Also, wir irren und wirren weiter. Nur so lässt sich die sehr unregelmäßige Schreiberei hier überhaupt rechtfertigen. Gerade habe ich meinen Eintrag von letzter Woche nochmals gelesen und das waren doch wirklich weise Worte, hm tjaja. Ich muss mich nur selbst immer wieder daran erinnern. Meine Phantasie von einem schlichten, simplen September scheint nicht ganz Realität werden zu wollen, es will einfach keine Monatsgrenze für solche Zeiten geben.

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Aber letzte Woche saß ich früh am Morgen in einem Mainzer Cafe und frühstückte mutterseelenalleine. Mit Gratisblick auf den bunten Wochenmarkt und den Dom in der Morgensonne. Das war wunderbar, eine rare Fastunmöglichkeit und ich genoss dieses unverhoffte Stündchen in vollen Zügen. Gesellschaft leistete mir die neue Ausgabe der „Family“ und ihr wirklich spannendes Dossier zum Thema „Loslassen“. Ich versuchte mich also im Loslassen und las gleichzeitig ganz vielseitige Aspekte zu diesem Thema, eine Übung in Theorie und Praxis sozusagen. Das „Loslassen“ ist ja ein Dauerbrennerlebensthema, es kann gigantische Formen annehmen, wenn es um die ganz großen Lebensbaustellen geht, aber es gehört genauso in jeden kleinen Bereich deines Alltagsleben. Loslassen von Vorstellungen, Lebensentwürfen und falschen Hoffnungen, Loslassen von Kindern, dem Kram im Keller, der Idee vom simplen September, von der ungestörten Nachtruhe und einem Mittwochnachmittag ohne kranke Kinder. Vielleicht musst du dich auch nur von deinen Plänen für den heutigen Tag verabschieden oder von der Hose in Größe 36. Immer wieder müssen wir uns neu ausrichten, neu sortieren, hinterfragen und eben akzeptieren, dass unsere Vorstellungen und Pläne nicht das Maß aller Dinge sind. Allen Loslassprozessen ist gemeinsam: nur wer loslässt schafft auch Platz für Neues, Raum für Entwicklung, kann frohen Herzens andere Wege willkommen heißen. Das Leben ist freundlich zu seiner manchmal lernunwilligen Schülerin und bietet ihr gerade jede Menge Loslassübungen im Kleinen und im nicht ganz so Kleinen….

Ich habe an diesem Freitagmorgen meine alte Brille losgelassen und herzlich Willkommen zum neuen Modell gesagt. Ha, das war eine leichte Übung! Und ich bin nur kurz hysterisch geworden, als ich dachte sie hätten mir das neue Modell in einer falschen Sehstärke gefertigt. Plötzlich war alles so wahnsinnig scharf und deutlich. Lag dann aber doch nur an meinem überforderten Hirn und den zerkratzten Gläsern des alten Modells. Loslassen und neuen Durchblick haben….

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Jede Menge Gerümpel haben wir losgelassen und „Herzlich Willkommen Sperrmüll“ gerufen. Auch eine Übung, die mir leicht fällt und die jedes Mal als wahnsinnig befreiend erlebe. Mein Herz hängt nicht an Dingen, tatsächlich nicht und ich freue mich über den gewonnen Platz. Das Chaos aber, bis das Zeug dann endlich abgeholt ist…. Loslassen und neuen Freiraum habenP1080232

Unser Haus wird endlich, endlich!!! gestrichen und wir lassen mit frohem Herzen das 80er Jahre Ambiente los, das viele dunkle Holz und die verwitterte Fassade. Herzlich Willkommen neue Helligkeit…okay, auch keine schwere Übung sondern eine, die viel Freude bringt und die mich vor allem bestätigt. Mit vielen kleinen Schritten kommt man auch ans Ziel. Es muss nicht immer alles auf Anhieb perfekt sein. Gestern Abend meinte mein Großer:“ Siehst du Mama, so wird das Haus immer mehr zu unserem“ Da hat er wohl recht und wir arbeiten ja auch erst zehn Jahre daran. Tschüss hektischer Perfektionswahn.

