Hatte ich nicht gerade erst neulich etwas über unser „Kabuff des Grauens“ geschrieben?  Dieses kleine Räumchen  in unserem Keller, den wir nur „Untergeschoß“ nennen, damit diejenigen, die dort ihre Zimmer haben (keine Bange, Tageslicht ist vorhanden und ich gehöre auch zu diesem Personenkreis), sich nicht schäbig fühlen müssen. Also dieses Räumchen ist vollgestopft bis an die  Kante mit allen Dingen, die man zwar gerade im Moment nicht braucht, irgendwann im Laufe eines Jahres aber schon. Winterjacken, Gummistiefel in allen aktuellen und noch zu erwartenden Größen, Schlafsäcke, Isomatten, Picknickdecken, Schutzausrüstungen, Fischernetze, ein zusammenklappbarer Tischkicker, Rollsplitt für unerwartete Glatteisausbrüche, Schuhe, die gerade nicht aber bestimmt mal wieder…naja, also ziemlich viel Zeug für einen ziemlich kleinen Raum. Meinen letzten Ausflug in seine tiefsten Tiefen unternahm ich wegen Matschhosen, aber leider hat mich das nicht dazu bewogen, endlich mal für Ordnung in diesen 3 Quadratmetern zu sorgen. Ich dachte nur immer wieder daran, dass ich jetzt mal müsste, eine weitere unangenehme Verpflichtung auf der ellenlangen Liste der zu erledigenden Fiesigkeiten. Irgendjemand auf der Suche nach Irgendwas war aber drin. Und hat, wie es sich in einem kinderreichen Haushalt gehört, vergessen die Türe zu schließen. Der Gatte, wie es sich für einen ordentlichen Vater gehört, schimpfte erst ein wenig und schloss dann die Tür auf dem Weg ins Bett (gar nicht so einfach, das Kabuff ist ja voll, du musst schon ordentlich drücken).

Samstagmorgen, 5.40 Uhr, also allerbeste Aufstehenszeit, mischte sich in meinen Halbschlaf eine verstörende Mischung aus lautem Martinsliedergrölen und Herz zerreißendem Miauen. Das inbrünstige Singen konnte mein Hirn recht schnell zuordnen, das Miauen nicht. Ich machte mich auf die Suche und öffnete irgendwann die Türe, na du weißt schon…Wie ein geölter Blitz schoss die versehentlich eingekerkerte Katze heraus und mit ihr ein wirklich bestialischer Gestank. Die Katze liebt das Kabuff, es ist ein abenteuerliches Katzeneldorado, aber die ganze Nacht war dann wohl doch zu viel und auch eine Katze hat schließlich Bedürfnisse. Die hatte sie in ihrer Not eben vor Ort erledigt, nur wo? Das ganze stank zum Himmel…Langer Rede kurzer Sinn: wir haben jetzt ein ordentlich aufgeräumtes Kabuff, sortiert, gemistet und von Katzendreck befreit ( in der Rückseite eines Keilrahmens, wahrscheinlich erinnerte dies am ehesten an ein Katzenklo…). Ehrlich gesagt war ich der Katze fast dankbar, dass sie aus etwas Nervigem, Unguten, etwas wirklich Unerträgliches gemacht hat. Jetzt mussten wir ran, endlich.

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An diesem Wochenende stolperte ich noch über einige andere Häufchen Katzendreck, keine echten, und sie stanken auch nicht wirklich, aber sie machten mehr als deutlich, dass es da noch mehr unaufgeräumte Ecken gibt, Herzensecken, die belastend und entnervend sind, die langsam schon zum Himmel stinken und die Türen, hinter denen sich all das Gerümpel verbirgt, kaum noch zugehen… An diesem Wochenende habe ich mir keine Mutterlorbeeren verdient, kamen meine Urteile hart und schnell, quoll die Ungeduld hinter der Rumpelkammertür hervor und die laute, schrille Stimme, die ich selbst kaum ertrage. Am Abend lag ich heulend im Bett und haderte mit mir und meinen Schuldgefühlen.  Ich kann Streit nicht leiden, vor allem, wenn ich mich doof verhalten habe, vor allem, wenn ich mich meinen Kindern gegenüber doof verhalten habe,  ich müsste es doch besser wissen, aber wie ein Trotzkind fand ich den Ausgang nicht. Katzendreck, boah, wie das stinkt.

Jetzt räume ich auf. Mal wieder. Öffne die Türen, versuche zu unterscheiden, was bleiben darf, und aus was wir längst rausgewachsen sind. Nicht nur Keller, Kommoden, Rumpelkammern und Dachböden müssen immer und immer wieder ausgemistet und geräumt werden, was ja schon ätzend genug ist. Nein, ich fürchte noch dringender müssen unsere Beziehungen, unsere Herzenstiefen und Gedankenkammern geordnet werden, neu sortiert, entrümpelt und entmistet. Das ist echt harte Arbeit und du musst es ordentlich machen, sonst findest du den Katzendreck nicht. Schon das Öffnen der Türen ist manchmal nicht so einfach, aber eine ernstgemeinte Entschuldigung kann ein gutes Schmieröl sein, bei deinen Nächsten, bei dir selber und bei deinem Gott.

Menschen, groß und klein, verändern sich, Beziehung ist deshalb immer im Wandel, manches wird zu eng, zu klein, das Leben spült manchen Unrat an und bestimmt steht da noch die ein oder andere Kiste Altlast, die du ein Leben lang mit dir rumträgst, vielleicht ist eine davon umgefallen und jetzt quillt der ganze Kladderadatsch nach draußen.

Katzendreck und Menschkrach können sehr nützlich sein, wenn sie als Tritt in den Hintern daher kommen, wenn sie aus etwas Nervigem, Unguten, etwas Unerträgliches machen. Sie stinken dich an und rufen: „Los, räum auf, bring endlich Ordnung ins Chaos!“, denn wir drücken uns doch so gerne…. Im Übrigen habe ich das Kabuff nicht alleine aufgeräumt, ich habe es ja auch nicht alleine unordentlich gemacht. Und nach dem mein Kind und ich uns versöhnt in den Armen gelegen haben, da sagte ich:“ So können wir nicht miteinander umgehen, sonst ist es blöd. Wie wollen wir es in Zukunft halten?“ Wir überlegen noch (denn natürlich geht es um ätzenden Schulkram, der wirklich dazu angetan sein kann, aus den Menschen das Unterste nach Oben zu holen…), aber wir überlegen zusammen.  Ich setzte endlich Prioritäten und verbrachte einen Zwillingstag mit Vorlesen und Backen ganz viel Zeit nur für meine beiden Jüngste, gemeinsam.  Es ist durchaus sinnvoll, sich zu Aufräumen Hilfe zu holen, egal ob Innen oder Außen etwas Durcheinander geraten ist. Manche Kämmerchen allerdings, die betrittst du nur allein, das weiß ich, die habe ich ja auch. Aber einer kommt immer mit, den schreckt auch das größte Chaos nicht, und auch nicht der stinkigste Katzendreck, der hält dir ein Lämpchen und hilft dir sortieren.

Ein Gedanke zu “Katzendreck

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