags ist alles wieder gut und wird mit ein einigen hübschen Bildchen ansprechenden Gebäcks, ein paar Blümchen und friedlich bastelnden Kindern garniert. Die Freundin denkt dann, „Warum ist es nur bei mir nicht so?! Was läuft denn da nur falsch?!“

Recht hat sie, mit ihrer Kritik, ich sehe das sehr wohl und ich habe mir ernsthaft darüber Gedanken gemacht. Tatsächlich ist es ja so, dass jeder Blogeintrag, von wem auch immer er stammen mag, nur ein kleines Fensterchen in das Leben eines Menschen oder einer Familie öffnet. man erhält die Gelegenheit, ein wenig in den Hausflur zu lunzen, vielleicht einen ersten Eindruck zu bekommen, wie es sich da wohl so lebt. Ähnlich einem Spaziergang in den Abendstunden, wo erleuchtete Fenster kleine Geschichten erzählen. Man ist aber natürlich weit entfernt von einer Hausführung oder gar den Räumlichkeiten, in denen die Schmutzwäsche lagert.

Aber aus der Sicherheit der Leichtigkeit dieser Tage heraus, darf ich dir sagen, liebe U., und auch allen anderen:

ehrlicherweise….

ist das einzige Happy End, das manche Tage offenbaren, die Gnade, dass auch sie vorüber gehen und die Hoffnung, dass in der heraufziehenden Nacht ein neuer Anfang verborgen liegt.

gibt es Stunden, in denen ich die ganze Sippe auf den Mond schießen könnte

und Nächte, in denen die Angst mich übermannt

siegt manchmal das Versagen auf allen Ebenen

gibt es Narben, die wohl erst in der Ewigkeit heilen und die manchmal ganz schön schmerzen

habe ich Scherben verursacht, die ich beim besten Willen nicht mehr kitten kann

fühle ich mich immer wieder, als sei ich wieder sechzehn, unbeholfen und unsicher in meinem Reden und Handeln

stapeln sich neben dem hübschen Teller Zimtschnecken Berge an schmutzigen Schüsseln und klebrigem Besteck

wohnen Fragen und Zweifel in meinem Herzen, auf die ich keine Antwort weiß und mit denen ich wohl alt werden werde

bin ich ein Flickwerk aus Emotionen und Erinnerungen, aus Zerbrochenem und Gelungenem, aus Angst und aus Hoffnung. Das merkt man.

ist Familie und Erziehung  immer wieder „try and error“, eine Herausforderung und oft genug auch schmerzliche Grenzerfahrung

kann man auch unter vielen Menschen einsam sein

weiß ich mir manchmal, also hin und wieder, öfter vielleicht, hmm also in schöner Regelmäßigkeit absolut keinen Rat

ist eine Packung Schokokekse und ein Glas Wein durchaus eine Lösung für scheinbar Unlösbares. Manchmal zumindest. Für den Anfang.

So ist das bei mir. Und ich schätze mal, bei allen anderen auch.

Und trotzdem wünsche ich mir das Happy End, will ich, dass letztlich immer Liebe, Dankbarkeit und Gottvertrauen die Oberhand behalten. Schreibe ich das Gute und lege den Focus auf das Schöne, nicht um zu gefallen, sondern um mich selbst immer wieder daran zu erinnern. Ich will mich erinnern, jeden Tag, dass die Schönheit des Lebens und das Glück des Augenblicks mitten in diesem ganzen, großen Gewurschtel zu finden ist.

 

6 Gedanken zu “Ehrlicherweise….

  1. Danke für diesen schönen Blog! Ich freue mich immer, wenn ich die Benachrichtigung für einen neuen Beitrag erhalte und ich persönlich schätze deine Beiträge, weil du trotz allem Chaos immerwieder die positiven Dinge ins rechte Licht rückst und das mit einem wunderschönen Schreibstil!
    Danke für‘s Lunzen lassen!

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  2. Genau so ist es liebe Sandra.
    Wir können uns in all den Fragen verlieren und unseren Fokus darauf richten was unvollkommen, schmerzhaft und zum davon laufen ist. Aber als Christen dürfen wir unseren Fokus immer wieder auf den richten, dem all das nicht fremd ist und der uns letztlich dazu berufen hat das Leben in Fülle zu haben. Und dieses Fokussieren ist zunächst mal unabhängig von unsern Gefühlen. Deshalb lese ich deinen Blog auch so gerne und weil ich weiß, dass das Du bist zu 100÷ 😚

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  3. Liebe Sandra, so spannend, dass du dir diese Überlegungen gemacht hast. Ich war wieder mal an ähnlichem dran 🙂 und habe dich verlinkt. Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass ich Unsortiertes, Unfertiges ohne Lösung auf dem Blog veröffentlicht habe. Da keine Reaktionen kamen, bekam ich den Eindruck, es wäre eben nicht das, was die Menschen lesen wollen resp. brauchen. Trotzdem war es in diesem Moment ehrlich. Für mich selber ist es auch immer wieder eine Spannung – wieviel Unfertiges, wieviel Berührtes? Kann ich nur schreiben, wenn ich mit Gott ein Erlebnis hatte? Und ich erlebe auch oft, dass Gott mitten im Schreiben hineinkommt. Es ist wie ein Transportmittel für das Reden Gottes… zwar ein öffentlicher Blog, trotzdem immer wieder zuerst für mich selber. Herzlichst Sonja

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