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Dafür ist das Loslassen von unseren Zeitvorstellungen, die wir für dieses Projekt konkret hatten schon sehr viel schwieriger. Dauert alles viel länger, zwischendurch gab es einen längeren Stillstand und an mir nagt die Ungeduld. Was ja eigentlich blöd ist, denn auf eine Woche mehr oder weniger kommt es eigentlich nicht an. Loslassen und ähm, wieder ein Fitzelchen geduldiger werden.

Ich trage mich mit dem Gedanken, die Idee vom Familienbett auf freiwilliger Basis langsam loszulassen. Bisher waren mir nächtliche Besucher und Dauergäste nicht unwillkommen. Aber es wird eng, denn die Besucher wachsen. Mittlerweile wird es so eng, dass meine mangelnden Möglichkeiten eine Schlafposition zu finden mir echt fiese Rückenschmerzen bescheren. Selber gehen und ein freies Bett zu okkupieren ist keine Lösung- sie finden mich überall. Ich denke also über das Loslassen nach, aber eine Lösung ist mir noch nicht eingefallen. Ich habe bei den Beteiligten mal vorsichtig nachgefragt. Sie sind guten Willens, meinen aber, dass sie es nachts leider immer vergessen würden. Loslassen und….Schlafen??!

 

Meine Idealvorstellungen von unserem Alltag lasse ich nur schweren Herzen ziehen- zumindest für den Moment. Dieser Tage jammerte ich dem Gatten die Ohren vor, wie sehr ich auf einen normalen Alltag im September gehofft hatte. Und nun…!!! Der Gatte gab vernünftigerweise zu bedenken, dass alle „wenn…dann“- Szenarien wenig erfolgsversprechend und eher frustrierend seien. Wenn erstmal alles wieder normal läuft, dann… wenn es wieder ruhiger wird, dann…Erfahrungsgemäß ist ja immer was, was gerade irgendwie nicht normal ist… Alltag ist jeden Tag, egal wie irre. Loslassen und die Welle surfen….

Immer wieder und gerade jetzt muss ich (wieder mal…) meine Vorstellungen, von dem was ich alles können und leisten möchte, modifizieren. Wieder einmal drei Schritte zurücktreten von Instagram und co. Wieder einmal die eigenen Grenzen akzeptieren, die eigene Persönlichkeit, die eigene Geschichte. Loslassen und „Willkommen Dankbarkeit“ rufen, für alles was gelingt, für alle guten Begegnungen, für unsere ganz einzigartige Art Familie zu sein und zu leben (und nur so kannst du Familie leben- auf deine ganz einzigartige Weise, vergiss das nicht, wenn du deinen Instaaccount öffnest…)

Du siehst also- ich bin schwer beschäftigt mit loslassen und Willkommen heißen. Und ich erspare dir jetzt mal meine Phantasien von einem völlig entspannten Oktober…Aber einen gesegneten Sonntag wünsch ich dir, und ein paar gelöste Momente!

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “Loslassen und Willkommen heißen

  1. Ach liebe Sandra – danke einmal mehr für diese Worte, sie treffen mitten in mein Herz. Ich fühle mich sowohl verstanden als auch ermutigt und herausgefordert. Herausgefordert vom Willkommen heissen, ermutigt zum Loslassen. So viele Vorstellungen habe ich, wie meine Kinder funktionieren sollten, wie ich selber sein sollte und was ich alles schaffen sollte. Ich übe mich – und mit deinem Blogpost gerade noch etwas fröhlicher! Alles Liebe!! (Übrigens ist das zuckersüsse Kätzchen, das besser in die Küche passt als eine Kuh, wirklich zum Anbeissen!)

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