Also, der August und ich, wir stehen  ja jedes Jahr wieder ein bisschen auf Kriegsfuß miteinander. Dabei ist er doch so schön und freundlich und ich bin ja eigentlich auch ganz schön und meistens freundlich, es müsste eigentlich fluppen. Ach, Augustschätzchen, es hat gar nichts mit dir zu tun, weißt du, es liegt allein an mir und an all den Seltsamkeiten, die so passieren. Sommergrippe zum Beispiel. Sommergrippe für alle, sogar für mich, wo ich doch nie, wirklich nie Fieber bekomme, oder eben doch. Die Kinder bestaunten mich Elendshäufchen auf der Couch, als wäre ich irgendein äußerst merkwürdiges und unerklärliches Phänomen. Irgendeines fasste sich ein Herz und meinte:“ Es ist so seltsam, du bist doch nie krank!“, schüttelte ungläubig den Kopf und trollte sich davon. Mehlmotten, ekelhafte Angelegenheit. Hitzewirre Fliegen, die aus dem nichts heraus in die Kaffeetasse plumpsen und deren Gesumme schon jeden normalen Menschen in den Wahnsinn treibt, besonders aber fiebernde Kinder. Terminchaos und viel zu viele Elternabende bei viel zu hohen Temperaturen. Jetzt ist er weg, der August, und ich winke ihm noch ein bisschen nach mit einer seltsamen Mischung aus Wehmut und Erleichterung. Trotzdem. Bei aller Jammerei. Hier meine zehn. Du kennst das Spiel…zehn Dinge, die mich in den letzten Wochen getragen und gehalten haben, Freude schenkten, Mut machten oder einfach flüsterten: „Vergiss nicht, das Leben ist schön!“

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1. Sonnenblumen. Eine Überfülle an Sonnenblumen, einen ganzes Feld schon fast. Nicht bei uns, natürlich, sondern im Garten der Nachbarn. Aber weil sie tatsächlich sehr geschickt gepflanzt und außerdem hochgewachsen sind, kann ich sie ganz wunderbar sehen, obwohl wir sonst natürlich nicht in Nachbargärten schauen. Sie sind wundervoll, sie leuchten und sehen in Kombination mit dem augustblauen Himmel einfach hinreißend aus. Wie ein van Gogh Gemälde, das Wirklichkeit wurde. Dieser Kunstgenuss wird mir seit Wochen völlig umsonst geschenkt. Und ich habe wirklich jeden Tag ein dickes sonnengelbes Grinsen im Gesicht, beim Anblick dieser Herrlichkeit.

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2. Kinderfreizeiten. Zum ersten Mal sind zwei unserer Kinder auf eine Sommerfreizeit gefahren und hatten eine Wahnsinnszeit. Und ich finde, es sollte mal ein dickes, fettes DANKE in die Welt gebrüllt werden, für all die Ehrenamtlichen, die sich in ihrer Freizeit unermüdlich und mit viel Herzblut für das Gelingen einer solchen Ferienwoche einsetzen, die Ideen haben, planen und umsetzen und ihre Zeit schenken. Ihr seid ein echter Segen für so viele Kinder und Jugendliche. Hammer, dass es euch gibt!

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3. Derry Girls. Leider nur sechs Folgen. Denn ich fing schon an zu grinsen, als ich sah, dass die zweite Staffel freigeschaltet ist. Wenn du einen wirklich blöden Tag hattest, dann schau dir diese Serie an. Spätestens, wenn „Sister Michel“ die Bühne betritt, liegst du japsend auf dem Boden. Wenn du, wie ich, ein Teenie der Neunziger warst, dann ereilt dich ein Flashback nach dem anderen, auch wenn die Südpfalz natürlich deutlich weniger konfliktträchtig war, als Nordirland. Ist allerdings mit Untertitel, den es tatsächlich braucht, denn der irische Akzent ist Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig.

4. Kinderbücher. Ich bin ja ständig auf der Suche nach guten Kinderbüchern und überglücklich, wenn ich fündig werde. Gut meint dabei, dass sie gerne gelesen werden, und zwar von den Kindern, nicht von mir. Denn, mal ganz ehrlich und frei heraus: meine Kinder lesen nicht gerne. Auch wenn sie allesamt immer und zu jeder Zeit, schon vor ihrer Geburt, vorgelesen bekamen, unter Bergen von Bilderbüchern aufwuchsen und ihre Eltern auch immer beim Lesen beobachten konnten, die Gleichung, die dir alle Welt verkaufen will, die geht eben nicht immer auf. Es sind halt Menschen und keine Variablen. Das Vorlesen war in sofern erfolgreich, dass sie bis heute gerne vorgelesen bekommen, zur Not eben per Hörbuch. Selberlesen allerdings ist eine Anstrengung, der sie nur sehr zäh nachkommen. Es braucht dafür ein wirklich gutes Buch. Manchmal hat man Glück.

5. Atmen. Man könnte ja meinen, dass das Atmen wenigstens zu den Dingen gehört, über die der Mensch nicht weiter nachzudenken braucht, es sei denn natürlich er ist Tiefseetaucher oder Posaunist. Falsch gedacht. Die Physiotherapeutin meines Vertrauens hat mir sehr eindrücklich den Zusammenhang von Nackenverspannungen und falscher Atmung erklärt. Seit dem übe ich mich in langer, tiefer Bauchatmung, immer wieder, mehrfach am Tag, geht sogar bei Aldi an der Kasse. Hilft. Und zwar gegen so mancherlei, auch gegen Ängste und Überforderung. Hat was mit dem Nervensystem zu tun.

6. Vollkornbrot mit Humus und frischen Tomaten. Könnte ich mich reinlegen, macht satt und glücklich.

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7. Gnade. Ich funktioniere gerade nicht ganz so gut, wie ich es von mir kenne. Und merke: Teile von mir sind wegen Umbaus geschlossen. Irgendetwas verändert sich, will Neues wagen und weiß nicht wie, ist am suchen und arbeiten. Dazu kommen Veränderungen in der Familie, wie sie nun mal alle Jahre geschehen, ist ja kein statisches Unterfangen, eine Familie, sondern als Ganze gelebte Veränderung. Ich darf gnädig sein, mit mir und den anderen. Wenn es eben nicht hundert Prozent läuft, wenn es sich erst sortieren muss, wenn es mal rumpelt. Gnade ist ein Gottesgeschenk, wer würde da nein sagen.

8. Ein Lied. Eine liebe Freundin schickte mir auf meinen letzten Blogartikel hin, den link zu einem alten Reinhard Mey Lied „Die erste Stunde“. Also, am Ende vom Lied war das Ende vom Lied, dass ich aus tiefster Seele geheult habe. Sehr befreiend, kann ich nur empfehlen. Falls du gerade sentimentale Mutter bist, oder wirst, oder warst.

9. Solche Freundinnen. Die wissen, wie du tickst, auch wenn sie dich lange nicht gesehen haben. Solche, die geduldig sind mit dir und deinem Leben. Solche, die an deinem Tisch sitzen, und es ist, als wäre keine Zeit vergangen. Kennst du auch, oder? Schreib mal wieder. Oder ruf an. Oder schick ein Lied.

10. September. Herzlich willkommen, lieber, lieber September! Ach, ich freue mich so, dich zu sehen. Deine Farben, deinen Geruch, die Frische für meinen Geist, die Fülle, die du mitbringst, schon die Aussicht auf dich, hat mich getragen. Wollen wir eine Suppe kochen?

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2 Gedanken zu “10 Dinge

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