„Na, das sind ja vielleicht mal aufregende Zeiten!“, stellte ein morgenfrischer Achtjähriger müslimampfend heute früh um halb sieben fest, den Sportteil der Zeitung sicher im Blick (da war tatsächlich noch ein Bild von „seinem“ Bayernspiel letzte Woche in München, die armen Mainzer verdauen immer noch). „Kann man wohl so sagen“, gab ich nicht ganz so morgenfrisch zurück, überließ ihm die Zeitung und ging auf die Suche nach den Brotdosen.

Es sind wahrlich aufregende Zeiten, wenn du acht Jahre alt bist und dich auf ein großes Fest vorbereitest. Gestern Abend durfte er sein Festtags-Menü aussuchen (sehr zu meiner Erheiterung, denn er lehnte das empfohlene Rumpsteak mit Spargel und Kartoffeln dankend ab und entschied zugunsten von hausgemachten Ravioli mit Bärlauchpesto…), nächste Woche suchen wir die passende Klamotte.

Vor acht Tagen war er noch mit dem Papa in München und feierte seine Lieblingsmannschaft, diese Woche reiste er mit der Mama in den Wald. Und mit zwanzig weiteren Kindern. Seit Herbst schon gemeinsam unterwegs unter dem Motto „Komm mit, wir finden einen Schatz!“, fanden sie im Wald, was ich und meine Mitstreiterin seit Monaten mit mäßigem Erfolg zu vermitteln suchten. Nicht so sehr in den wohlgeplanten und durchdachten Arbeitseinheiten zum Thema „Brot“, sondern vielmehr in der stundenlangen Freiheit zwischen den Bäumen, beim Hütten und Lagerbauen, am Feuer, mit dem Stockbrotstecken in der Hand, in der Gemeinschaft und beim Singen, beim Laubsägen und Steine bemalen. Der Geist weht wo er will und für meine Horde Buben rauschte er zwischen den Bäumen des Hunsrücks, machte ihre Herzen weit und ließ sie ahnen, was Communio bedeutet. Und mir wurde mal wieder klar, das theoretisches Wissen niemals das persönliche Erleben ersetzt, dass Gottesnähe immer Beziehung heißt und man das Finden eines echten Schatzes nicht vorherbestimmen kann. Wir hatten an diesen drei Tagen Schatzsucherglück und ich kehrte mit einem hundemüden, dreckigen, aber sehr glücklichen Jungen heim.

Seit dem lässt mich das Bild des Schatzsuchers nicht mehr los. Ich denke dabei immer an die wettergegerbten Männer aus alten Wild- West- Schinken, an Abenteurer, die nach versunkenen Schiffen tauchen, an Schatzkarten und abenteuerliche Reisen. Aber vor allem denke ich an lange Wege, Irrwege und Umwege, an dreckige Hände und Entbehrung, an verzweifeltes Suchen, an mühsame Stunden, an das Ringen zwischen Resignation und Durchhalten. Eine Schatzsuche beinhaltet eben immer auch die Suche, den Schmerz, den Schweiß. Das tröstet mich in gewisser Weise, jetzt, wo mein Herz wieder auf der Suche ist, denn oft schon habe ich nach mühseliger Suche unverhofft den Schatz gefunden. Ehe kann so ein Schatz sein, und Familie, wertvolle Freundschaften und Lebensträume, die dich nicht loslassen. Nichts davon fällt einfach vom Himmel, es will gesucht, errungen und gefunden werden, manchmal musst du ganz schön tief graben und manch einer möchte dir weiß machen, dass die Suche vergeblich sein wird, vielleicht zuallererst du selbst. Aber wenn der Schatz es wert ist, gefunden zu werden? Stell dir nur vor, du würdest dich nicht immer wieder auf die Suche machen, der Unruhe deines Herzens nachgeben, dich auf den Weg ins Unbekannte machen? Was würde dir nur entgehen! Einen echten Schatz, kannst du nicht kaufen, der will gefunden werden, trotz aller Zweifel, trotz aller Ängste, trotz jeden Abers.

Das Leben scheint es so mit sich zu bringen, das es immer wieder Geduld und Durchhaltevermögen von uns fordert, Vertrauen und Hoffnung, es scheint der Rhythmus zu sein, der allem irdischen Lebens eingewoben ist. Winter und Frühling, Schwangerschaft und Geburt, Säen und Ernten, Nacht und Tag, Karfreitag und Ostern, Suchen und Finden.

Mit den Kindern im Wald pflanzte ich Samenkörner in kleine Töpfchen und ein kleines skeptisches Mädchen meinte:“ Bist du sicher, dass da draus etwas wächst?! Man sieht ja gar nichts!“ Doch, liebes Skeptikerin, doch! Es wird wachsen, hab nur Vertrauen und hüte diesen kleinen Topf, der Dreck und das tiefe Dunkle der Erde ist nie das Ende sondern immer ein Anfang.

Jetzt sind wir wieder zuhause, hier am Rhein, wo es keinen Wald gibt. Aber natürlich jede Menge Schätze, kleine und große, Lebensschätze und Alltagsschätze. Das Losgehen und die Suche, die offenen Augen und das weite Herz kann dir niemand abnehmen, aber die Schätze deines Lebens wollen von dir gefunden werden.

Es sind wahrlich aufregende Zeiten, in denen du einfach losziehen und einen Schatz suchen kannst. Auch, wenn du nicht gerade acht Jahre alt bist und dich auf dein großes Fest vorbereitest.

Welchen Schatz suchst du?

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