Hurra, wir sind wieder da! Und wenn einer eine Reise tut….

dann muss er erstmal packen. War, wie jedes Mal, eine Herausforderung der besonderen Art und dieses Mal wirklich für Fortgeschrittene. Da wir die Republik ja quasi fluchtartig am frühen Morgen des ersten Ferientages verlassen haben und vorher nahezu ununterbrochen mit Feiern und Verabschieden beschäftigt waren, gestaltete sich das Zusammensuchen des ganzen Krams ein wenig schwierig. Aber einen Profi kann nichts aus der Ruhe bringen. Vergessen habe ich nur die Socken für mein kleines Mädchen und ein paar Schlafanzüge. Aber ein bisschen Schwund ist ja immer. Interessanterweise hatte ich auch die „Pack- dir -was- zum- Spielen- ein“- Rucksäcke keiner eigenen Überprüfung unterzogen. Im Rucksack meines Jüngsten fanden sich ein T-Shirt, Socken für seine Schwester, drei Feuerwehrpflaster und vier Batterien. Das nenne ich vorausschauend Packen. Außerdem mit im Gepäck: Schulabschiedsschmerz, Übermüdung und ein paar Altlasten, mindestens ein überdrehtes Gehirn (nämlich meines), diverse Lebensfragen und einige Kümmernisse.

muss er erstmal losfahren. Unsere Reisegewohnheiten stoßen bei unseren Mitmenschen immer wieder auf, nun ja, Verwunderung. Aber für uns funktioniert es. Reist es sich zu siebt in einem Sharan ohne Dachbox, dafür aber mit jeder Menge Gepäck, bequem? Nein, natürlich nicht. Aber! Aber, man fährt ja in Urlaub! Etwas Tolles liegt vor der ganzen Familie, da sind ein paar Stunden beengtes Sitzen gut zu verkraften. Es ist immer wieder ein kleines Abenteuer und ziemlich lustig. So empfinden es auch alle Beteiligten. Ist man dann glücklich am Zielort angekommen, sind eh alle Strapazen vergessen. Damit die gute Stimmung während der Fahrt erhalten bleibt, bedarf es allerdings ein paar kleiner Vorbereitungen. Am Platz darfst du geizen, aber niemals am Essen. Essen in großen Mengen. Essen darf nie ausgehen (Gummibärchen und Zimtschnecken, hartgekochte Eier und belegte Brötchen, Kekse und noch mehr Gummibärchen). Hörspiele, Hörspiele, Hörspiele. Zur Schonung der eigenen Nerven und aus Rücksicht auf die unterschiedlichen Altersstufen verteilt auf drei mp3-Player. Als elterntaugliche Rundumunterhaltung erwies sich auf dieser Reise das Hörbuch „Miles und Niles“ gelesen vom großartigen Christoph Maria Herbst (lustig für Menschen ab acht).

 

Als hilfreich haben sich auch unsere traditionellen Reiseordner erwiesen. Die Idee dazu habe ich schon vor ewigen Zeiten bei Veronika  geklaut und insbesondere das Autobingo ist immer wieder der Knaller (vor allem, wenn jemand behauptet, er habe morgens um fünf im strömenden Regen ein Cabrio und eine Kuh auf der Autobahn gesichtet).

kommt er auch irgendwann an. In unserem Falle in Dänemark. Das Ferienhäuschen schmiegte sich in die Dünen und 500m weiter toste die wilde Nordsee. Es war genau das, was ich in diesem Jahr dringend brauchte. Ich räumte die Klamotten in die Schränke und packte meine Ferienliste aus. Dicke Bücher wollte ich lesen, Socken stricken lernen und mindestens drei Paar stricken, ganz viel schreiben, mich ausreichend bewegen und mich hingebungsvoll meinen Kindern widmen. Und meinem Mann. Hmm. Es dauerte ein Weilchen, aber dann warf ich die Liste auf den gedanklichen Misthaufen. Und tat nur noch, wozu ich wirklich Lust hatte. Das war erstaunlich wenig. Das Meer und die Dünen, der Wind und die Weite halfen beim anfangs schmerzhaften Gesundschrumpfen. Die mitgebrachten Kümmernisse und Altlasten plumpsten irgendwann in die stürmischen Wellen. Nichts erdet mich mehr, als die gottgegebene Urgewalt des Ozeans.

 

kann er sich neu ausrichten. Neue Perspektiven. Andere Blickwinkel. Ich liebe ja Familienurlaub, nicht nur wegen der gemeinsam verbrachten Zeit, sondern weil man jeden Einzelnen der Sippe an einem anderen Ort unter anderen Umständen und mit der nötigen Zeit auch neu kennenlernt. Mit einem Zwölfjährigen wirklich im Gespräch zu bleiben, zu erahnen, was ihn wirklich bewegt und umtreibt, über die Schule und das Übliche hinaus, ist im Alltagsgewusel und an vollen Schultagen gar nicht mal so einfach. Hier war die Gelegenheit. Den eigenen Mann. Die Kleinen und die Großen. Neue Beziehungen durften wachsen. Mit einem viereinhalbjährigen Bruder kann ein beinahe Drittklässler plötzlich richtig gut Fußball spielen. Stundenlang. Gemeinsam das WM -Aus beweinen, Schwesternliebe, ganz inniglich. Die Kinderschar mischt sich. Alte Streitigkeiten und neue Gemeinsamkeiten. Und manches Altbewährte trägt und verbindet uns immer noch oder immer wieder neu. Vorlesen. Spielen. In der Sonne sitzen und Quatsch machen. Schaukeln. Gutes Essen.

