Ich muss es jetzt mal  gestehen, ich bin ein furchtbar neugieriger Mensch, aber ich finde nicht auf die doofe Weise. Heißt, die Schmutzwäsche anderer Leute lässt mich relativ kalt (ich will jetzt nicht sagen gänzlich, denn an meiner Heiligsprechung muss ich noch ein wenig rumbosseln), ich lausche nicht an der Wand, finde, die Nachrichten auf einem anderen Handy fallen unter das Briefgeheimnis und Privatsphäre ist mir kostbar. Aber ich bin wahnsinnig neugierig auf andere Menschen, wie sie leben und wohnen, was sie beschäftigt, welche Bücher sie lesen, welche Serien sie schauen und mit was sie ihre Mägen füllen. Denn ich lasse mich auch furchtbar gerne inspirieren. Jetzt gibt es ja ungezählte Internetseiten zu allen möglichen Themen, Kinder, Politik, Hobbies, Essen, Essen, Essen, Filme, Kleider, weniger Essen, anders Essen, Kuchen essen, ach, weiß der Geier, was noch alles, die möchte ich aber nicht lesen, denn ich habe ja noch ein eigenes Leben und zu viel Auswahl verwirrt mich.

Also suche ich mir die Inspiration bei denen, die mich schon durch ihre klugen Texte und tollen Gedanken immer wieder fesseln und genau von ihnen interessiert es mich immer ganz brennend, wie sie sonst noch so ihr Leben gestalten. Ich vertraue ihren Buchempfehlungen, backe ihre scones nach und Antschanas Essenplan harmoniert ganz hervorragend mit unserem (mir fehlt nur leider der backende Ehemann). Also dachte ich mir, einmal im Monat, könnte ich durchaus erzählen, was mich aktuell und alltäglich so umtreibt, denn vielleicht bist du ja ähnlich neugierig, wie ich. Sarah Bessey, die wunderbare kanadische Autorin, die vor allem mein Glaubensleben bereichert, macht das in ihren„field notes“ auf aller höchstem Niveau, davon bin ich weit entfernt, aber so „en miniature …“

Der Februar ist so ein hoffnungsvoller kleiner Monat, denn das Ende des Winters mag noch nicht da sein, aber es ist schon in Sichtweite und wir stehen morgens nicht mehr in tiefer Dunkelheit vor dem Kindergarten, sondern da ist echtes Tageslicht, manchmal zwitschert es hin und wieder, es ist alles noch nicht, aber eben schon im Werden. Netterweise ist dieser letzte Wintermonat ja auch kürzer, das haben sie sich schon fein ausgedacht. Gefühlt ist der Februar nur halb so lange, wie der nie enden wollende Januar.

IMG_20200207_102530.jpg

Passend dazu lese ich das neue Buch „Hoffnung leuchtet“ von Veronika Smoor. Sehr schlau, das es im Februar auf den Buchmarkt plumpst, genau dann, wenn einem trübe Dunkelheit zum Hals heraushängt. Es ist klug, dieses Buch, ehrlich und herausfordernd und es verzichtet dankenswerterweise auf alle Plattitüden, die einem zu diesem Thema vielleicht einfallen könnten.

20200209_124724.jpg

Ich stricke im Februar natürlich und ich bin wahnsinnig stolz darauf, zum ersten Mal eine englische Anleitung entschlüsselt zu haben. Und mit dieser stolzgeschwellten Brust rufe ich dir lauthals zu: Erschaffe etwas mit deinen eigenen Händen, jetzt ist der allerbeste Moment, damit anzufangen! Kannst du es billiger und vielleicht sogar gefälliger irgendwo kaufen? Klar! Aber das Gefühl, das kannst du nicht kaufen. Etwas einzigartiges entsteht nur, wenn du es selber tust. Als Kinder des Schöpfergottes tragen wir etwas von seiner Schöpferkraft in uns, du kannst etwas sichtbares bewirken, mit deiner Hände Arbeit und es liegt auch hier soviel Hoffnungsvolles verborgen. Während die Erde schon eifrig arbeitet, tief im Dunklen den Frühling vorbereitet, kannst du es in deinen vier Wänden tun. Egal ob du strickst, oder ein Brot backst, ein Vogelhäuschen baust oder ein Lied komponierst, aus einer Handvoll gar nichts, kann etwas noch nie Dagewesenes entstehen. Tu es für dich und zeige es deinen Kindern. Aktives Tun anstelle  passiven Konsumierens. Ich für meinen Teil freue mich auf ein paar Knäulchen in rosa und blau, ein Tuch für den Frühling, für mich ganz alleine. Auf den Nachttisch des Gatten ist Monty Don zurückgekehrt, der englische Meistergärtner, das lässt hoffen, für unser Gärtchen.

An stürmischen Spätwintertagen lesen wir die „Wurzelkinder“ vor, auch so ein hoffnungvolles, kleines Buch, mein altes, zerfleddertes Exemplar aus Kindertagen. Immer wieder verzaubern uns die kleinen Bildchen vom Leben unter der Erde und dem Leben auf der Wiese, herrlich altmodisch! Andererseits kommt der Frühling ja auch nicht aus der Mode.

Wir schauen „Peaky Blinders“ immer noch mit großer Begeisterung, aber ich sag es lieber gleich, es ist nichts für schwache Gemüter. Ich für meinen Teil habe mein Herz an Thomas Shelby verloren und liebe Serien, in denen man gut und böse nicht zweifelsfrei unterscheiden kann. Nach jeder Folge denke ich, dass es doch ein großes Glück ist, in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts zu leben und nicht in denen des letzten, das sollte man nie vergessen, bei aller Jammerei und all dem Gemecker.

Im Februar ist Fastnacht. Und wenn du in Mainz wohnst, dann kommst du daran auch nicht vorbei. Jedes mal denke ich, dass ich dieses Jahr wirklich keine Lust dazu habe, aber dann lasse ich mich doch wieder einfangen. Durch unser Haus spazieren seit Tagen schon Cowboy, Engel, Wikinger, Indianer, ständig wird neu zusammengestellt und gewechselt, neulich habe ich sogar einen kleinen Dinosaurier gesichtet. Verkleiden macht Spaß. Musik macht Spaß. Auf Kommando fröhlich sein, mag nicht jedem liegen, aber man darf sich auch einfach ein bisschen mitreißen lassen, ganz nach eigenem Maß. Die Bedenkenträgerfalten ein wenig glätten, singen, eine Runde Schokoküsse schmeißen, ein hoffnungsvolles „Trotzdem“ in die Welt rufen. Eine Stadt, die auf ihren Straßen tanzt, hat durchaus etwas für sich.

Wenn Fastnacht ist, muss es Kreppel geben. Die werden nicht gebacken, die kaufe ich ein. Aber letztes Jahr habe ich die Quarkbällchen von Lena probiert und die wird es auch dieses Jahr wieder geben, denn sie sind simpel und superlecker. Und da sie klein sind, kannst du dir hoffnungsvoll einreden, dass deine Hüften sie nicht bemerken werden.

Und dann wird der Aschermittwoch kommen, nicht um die Sünden der Fastnacht zu beweinen, sondern als dicker, fetter Hinweis, voller Hoffnung und Freude: es wird Ostern werden, macht euch bereit, eure Herzen, euren Geist, das Leben siegt!

So, jetzt weißt du ein bisschen von dem, was mich in diesen Tagen so umtreibt…hab es fein und bleib neugierig!

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.