Herzlich willkommen lieber Mai, wie gut dass du da bist! Lange habe ich überlegt, welches Wort wohl zu dir passen würde, schließlich gehörst du zu den schönen, aber launischen Diven im Jahreskreis. Beständigkeit und Demut ist deine Sache nicht, aber verschwenderische Schönheit, Überfülle, du trittst mit großem Brimbamborium auf die Jahresbühne, nur um in der nächsten Sekunde weinend zusammen zu brechen. Tja, und jetzt fällt dein großer Auftritt in diese seltsame Zeit. Eine wahre Diva kann das nicht schrecken, ich weiß, aber welches Wort würde passen? Müde, mutlos, munter, motzig, mistig, melodiös, mürrisch, malerisch, modisch (ha!), miserabel, mollig (auf jeden Fall…), maßvoll, maßgeblich, müßig…wie werden wir sein, in diesem Monat, oder wie wären wir gerne? So oder so wird es merkwürdig werden, einfach weil alles gerade merkwürdig ist und sich auf absehbare Zeit daran nicht zu ändern scheint. Merkwürdig ist gut. Merkwürdig ist seltsam, aber auch spannend und interessant. Es lässt viel Spielraum für all das, was wir eh nicht lenken können, das Schöne und das Nervige.

Fangen wir doch gleich mit etwas Nettem an. Die letzten Tage las ich eine hübsche Liebesgeschichte, aufnotiert in kurzen Insta-Worten von der lieben Priska Lachman. Sie ging mir ans Herz, diese Geschichte von Kennenlernen und Verlieben, von Aufregung und Herzklopfen. Es ist nichts außergewöhnlich an dieser Geschichte und doch ist sie ganz und gar besonders, weil einzigartig. Einzigartig gefühlt, einzigartig gelebt, einzigartig geliebt. Ich habe direkt ein wenig mitgezittert. Und dann dachte ich mir, wie wunderbar schön und passend es doch wäre, wenn wir uns alle in diesem merkwürdigen Wonnemonat unserer Liebesgeschichten erinnern würden. Jetzt, wo wir so außerordentlich gut funktionieren müssen, Alltagsmühsal wuppen, Zähne zusammenbeißen, wo so vieles organisiert und strukturiert wird, genau jetzt, wäre es doch heilsam und wohltuend, sich dem Zauber des Anfangs zu erinnern, dem Herzklopfen nachzuspüren und sachte den Staub von alten Erinnerungen zu pusten. Wir müssen ja nicht gleich alles veröffentlichen. Aber wir könnten die Kinder nerven mit all den „Weisst du nochs“, als kleine Rache für Relativsätze und Dezimalbrüche. Oder einen kleinen Abendspaziergang machen und ein wenig nachsinnen. Irgendwann hat alles mit einem einzigartigen Liebespaar begonnen. Wann hat dein Herz den ersten Sprung gemacht? Was war das Wort, dieser eine Satz und weißt du noch, dieser Abend….alles einzigartige Kostbarkeiten und beim Erinnern kommt bestimmt ein Lächeln, ein Flattern in der Herzensgegend nein, was waren wir damals jung und was waren das für Zeiten! Genau das richtige Mittel gegen Müdigkeit und triste Gedanken!

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Im Mai ist Muttertag und darauf will ich doch ganz energisch hinweisen. Merkwürdig umstritten ist dieser Tag, den ich so gerne mag. Ich mag feiern, dass ich Mama sein darf, ich mag es, wieviel meinen Kindern es bedeutet, wenn sie kleine Freuden bereiten dürfen. Ich mag jeden Tag, der uns dankbar sein lässt und ich feiere gerne und immer wieder diese irre Reise auf der wir jetzt schon so lange sind. Ich feiere im übrigen auch gerne Vatertag, aus den selben Gründen. Und einen ordentlichen Kindertag müsste man eigentlich erfinden, den würde ich dann auch feiern. Weil es doch einfach immer wieder ein Fest ist, eine großartige Erfindung, ein Geschenk des Himmels, dass wir Menschen uns zusammenfinden, für einander sorgen uns gegenseitig ein Zuhause schenken dürfen. Also freu dich über verschütteten Kaffee in deinem Bett, über welke Gänseblümchen, über ausgeschnittene Pappherzen und rumpelige Reime. Und dann mache es dir nett, mit deinen Lieben!

Der Mai hat ja viel Großartiges im Gepäck. Rosenknospen und duftenden Flieder, aufgeregte Vogeleltern und Erdbeeren!. Erdbeeren!! Und Spargel! In diesem Jahr esse ich merkwürdigerweise am liebsten beides zusammen in einem leckeren Salat. wenn du nämlich grünen Spargel nimmst und in Stücken brätst, wenn du eine Handvoll Rucola, ein paar kleine Tomaten und frische Erdbeeren hinzugibst und schließlich alles mit etwas Olivenöl, Gewürzen, Balsamico und gehobeltem Parmesan verzierst, dann bist du im siebten Maienhimmel versprochen.

