Nein, ich habe sie nicht vergessen, meine kleine Reihe, jeden Monat einmal, gerade vor einigen Wochen angefangen. Also gut, vielleicht habe ich es ein bisschen vergessen, aber der März wird noch eine ganze Weile andauern und so ist es noch lange nicht zu spät, für all die kleinen Dinge, die uns gerade beschäftigen, die uns das Leben ein wenig netter machen, die uns so umtreiben. Waren wir hoffnungsvoll im Februar, so finde ich, dass der März dringend etwas Mut erfordert, besonders dieser März, der es wirklich in sich hat, in allen Ecken und Nischen, bei dem man sich kaum noch traut die Nachrichten anzuschalten oder Nudeln zu kaufen.

Der arme März hat ja die volle Breitseite an Fastenzeit abbekommen und zum Fasten musst du schon mutig sein. Auf etwas zu verzichten, was an so vielen Tagen Trost, Ablenkung, schnelle Stärkung oder verdiente Belohnung war, ist ganz schön herausfordernd. Zum einen knurrt der Magen oder es brüllen die Gelüste nach Zucker und schneller Instagramablenkung, zum anderen musst du dich eben dem stellen, was du sonst mit Zucker oder Ablenkung zum schweigen bringst. Unsere Kinder fasten mit, freiwillig übrigens, alles andere wäre unsinnig. Und auch sie spüren die Macht der Gewohnheit, die Kraft von Belohnungen und schnellem Zeitvertreib, wenn doch eigentlich Müdigkeit oder Ratlosigkeit das Problem ist. Ich staune, wie mutig sie sind. Ich staune, wie mutig ich bin. Manchmal tun wir uns zusammen ein bisschen leid, wenn wir von warmen Zimtschnecken träumen, während sich eine Schale voll Apfelschnitzen über uns lustig macht. Im Übrigen sind wir gut katholisch und schon die Jüngsten wissen ganz genau, dass es vierzig Fastentage sind. Nicht mehr und nicht weniger. Denn sonntags ist immer ein wenig Ostern und das will gefeiert werden. Jeden Sonntag.

Im März hat unser Opa, mein Schwiegervater, Geburtstag, gestern war es so weit und jetzt ist er also- tadaa- neunzig. Neunzig gelebte Menschenjahre auf dieser Erde. Das ist zu aller erst natürlich ein Grund zum Feiern, besonders weil der Jubilar gestern mit dem Gatten nach Frankfurt fuhr, um dort zu Fuß die neugestaltete Altstadt zu besichtigen und damit auch gar keine Schwierigkeiten hatte. Neunzig kann man ja so oder so sein und nicht auf alles hat man dabei Einfluss. Neunzig Jahre erzählen aber auch zahlreiche Geschichten von Mut. Der Zweite Weltkrieg, Hungerjahre, Aufbaujahre, Weltreisen per Anhalter, Schicksalsschläge, Verluste und trotzdem immer wieder Mut, Schritt für Schritt weiterzugehen. Sturheit scheint zu helfen, Gottvertrauen und rheinischer Frohsinn. Und ich frage mich: Wie willst Du sein, wenn Du neunzig wirst (immer vorausgesetzt, dass das Leben und die Gesundheit dir nicht dazwischen funken)? Wie willst du sein, wer willst du sein, was wäre wichtig? Ich fürchte, wenn du mit neunzig irgendwie sein willst, musst du jetzt anfangen zu üben. Ich habe in der Zeitschrift family mal einen Artikel über unseren Opa geschrieben und ein Kommentar unkte ungläubig, dass da mit der Zeitrechnung wohl etwas nicht stimmen könne. Doch, da stimmt alles. Und das ist im Übrigen eine sehr gute Nachricht für alle Spätentschlossenen. Man kann auch mit über vierzig zum ersten Mal Vater werden und dann eine Großfamilie gründen. Nur Mut!

Weniger Zeit unsinnig im Internet heißt mehr Zeit für echte Menschen und echte Bücher. Ich habe mir ein kleines Büchlein als Fastenbegleitung ausgesucht und falls du es kennst und dich wunderst, ja, ich werde wohl so lange für dieses schmale Bändchen brauchen. Denn zum einen steckt in jeder Seite soviel Weisheit, Humor und Lebenserfahrung, dass man sie lutschen möchte, wie Karamell, zum anderen ist mein Englisch nicht so wahnsinnig gut. Ich suche Wörter und kritzel sie darüber, als wäre ich wieder ein Schulmädchen, aber diese Verlangsamung ist genau, was ich brauche. Ich empfehle dieses Büchlein von Herzen, es ist weise und warmherzig, geschrieben von einer Frau, wie sie mutiger nicht sein könnte.

 

Ansonsten lese ich, was ich immer lese, wenn mich der Weltenlauf und menschliche Abgründe zu sehr beängstigen: einen guten englischen Krimi. Nichts beruhigt mich mehr als ein ordentlicher Mord und seine britische Aufklärung.

 

Unsere Vorlesebücher erzählen von Anton und unsere drei jüngeren Kinder lieben ihn. Wir haben uns mittlerweile zu Band drei vorgearbeitet, der überlegt, was eigentlich Freundschaft ausmacht, aber in Band zwei hat Anton Mut und das ist genau so herrlich, wie der erste Teil, in dem Anton Zeit hat, seine Mama aber nicht, woher kommt das nur? Kluge Kinderbücher sind selten, wenn sie dann auch noch komisch sind ohne blöd zu werden und die Sprache stimmt…

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Und weil es gelogen wäre, wenn ich erzählte, ich würde immer nur lesen…ich liebe die „fabelhafte Mrs Maisel“. Die ist auch mutig und lustig und damit also genau das, was wir zur Zeit dringend brauchen. Falls du in einem früheren Leben mal Gilmore- Girl- Junkie warst, so wie ich also, dann wirst du begeistert sein, es ist die selbe Autorin. Und Mr Monk spielt eine der Hauptrollen, was will man mehr…

Fasten hin oder her, essen musst du ja trotzdem, lecker darf es schmecken und ein wenig wärmendes Trostgefühl darf es ruhig auch transportieren. Also löffle ich bevorzugt Curries, die aus  Kokosmilch, Brühe und allem bestehen, was der Kühlschrank an Gemüse so hergibt (ich löffle alleine, diese Vorliebe teilt kein Mensch in diesem Hause mit mir, so mutig sind sie nicht…) Samstags braten der der Gatte und ich uns Dinkelpfannkuchen nach diesem Rezept und da darfst du wirklich mutig sein, denn es schmeckt viel besser, als es sich anhört und ist ganz schrecklich gesund.

21 Tage Märztage dürfen wir noch gestalten. Wir dürfen mutig sein und lachen, trotz oder gerade wegen allem, was uns verunsichert, beklemmt oder beängstigt, egal, ob es der Lauf der großen oder der, deiner eigenen, kleinen Welt ist. Sieh nur, die Frühlingsblumen recken  ihre Köpfchen, ein vorwitziger Fußball ist schon nach draußen gekullert. Mutig, oder?

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