Da sitze ich nun und bin ein wenig ratlos. Soll man nun froh und erleichtert sein, dass das Leben wieder in gesitteten und wohlgeordneten Bahnen verläuft, der Alltag sich mit Macht in den Vordergrund drängeln mag und Vanilleeis nicht länger eine ernstzunehmende Mittagessensoption bleibt? Oder ist es angebrachter in Wehmut und Melancholie angesichts dieses irgendwie völlig aus dem Nichts aufgetauchten Ferienendes zu verfallen? Am Ende der Ferien ist noch soviel Sommer übrig. Und er ist ein wenig überdreht, dieser Sommer nicht wahr? Und in seiner Überdrehtheit irgendwie sehr ansteckend und mitreißend, wie eine lebenslustige Partyqueen, die mit ihrem Strahlen und Frohsinn alle zu umgarnen vermag, selbst hartnäckige Eckenhocker dazu bringt, waghalsig mit der Hüfte zu wackeln, obwohl man schon ahnt, dass die Gute auf Dauer etwas anstrengend,  ein wenig zu laut und nervig wird. Also höchste Zeit für meine acht Dinge, an irgendetwas muss man sich ja festhalten können, meine Acht also, die mich erden in diesen, die Sinne verwirrenden Tagen

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  1. Ich gehöre definitiv zu den Menschen, die niemals achtlos die Chance auf ein hübsches kleines Drama ungenutzt an sich vorüberziehen lassen würden. Wellenschlagende Emotionen, hach da hebe ich ja gerne die Hand, nahe am Wasser gebaut, habe ich schon Zeit meines Lebens und mit jeder Schwangerschaft rückte die Hütte noch näher ans Ufer. Aber! Meine liebstes, großes Mädchen, dessen Schulwechsel uns schon ein wenig beschäftigt hat, die große Stadt, das Zugfahren, ganz alleine in eine fremde Klasse-  selbst der eher unaufgeregte Gatte war leicht in Wallung gebracht, also dieses wunderbare Mädchen hat das sich anbietende Drama mit einem Handstreich zur Seite gewischt, den Rucksack aufgeschnallt und ist einfach losgeradelt. Keine große Aufregung, kein Abschied mit Winken und Tränchen im Knopfloch, nur ein Kreuzchen durfte ich auf ihre Stirn zeichnen. Kein Drama in Sicht! Etwas pikiert ging ich ins Haus, um ein paar Betten zu beziehen. Zurück kehrte sie mit einem großen Beutel Schulbücher, einer neuen Freundin und der nüchternen Feststellung, dass Klasse und Lehrerin in Ordnung seien. Jaja, man kann viel lernen von den lieben Kleinen, ganz unbenommen.P1080023

2. Ein wunderhübsches kleines Halstuch habe ich mir in der letzten Woche gegönnt, und gegönnt heißt, dass ich es erstmal selber stricken musste. Und diese kleine Arbeit hat mir wirklich Freude gemacht, denn sie ging einfach von der Hand, an diesen schönen langen Sommerabenden, an denen noch keiner nach der Uhr und Zubettgehzeiten schielen musste. Die Wolle war ganz zart und leicht, keine schwitzigen Finger und quietschenden Nadeln. Es ist schön geworden, dieses Miniprojekt. Jetzt, da es fertig ist stellt sich nur ein Problem: ich bin so gar nicht pastell. Die zarten Rosa und Blautöne sind ganz zauberhaft, aber passen leider überhaupt nicht zu mir. Das ist wirklich keine neue Erkenntnis, aber hin und wieder lasse ich mich hinreißen, denn ich wäre manchmal so schrecklich gerne ein bisschen mehr pastell. Ich bewundere Frauen, die Pastelltöne tragen können, sie wirken immer passend gekleidet, ein wenig ruhiger und zarter, nicht im Sinne von unauffällig, aber doch harmonisch.

Macht nix, ich tröste mich mit diesem Rock, der ein echtes Schnäppchen war, mit leuchtenden Farben und gemustert, denn er passt zu mir und meinem etwas unruhigen Geist. Und mit der Erkenntnis, dass man auch in dieser Hinsicht nicht sein kann, was man nun mal nicht ist. Für das Tuch werde ich jemanden finden, der etwas pastelliger ist, als ich es bin.

