„Mama, weißt du was? Mama?! MAMA?! Weißt du was?! Noch fünf Tage, dann ist Weihnachten!!“ Ach, echt? Ich werde ja gerne auf den neuesten Stand der Dinge gebracht, nur morgens um fünf hadere ich ein wenig mit neuen Erkenntnissen. Dementsprechend beschränkt sich meine Antwort auf so etwas wie „grmpff“.

Ich versuche mich irgendwie umzudrehen, soweit das in eingekeilter Lage zwischen zwei Fünfjährigen und deren Kuscheltieren überhaupt möglich ist (irgendwo müsste da auch noch  ein Gatte rumliegen), mein linker Arm ist leider abgestorben. Ziel meines schlafumnebelten Hirnes ist es, den Verkünder der frohen Botschaft durch hartnäckiges Ignorieren zum Schweigen zu bringen. „Leuchte weit, leuchte weit, freut euch auf die Weihnachtszeit!“ Es singt direkt in mein Ohr, in mein rechtes. Man kann diesen Refrain in der Endlosschleife singen. Endlos ist morgens um fünf sehr lange. Die Katze informiert umgehend darüber, dass sie sich erstens hungrig und zweitens vernachlässigt fühlt, schließlich zieht sich so eine Nacht ja ganz schön in die Länge.

Das Klingeln des Weckers setzt meiner Ignoranz ein jähes Ende, der kleine Weihnachtsengel neben mir ist schon auf den Beinen und verkündet lautstark: „Guten Morgen liebe Sorgen! Ich bin bereit!“ „Nein, bin ich nicht,“ jammert jede Faser meines Körpers, während ich der quicklebendigen Kinderherde, angeführt von einem Katzenteenie, nach oben folge. So geht das jetzt schon seit Tagen. Mit dem einzigen Unterschied, dass am Sonntag natürlich kein Wecker klingelt und ich trotzdem irgendwann entnervt aufgebe, meistens sogar vor sechs Uhr.

Meine Kinder sind so etwas von bereit für Weihnachten, dass es kaum noch auszuhalten ist. Ich nicht. Da ist noch so viel Arbeit, so viele Einkäufe und Erledigungen, Weihnachtskarten und, und, und… Oder doch? Vor ein paar Tagen erläuterte mir mein Großer in aller Ausführlichkeit, warum er sich so unglaublich auf Weihnachten freue. Vor allem auf den 24. Dezember. Es sei gar nicht der Abend als solcher, sondern der ganze Tag, auf den man sich so freue, dass man fast zerspringen möge. Und er erzählte mir vom verschlossenen Weihnachtszimmer und einem Frühstückspicknick im Kinderzimmer. Vom Aufbau der Playmobilkrippe, „damit wir schon mal spielen können und immer ist der Elefant weg“. Von Playmobilfilmchen zum Zeitvertreib, und einem langen Spaziergang, um die letzten Weihnachtskarten auszutragen. „Und der Geruch von Dusche und Feuchtigkeit, wenn wir uns alle fein machen. Und dann sagst du: „Das kann doch gar nicht sein, dass das Kind kein anständiges Hemd hat, und wo ist überhaupt der Gürtel?“ Und dann fahren wir in die Stadt und jedes Mal müsst ihr darüber zanken, wo man den jetzt noch einen Parkplatz findet und wenn wir endlich einen haben, dann sagst du jedes Mal:“ Wie soll ich denn auf diesen Schuhen soweit laufen?!“ Und dann der schöne Gottesdienst und schließlich nach Hause kommen und dann ist richtig Weihnachten.“

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Und wie ich meinem Jungen so zuhörte, der eine so wunderbare Bildsprache beherrscht, da war ich mir doch ganz sicher: Ich bin bereit! Es ist längst nicht alles fertig, ich habe noch nicht an alles und an alle gedacht, und ganz ehrlich- manches werde ich auch einfach nicht mehr schaffen. Man möge mir verzeihen. Aber für Weihnachten bin ich mehr als bereit.

