Von einem Tag auf den anderen ist klirrende Kälte über das Land gezogen, weiß verkrustete Grashalme knirschen unter den Füßen, der Himmel strahlt in eisigem blau und gegen Abend malt eine kleine, eifrige Sonne kräftige Rottöne in die Dämmerung, als wolle sie laut rufen:“ Seht her, es gibt mich noch und ich schicke euch soviel Licht, wie ich nur kann, geht raus und sammelt!“ Ein schönere Kulisse für die besonderen Dazwischen-Tage kann es nicht geben. Diese wunderbaren Tage am Ende eines Jahres, die einer ganz eigenen Regie folgen, einem eigen Rhythmus, irgendwie aus der Zeit gefallen und fern ab aller Alltagsgesetze. Wer will jetzt schon darüber bestimmen, wann ein Schlafanzug ausgezogen werden muss und wieviel Plätzchen gesund sind? Sind Crêpes nun Mittagessen oder Kaffeetrinken oder eben auch irgendetwas dazwischen? Irgendwann, früher oder später, zieht es doch alle hinaus ins eisige Blau und dann laufen wir, und schmieden Pläne und suchen in gefrorenen Pfützen nach Eisplatten zum Schlittern und Splittern. Zurück im Warmen spielt man einfach weiter, Stunde um Stunde, oder schaut einen Film und hört 3 Fragezeichen, bis die Ohren abfallen. Für mich ist das Weihnachten. Wenn für eine Weile spürbar der Friede einzieht, für ein paar verschwommene Tage fünf eine gerade Zahl ist und das Alltagskarussell stoppt. Du darfst dich dehnen und strecken, Luft holen, ein bisschen Abschiednehmen von allem, was ab jetzt Vergangenheit ist, ein bisschen nach Vorne schnuppern, ganz in Ruhe, nur nichts überstürzen.

Die eigentlichen Festtage waren hier alles andere als eine schöne Kulisse. Alle paar Jahre wieder sind wir fällig und in diesem Jahr war es eben wieder soweit. Speiende Kinder und Eltern vom 23. Dezember bis zum 27. Dezember. Nur am 24. am Abend, da standen wir alle aufrecht unter dem Tannenbaum, ein bisschen grün schon um die Nase, aber aufrecht und das ist ja auch schon viel wert. Ich habe mich mit diesem regelmäßig wiederkehrenden Phänomen abgefunden, wobei ich schon gerne mal eine wissenschaftliche Studie in Auftrag geben würde, wie es zu so einer Magen-Darm-Virus-Häufung an Weihnachten kommen kann. Warum gibt es die nicht beispielsweise am 23. Februar oder am 3. März, da hätte man eh keine festen Pläne? Wie auch immer, in diesem Jahr gab es Kamillentee statt Käsefondue, Gewürge statt Gesang und Kotzschüsseln im Kerzenschein. Gegen all meine innersten Prinzipien lief an den Feiertagen jeden Abend der Fernseher und berieselte das siechende und würgende Sammellazarett unterm Tannenbaum. Weihnachten ist trotzdem geworden, vielleicht sogar in seiner reinsten Form.

Weihnachten ist immer trotzdem, und das musste ich mir schon hin und wieder vergegenwärtigen, dazwischen, als mein Herz irgendwann begann ein wenig zu verzagen und mein Mitgefühl mit den Kindern, dem Gatten und mir selbst schon sehr groß war.

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Weihnachten ist immer trotzdem, denn an Weihnachten ist die Liebe Gottes Mensch geworden. Und dieser unerhörte Umstand braucht keine perfekte Kulisse, keine glitzernden Lichter und keine harmonischen Inszenierungen, um ihn jedes Jahr aufs neue zu feiern, unsere Kinder brauchen es nicht und wir brauchen es auch nicht. Schön ist es natürlich, wenn alles läuft, wie auf der Kitschpostkarte, ganz ohne Frage. Aber brauchen…Was wir brauchen, ist eben diese Liebe, die uns da in die Krippe gelegt wurde, ganz unverdient und ohne jede Leistung, den Gesunden, wie den Kranken,  die Liebe, die wir einander schenken, die Liebe, zu der du dich immer und immer wieder entschließen musst, weil sie mit unter doch sehr mühselig ist und anstrengend, weil sie Hingabe erfordert und Rücksicht, weil sie Kotzschüsseln und Wischmopp beeinhaltet, und ausharren und aneinander festhalten, auch auf steinigen Wegen und in schweren Zeiten, auch in Bockigkeit und Krankheit, auch in Irrsal und Wirrsal, auch in Angst und Zweifeln. Wann immer uns diese Liebe gelingt, wann immer wir diese Herausforderung annehmen, wann immer wir sie geben können, unseren Kindern, unserem Nächsten, hach ja und auch uns selbst, feiern wir Weihnachten, an jedem Tag des Jahres, egal ob die Kulisse stimmt oder mitunter kräftig ins Schwanken gerät.

Es liegt viel Tröstendes in diesen Gedanken, die mich immer wieder beschäftigten, während Robbie Williams im Hintergrund unermüdlich vom „best Christmas ever…“ sang, mein Bauch grummelte und ich spuckenden Kindern die Haare aus dem Gesicht hielt. Jetzt ist der Virus weg und das Dazwischen da. Vor der Tür steht ein niegelnagelneues Jahr. Was auch immer es dir und mir bringen mag, bin ich mir nahezu vollkommen sicher, dass es unzählige Gelegenheiten und noch mehr bieten wird, Weihnachten zu feiern, Gelegenheiten bei denen wir, vielleicht mitunter schweren Herzens, Liebe verschenken dürfen. Und empfangen.

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Kommt gut rüber ins neue Jahr, du und dein liebendes Herz, seid behütet, bis bald.

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “Dazwischen

  1. Oh wie gut kann ich mit dir mitfühlen. Ich weiß noch wie ich weinend mit dem Fiebermesser auf dem Sofa zwischen kranken Kindern saß und meine Geschwister und Eltern vermisst haben die fröhlich allle zusammen Weihnachten gefeirt haben und ich nicht mitfeiern konnte.
    Es wird besser je größer die Kinder werden da kann ich dich beruhigen 🙂
    Ich wünsche euch von Herzen ein behütetes Neues Jahr 2020 und Gottes reichen Segen !
    Herzliche Grüße Magda

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