3. Gewöhnliches Vollkornbrot backen, ein paar Gläser Pesto anrühren, Müslischalen auf den Tisch stellen, ganz alltäglich, ganz handfest, ganz unaufgeregt. Das ist sehr tröstlich und wohltuend nach den zwei Monaten Ausnahmezustand.

4. Heilige Stille. Rund um die Uhr Leben im Haus ist toll, bereichernd und man fühlt sich definitiv nicht allein. Aber es ist eben auch herausfordernd und anstrengend beständig ansprechbar und zur Verfügung sein zu müssen. Also genieße ich die Stille und höre mir selbst beim Denken zu.

5.Ich war anfänglich irritiert, dass ein neues Schuljahr beginnt, und nicht der leiseste Hauch von Herbst liegt in der Luft. Sonst riecht ein neues Schuljahr nach frischgekauften Heften und der Ahnung von Jahreszeitenwechsel. Neuanfang eben. Der Sommerstart hat auch sein Gutes. Die Schulen haben den Unterricht verkürzt und Hitzefrei anberaumt. Keiner muss schon zu Beginn Mützen und ähnlichen Kram suchen. Wir sommern auf Sparflamme einfach weiter und gewöhnen uns langsam an den Normalzustand.

6. Winzige Ernteerfolge lassen sich erstmals auch bei uns verbuchen. Das waren mindestens schon fünf Minitomaten, sogar essbar. Vielleicht ist auf dem Gebiet doch noch nicht alles verloren. Vor allem aber bangen wir um das Leben unseres einen Kürbis. Der muss es schaffen, ein ordentlicher Atlantic Giant Riesenkürbis zu werden. Die Zwillinge haben ihn gepflanzt und sorgen sich um sein Wohlergehen. Und ich sorge mich um das Wohlergehen meiner Zwillinge.

7. Ich bin so unendlich dankbar, für diese letzten sechs Wochen, für all die Fäden, die unser Familiennetz neu durchzogen haben, und die es immer mehr zu einem stabilen Auffangnetz in schwierigen Zeiten machen. Für die gemeinsame Zeit, für die vielen kleinen Begegnungen zwischen Küche, Pool und Gefriertruhe.  Nun gehen alle wieder ihre eigenen kleinen Wege, aber ich denke wir sind gestärkt für diese Wege, sonnensatt, herzensvoll und innerlich verbunden.

 

8. Und wo ich schon so dankbar bin, so lege ich noch ein Schippchen obenauf. Selten war mir so bewusst, wie gut es uns eigentlich geht. Große Hitze und trotzdem genug Wasser. Kein Waldbrand in Sicht. Eine Schule und ausreichend Bücher. Lernen dürfen, arbeiten dürfen. Ein Dach über dem Kopf und Arme, die uns halten. Auch keine neue Erkenntnis? Stimmt, wohl war. Aber manchmal muss man sie sich vor Augen führen. Das erdet auch ungemein.

Ja, am Ende der Ferien ist noch soviel Sommer übrig. Ich entscheide mich jetzt mal dahingehend, dass das eine äußerst gute Sache ist und feiere noch ein wenig mit dieser wilden, überdrehten Partyqueen. Nicht mehr ganz so dolle, natürlich. Aber für einen Absacker bleibe ich gerne noch ein Weilchen. Und falls du noch mitten drin steckst, dann wünsche ich dir eine ganz fantastische, segensreiche und erholsame Zeit!

Hast du es gemerkt? Nur acht und nicht die üblichen zehn. Hätten auch zehn werden können, aber ich muss jetzt mal die Kinder abholen, Essen kochen und so ein Kram. Wir sind hier schließlich nicht im Urlaub…

 

 

Ein Gedanke zu “8 Dinge

  1. Mann, die Partyqueen ist für Introvertierte auf Dauer echt anstrengend. Aber ich will ja nicht meckern. Demnächst kommen direkt zwei Jahreszeiten hintereinander, die für Partymuffel wie mich bestens geeignet sind. Und dann werde ich mich zurücksehnen nach den vielen verzauberten Sommerabenden….

    Haste wunderbar geschrieben! Findet euch gut in den neuen Schulalltag-Rhythmus rein!

    Liken

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