Im Mai lese ich endlich „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens. Eine merkwürdige Stimmung in diesem Buch, an die Hauptfigur habe ich mein Herz schon auf den ersten Seiten verloren, einfach deshalb, weil kaum etwas mein Herz mehr berührt, als verlassene Kinder. Die Sprache gefällt meinem inneren Monk, die Handlung ist vielschichtig und ich feiere ein Buch immer dann, wenn es die Schönheit und die Grausamkeit des menschlichen Lebens gleichermaßen einzufangen vermag. Ich habe das Buch übrigens aufgrund einer persönlichen Empfehlung der mir liebsten Yogalehrerin zugelegt, die ihres Zeichens auch gelernte Buchhändlerin ist. Ihre Augen strahlten so begeistert und beseelt, als sie davon erzählte…also das sind doch einfach die besten Bücher, die Menschenaugen so zum Leuchten bringen, da kann ich einfach nicht widerstehen, das wirst du wohl verstehen.

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Im Mai schreibe ich ein Buch. Das ist merkwürdig, äußerst merkwürdig sogar und stimmt so natürlich auch nicht, man schreibt ja kein Buch in einem Monat. Aber der Startschuss ist gefallen und ich freue mich ganz ungemein über diese Möglichkeit. Weißt du, was auch merkwürdig ist? Das ich die Idee zu diesem Buch schon sehr lange mit mir spazieren trage und ich ganz genauso lange gebraucht habe, um mich selbst von dieser Idee und einer möglichen Umsetzung zu überzeugen, viel länger, als es brauchte, den Verlag zu überzeugen. Die in mir wohnenden Kritiker, Zweifler und Bedenkenträger waren nur schwer in ihre Schranken zu weisen, aber es ist mir gelungen, nicht zuletzt dank viel Ermutigung durch andere Frauen, durch deren Nachhaken und Beharrlichkeit. Also, wenn etwas dein Herz bewegt, wenn du dich zu etwas gerufen fühlst, da diese eine Sache ist, die dich nicht loslässt…dann gib nicht auf, bleibe dran, lasse dich ermutigen. Nicht jede Schnapsidee ist es wert, diesen Weg zu stolpern, aber diese eine, die dich verfolgt und die dir morgens um fünf schon in den Sinn kommt, die schon.

Herzlich willkommen lieber Mai, du wunderschöne Diva! Lasst uns feiern, uns und das Leben, und froh sein, immer wieder und trotz allem. Mit Erdbeerkuchen und Pfingstrosen in der Vase, mit der Sonne, die deine Nase kitzelt und dem Duft von Flieder und frischem Mai-Regen.

10 Gedanken zu “Merkwürdig im Mai

  1. Oooooh!!! Der Gesang der Flusskrebse. Hab es letzte Woche gelesen und mein Herz rettungslos an dieses Buch verloren….trotz einiger Stellen, die mir zu schwülstig sind. Aber was habe ich geweint, gezittert und gelacht. Und dann die Naturbeschreibungen….die hätte ich noch ewig weiterlesen können.
    Jetzt hab ich einen Buchhangover und alle anderen Bücher erscheinen mir fad und dumm.

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  2. Oh meine Liebe. Ich freue mich, dass ich dich inspirieren durfte, aber noch mehr, auf dein Buch. Das habe ich schon lange gehofft, denn du zauberst Worte, dass ich dahin schmelzen will.

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  3. Danke, dass du mir den merkwürdigen Mai so lieb machst – und für die Fotos – und danke für die Buchempfehlung!!! Ich bin immer auf der Suche nach GUTEN Romanen… da könnt ich drin versinken. Und ganz herzliche Gratulation zum Buch!!!! Endlich! ❤ Ich freu mich riesig!!!

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  4. Ich bin ganz gerührt…tauche ich da ganz unerwartet in Deinem schönen Text auf. Und ich freue mich schon auf meine strahlenden Augen, wenn ich Dein Buch in Händen halten darf. Viel Freude beim neuen Herzensweg begehen! Wunderbar!

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  5. Endlich kommt ein Buch von dir 🙂 Wie oft habe ich beim Lesen deiner wöchentlichen Blogeinträge gedacht, dass deine Zeilen wunderschön ein Buch füllen würden! Ich freu mich drauf 🙂

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  6. In den Reigen stimme ich gern mit ein. Ich lese zwar noch nicht lange „die wöchentlichen Blogeinträge“, doch sie sind zum Dahinschmelzen. So voller schöner Worte.
    Viel Freude beim Buch schreiben.

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  7. Ich freue mich schon jetzt auf dein Buch. 🙂 Der Gesang der Flusskrebse. Schon alleine der Titel klingt so poetisch und macht mich neugierig. Neben Muttertag und Vatertag feiern wir auch den Kindertag. 🙂
    Liebe Grüsse

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