 

erweitert den Horizont. Neues Land, neue Elemente, fremdes Essen, einfach anders als gewohnt. Das hält die Hirnwindungen geschmeidig und das Herz beweglich. Da glaube ich ganz fest dran und das gilt für alle Altersklassen. Außerdem war ja mehr als ausreichend Zeit für neue Bücher und neue Spiele. Meine Lektüreversuche sind allerdings komplett fehlgeschlagen, deswegen liste ich sie gar nicht erst auf. Macht nix. Da meine Vorliebe für gute Kinderbücher ähnlich ausgeprägt ist, wie die für Malteserschokokugeln, kam ich trotzdem voll auf meine Kosten. Untrügliches Kennzeichen eines guten Kinderbuches ist es, wenn nicht nur der Adressat sondern alle plötzlich gebannt hören (sogar der Gatte und der Teenie). Dieses Mal hatten wir gleich zwei Volltreffer im Gepäck: den extra aufgesparten dritten Band von Pudding Pauli und „Anton braucht Mut“. Wir mochten auch schon „Anton hat Zeit“ und die Fortsetzung ist mindestens ebenso gelungen. Absoluter Spielfavorit selbst schon für unsere Kleinen war die „Mogelmotte“ und endlich können wir zu mehreren Canasta spielen.

 

wird er trotzdem älter. Aber am Geburtstagsmorgen meine sechs Lieblingsmenschen, einen Erdbeerkuchen und dann auch noch Kaffee in meinem Bett vorzufinden, verhalf mir umgehend zu der Erkenntnis, dass ich wirklich reich beschenkt bin. Reicher geht nicht.

 

kommt hoffentlich froh nach Hause. Oh ja, wir sind wieder zu Hause. Und froh sind wir auch. Angefüllt mit neuen Eindrücken und viel frischer Luft. Aber vor allem auchdankbar. Dankbar für eine schöne, gemeinsame Reise und dankbar für das Zuhause, in das wir unheimlich gerne zurückgekommen sind. Und natürlich dankbar dafür, dass wir noch vier lange Wochen Sommerferien vor uns haben.

 

dann kann er was erzählen. Nun, da habe ich mich wohl ein wenig verplaudert. Aber vielleicht hast du deine Reise ja noch vor dir…und freust dich schon ganz arg. Lass bloß deine Liste zuhause. Und wenn nicht, man kann ja auch das eigene Daheim neu kennenlernen. Das werden wir jetzt tun. Es sommert….

9 Gedanken zu “Aus dem Nähkästchen

  1. Ach wie schön, und so tolle Bilder! Der Rucksack-Inhalt des Jüngsten – da verdrückt man fast ein Tränchen vor Rührung. Und die Vorfreude wächst, obwohl wir es genau gleich machen, ferienwohnungsbedingt: Samstag frühmorgens losfahren… mit viielen Hörspielen, aber ohne dieses tolle Auto-Bingo… (würdest du die Vorlage weitergeben?) Alles Liebe – und nachträglich HAPPY BIRTHDAY, liebe Sandra! (Der Sommerfrischlertee schmeckt übrigens hervorragend!)

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    1. Liebe Sonja, das Autobingo gibt es tatsächlich bei Veronika und ich suche es mir da immer raus und drücke es direkt aus. Du findest im Jahr 2016, entweder April oder Mai. Liebe Grüße und eine wunderschönen Urlaub dir und deiner Familie mit ganz viel stillen, guten Sonjamomenten. Behütete Reise!

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  2. Liebe Sandra Ob du wohl verrätst wo in Dänemark sich dieser wundervolle Sehnsuchtsort befindet? Ich habe es noch nicht aufgegeben meinen Italiener von Urlaub am Meer im Norden zu überzeugen:-)

    Herzliche Grüsse

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  3. …..na hast du doch socken gestrickt ;)…..ich nehme immer berge an sowo mit, das brauche ich auf jeden fall…..ich empfehle dir kürzere nadeln…..wenn du magst schicke ich dir mal welche…..
    herzlichst
    annette

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      1. ….an die kurzen nadeln gewöhnst du dich ganz schnell….das schont dann auch deine gelenke, weil du nicht so große bewegungen machen musst…..und die birkenholznadeln sind ganz toll und noch besser als die bambus, da sie härter sind und sich nicht verbiegen…..mein angebot gilt….
        herzlichst
        annette

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