Es gibt einen Moment, und wenn du Mama oder Papa bist, dann kennst du ihn bestimmt auch, einen ganz besonderen Moment, den es nur nach der Geburt eines Kindes gibt. Dann hört nämlich für eine kurze Zeitspanne die Welt auf sich zu drehen. Du hälst das kleine Wunderwerk Leben in deinen Armen und bestaunst es. Ein Stückchen Himmel ist auf die Erde geplumpst. Die Geburt ist geschafft,  die Strapazen und der Schmerz überwunden und Milcheinschuss, Bauwehkoliken und das schreiende Inferno noch in weiter Ferne. In diesem besonderen Augenblick ist alles getan, eine strahlende Ruhe, wie es sie sonst nicht gibt, eine freudige Stille. Vielleicht dauert dieser Moment nur ein paar Stunden, vielleicht weniger. Aber er ist da, besonders, einzigartig und unglaublich schön.

An Weihnachten sind wir eingeladen uns in diesen besonderen Moment nach der Geburt Jesu mit hinein zu setzen. Für den Augenblick ist alles getan, dein ganzes Chaos, deine Strapazen, alles, was nicht gelungen ist, darf eine Zeitlang schweigen. Keine Sorge, es kommt wieder. Aber jetzt darfst du an der Krippe ausruhen, und ein wenig darüber staunen, was uns da an Leben geschenkt wurde. Du musst das natürlich nicht im abgedunkelten Zimmer, andächtig schweigend und in Gesellschaft der „Wiener Sängerknaben“ tun (außer du willst es so). Es ist ja ein froher Anlass, du darfst loslassen und dich einfach freuen, so wie du dich am liebsten freust.

Es war ein langes Jahr, bunt und anstrengend, herausfordernd und voll mit Leben, in all seinen Schattierungen. Jetzt bin ich ein wenig müde geworden. Bereit, es gut sein zu lassen, für den Moment. Bereit, für eine Atempause. Bereit für Weihnachten.

Ich wünsche dir und deinen Lieben ein gesegnetes, frohes Weihnachtsfest, einen Ruheplatz an der Krippe und eine stets gefüllte Plätzchenschale! Wir lesen uns im nächsten Jahr!

 

 

 

6 Gedanken zu “Allzeit bereit

  1. Liebe Sandra – in fünf Minuten mache ich mich auf zum Adventstee im Kindergarten meiner Tochter. Dein Text hat in mir diese Sehnsucht zum Klingen gebracht, den Moment zu geniessen, das Wunder von Weihnachten, bei dem ich mich ausruhen darf. Vielen Dank dir – für alles, für jeden Blogeintrag, für jeden Moment der Ruhe und des Lächelns, das sie in mir hervorgebracht haben – und von Herzen auch eine reich gesegnete Weihnachtszeit. Ich freue mich, dich nächstes Jahr wieder zu lesen!!! Alles Liebe!!!

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  2. Hach, mein Beileid…sonntags vor sechs!!!??? Mir war nicht klar wie prädestiniert ich mit einem Kind bin, das mich nicht vor 6:30 weckt (und auch dann falle ich noch in die selbe ignorierende Starre, die auf ein Wunder des „noch mal weg schlummerns“ des Sprosses hofft)…manchmal auch erst um 7:30…
    Was sind das wohl für rosa Zuckerkugeln? Und sogar der Gatte engagiert sich bei der vorweihnachtlichen Süßwerk-Herstellung! Meine Empfehlung für`s nächste Jahr: Orangenmarmelade (Mhhhh).
    Schön mit dem Bereitsein und wie cool dein Großer das beschreibt…der wird bestimmt auch mal Spaß im Umgang mit Worten haben, bzw. hat er schon.
    Frohe Weihnachten…und vergiss nicht den Spruch mit den Schuhen!

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  3. Danke für die Einstimmung auf Weihnachten. Wir sind in diesem Jahr bei den Schwiegereltern, deswegen kann ich den Ablauf leider nicht selbst bestimmen, hoffe aber, dass es trotzdem auch so schön wird wie bei euch.

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  4. Herrlich deine Schilderungen! Danke für dein (Mit)teilen des Alltags. Ich freue mich darauf, dich im neuen Jahr wieder zu lesen! Ich wünsche ein frohes Weihnachtsfest, zwischendurch kleine Atempausen, selbst wenn sie nach zwei Minuten schon wieder unterbrochen werden… Sula

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  5. Pingback: Artikel der Woche

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