… nach Ostern ist mein kleines Mädchen. Kritisch sieht sie sich in unseren zugegebenermaßen zur Zeit sehr kahlen und schmucklosen Wohnräumen um. „Hier ist ja gar nichts von Ostern, noch nicht mal ein Hase, warum denn nicht? Hast du es vergessen??“ Ich überlege nur kurz, ob ich jetzt erschüttert sein müsste, weil sie mir ernsthaft zutraut, ich könnte Ostern vergessen haben (nicht völlig abwegig der Gedanke, ich vergesse in letzter Zeit häufiger mal etwas…), entscheide mich aber lieber für eine ordentliche Antwort. “ Hier ist noch gar nichts von Ostern, liebes Kind, weil ja noch gar nicht Ostern ist!“ Sie ist kurzzeitig beruhigt, sieht aber so aus, als wolle sie das Ganze mal besser im Auge behalten. Nicht, dass da doch noch etwas schiefläuft, mit Ostern.

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Keine Bange, an Ostern wird es bei uns österlich sein, da wird die Kargheit ein Ende haben, Blumen in allen Vasen und grüne Zweige, jede Menge Eier, Hefezopf und Vanilleeis. Wahrscheinlich findet sich auch der ein oder andere Hase. Noch ist Fastenzeit, Karwoche sogar, da darf es ruhig sein, und karg. Schritt für Schritt nähern wir uns dem großen Fest, die Zeichen mehren sich, aber es ist eben noch nicht soweit. Man sieht ja auch selten Menschen mit Geburtstagstorten durch die Gegend laufen, wild Geschenke aufreißend, eine Woche vor dem Ehrentag. Oder Bräute in Brautkleidern, bei Aldi an der Kasse, lange vor dem Hochzeitsfest. Nur an Weihnachten und Ostern haben die Menschen es immer schrecklich eilig, alles schon vorweg zu nehmen, als hätte man nicht bis Pfingsten Zeit in aller Ruhe und doch voll Freude Ostern zu feiern. Ich bin ja eine große Freundin von „Alles zu seiner Zeit“. Sonst wird es mir zu anstrengend, zu beliebig, zu austauschbar. Ich will mehr als „Winterdeko“ und „Frühlingsdeko“, ich will den ganzen Weg.

… nach Gesundheit ist die ganze Familie. Falls du mich in den letzten zehn Tagen irgendwo getroffen hast, dann habe ich vielleicht nicht ganz so strahlend gegrüßt, wie es sonst meinem liebreizenden Wesen entspricht. Wahrscheinlich habe ich etwas muffelig: „Die Kinder sind krank“, gegrunzt und mir verstohlen drei bis fünf Kilo Schlafsand aus den Augen gerieben. Jaja, die Kinder sind krank. Sie können nicht mehr schlucken, aber dafür spucken, sie fiebern und leiden und sind dabei unerhört tapfer. Wir mussten sogar unser großes Mädchen von ihrer Klassenfahrt abholen, auf die sie sich sehr gefreut hatte, manchmal ist das Leben einfach besch…eiden. Interessanterweise haben die kleinsten Menschen im Hause ihren Anteil des Virus schnell weggesteckt. Krank sein ist gerade nicht so ihr Thema. Im Unterschied zum präpubertären Gemüse. Die hat es voll erwischt. Auch interessant ist die häufigste Antwort, die man auf ein gegrummeltes „Die Kinder sind krank!“ bekommt. „Na dann ward ihr bestimmt beim Arzt und habt Antibiotika und es ist schnell wieder alles gut.“

Ja, wir haben ärztlichen Rat gesucht, nein, Gesundwerden dauert. Der Mensch ist ja kein Auto, das man im Schadensfalle schnell zur Werkstatt bringt, damit es umgehend wieder fahrbereit gemacht wird. Kinder schon gar nicht. Und in verändernden Lebensphasen gleich dreimal nicht. Funktionalität ist eben nicht alles. Denn manchmal braucht es Krankheit zum Wachsen und Werden, stehen sie nach einer Woche auf, und haben einen beeindruckenden Reifeschritt vollzogen, sind sie innen und außen gewachsen, braucht der Körper eine Pause vom Leben, Schaffen, Funktionieren und ein paar Schüsseln Schokoladenpudding. Ich bin auch eine große Freundin von „Alles braucht seine Zeit“ und ich will mehr, als funktionierende Kinder, trotz der Zeit, die es kostet und der Nerven und der Schule, die ein wenig leidet (und ja ich weiß, was da für eine endlose Diskussion mit dranhängt und nein, dieses Fass möchte ich jetzt bitte nicht öffnen, jede Familie auf ihrem eigenen Weg, bitteschön)

… nach meinem Alltag bin ich schon seit Wochen. Erst war Weihnachten und dann alle krank und dann so viel los und jetzt wieder alle krank und dann kommt schon Ostern und Erstkommunion…Jeden Sonntag sitze ich vor meiner Wochenübersicht, trage ein, plane jeden Tag und denke entschlossen: „So, jetzt hat uns endlich der Alltag wieder“. Den Rest der Woche bin ich dann damit beschäftigt, alles wieder umzuändern, auszustreichen und umzuplanen. Langsam keimte in mir der Verdacht…aber nein, diese Woche würde es klappen. Am Samstagabend habe ich schnell noch eingekauft, mit migränekrankem Kopf, konnte nicht alles tragen ließ den Geldbeutel und drei Tütchen Osterschokolade im Auto, in unserem Carport, liegen und am Sonntagmorgen war alles weg. Der Gatte ließ seufzend die Karten sperren, mein Mut sank, das Fieber eines Kindes stieg wieder. Der Geldbeutel wurde mittlerweile am anderen Ende des Ortes in einem Vorgarten gefunden, aber Geld und vor allem Schokolade! blieben verschwunden.

Gestern am Abend wurde der Gatte auf dem Fahrrad vom Auto angefahren. Er verbrachte die halbe Nacht in der Notaufnahme und kehrte geprellt von Kopf bis Fuß mit eingewickeltem Arm wieder nach Hause zurück. Der Verdacht ist nun sichere Gewissheit: das, liebe Frau 7geisslein, ist ihr Alltag. Seien Sie eine Freundin ihrer Zeit, ihrer Tage, ihrer Wochen, denn, voila, so ist das Leben. Hören Sie auf zu suchen, Sie sind schon längst da, hier ist das, was Sie immer wollten, bunt und durcheinander und überreich.

Es will Ostern werden, der Rhythmus des Lebens, er schlägt, alles hat seine Zeit. Chaos und Ordnung, Gesund sein und Krank sein, Wachsen und Werden, Tod und Auferstehung. Fast schon rührend, wie wir uns immer wieder einbilden, wir würden es besser wissen. Ich wünsche dir gesegnete Ostertage, voller Auferstehungsfreude und mit ausreichend Zeit, für dich und die, die zu dir gehören, für das bunte Leben, das wir jedes Jahr feiern. Und für den, der es dir ermöglicht. Und natürlich für Kuchen.

 

3 Gedanken zu “Auf der Suche…

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