Schwups, da ist er schon der September, ratzfatz war er da, quasi Übernacht und er hat seinen Freund den Herbst gleich mitgebracht. Nach zwei Monaten Sommerpause dachte ich mir, dass dieser Monat dringend wieder eine Überschrift braucht, wenn einer sie verdient hat, dann der September. Ich erzähle dir ein wenig, von dem, was uns so umtreibt, in Herz, Leben und Gehirn in diesen Tagen und Wochen.

Smaragde im September mögen ein wenig ambitioniert klingen, aber ich habe meine Gründe, warte ab. Neulich am Abend, ich schätze es war der zweite September, habe ich schmutzstarrende Schulkinder in die Badewanne verfrachtet, die erste Wanne seit dem letzten Winter (gewaschen haben sie sich natürlich trotzdem, also bitte…). Als Überbleibsel aus den Schultüten hatten wir noch Badekugeln, solche mit einem kleinen Überraschungsgeschenk in ihren sprudeligen Herzen. Also habe ich Kinder und Kugeln in die Wanne geworfen und abgewartet, was nach ausreichendem Wasserkontakt wieder zum Vorschein kommen würde. Das Ergebnis waren saubere Kinder mit einem strengen Himbeergeruch und dunkelgrüne Smaragde, gut Zehncentstück groß, allerliebst.

Beim Gute-Nacht- Sagen entfernte ich eine der Kostbarkeiten aus einem Kindermund und legte sie entnervt zur Seite, nicht ohne eindringlich auf die Gefahren durch Erstickungstod und Darmverschluss hinzuweisen. Wer glaubt schon einer nölenden Mutter. Keiner, der mit einem einigermaßen vernünftigen Forscherdrang ausgerüstet ist, soviel ist klar. Als ich wenig später aus der Dusche kam, stand da ein kleines Menschenkind vor mir und verlangte Wasser. Denn es habe ganz aus Versehen den Smaragd heruntergeschluckt und es sei vielleicht besser nachzuspülen. Arrgh!! Um 21 Uhr war klar, dass das Kind an diesem Smaragd zwar nicht ersticken würde, aber wer weiß, was sonst alles möglich wäre, ich bin da durchaus sehr phantasiebegabt. Also wurde die Hausärztin unseres Vertrauens kontaktiert, die beruhigend meinte, es sei ja kein echter Smaragd und würde schon den natürlichen Lauf der Dinge nehmen. Wir könnten ja die Augen offenhalten, ob wir ihn wiederfinden würden, äh, ja. Weil die arme Alma, Michels geplagte Mama aus Lönneberga, ja schon im weisesten Kinderbuch aller Zeiten, einen ähnlichen Rat erhalten hatte, vertraute ich in diesem Falle der Ärztin und der Natur. Der Smaragd ist bis heute verschwunden und ich bin ganz dankbar dafür. Ich habe allerdings auch nicht gewühlt, noch nicht mal einen Blick riskiert, ehrlicherweise.

Ich bin zwischenzeitlich zu der Überzeugung gekommen, dass Smaragde ganz ausgezeichnet zum September passen. Funkelnde Schätze, die dich reich machen, dein Leben schmücken und alles zum Strahlen bringen, die hat dieser Monat doch nun wirklich im Übermaß im Gepäck. Und er zeigt sie ganz offen her, du musst nicht erst lange an finsteren Orten danach suchen. Klare, kühle Morgenluft. Rote Hagebutten. Weinberge die vollbehangen auf die Ernte warten. Das erste Kürbisorange blitzt auf und macht die Welt bunter.

Egal, wie chaotisch die Weltlage ist, so will ich doch nicht aufhören, mich nach Herbstschätzen zu bücken. Es ist ein wenig so, als wäre Weihnachten, denn es ist auch ganz egal, wie alt ich werde, ich kann nicht aufhören, mich über diesen spätsommerlichen Frühherbstgeruch zu freuen. Hast du schon deine liebste Teetasse herausgekramt und überlegt, welche Mütze dir in diesem Herbst die Ohren wärmen soll? Noch trinkst du deinen Nachmittagskaffee gerne im Garten, aber am Abend, da zieht es uns hinein und es braucht schon ein Kerzchen von Zeit zu Zeit.

Im September ist alles noch ganz furchtbar chaotisch, auch hier. Wir drängeln uns auf Elternabenden, versuchen uns all die neuen Namen von Lehrern und Mitschülern und Stundenpläne zu merken, suchen nach neuen Alltagsroutinen und Wegen, alles zu vereinbaren. Ich verzweifle schon wieder an unseren Sonntagen, die ich mir ruhig, entspannend und erholsam wünsche und die stattdessen mit übriggebliebenem Schulkram vollgeladen sind und all dem Zeug, das einfach nicht in eine normale Woche passen will. Der September ist immer auch Aufbruch in unbekanntes Neuland, anstrengend und aufregend, aber er macht es uns leicht, dieser Jahresanfang mitten im Jahr (anders als Silvester, wo ich nur äußerst ungern aus meiner inneren Winterruhe gestört werde, nur um mal eben mein Leben neujahrstauglich aufzumöbeln). Wann immer es möglich ist, werfe ich rund um sieben alle Kinder aus dem Haus, schnüre meine Turnschuhe und gehe eine stramme halbe Stunde auf Schatzsuche. Das lüftet das Hirn und das Herz und danach bin ich bereit, für die Arbeit des Tages. Natürlich kannst du auch in den trüben Novembermorgen traben, keine Frage. Oder in den warmen Julitag. Aber im September hat es wahrhaft heilende Kraft.

Im September bin ich zum ersten Mal Mama geworden und das ist zeitlich immer wahnsinnig ungünstig, weil doch schon so viel gerade ist, aber andererseits fragst du nicht lange nach, wenn die größten Schätze in deine Arme gelegt werden, da greifst du zu und bist nur froh. Der Gatte und der Erstgeborene teilen sich einen Geburtstag, wie gut dass es die beiden gibt und wie reich mich der September alleine dadurch schon macht. Und natürlich legen sich alle ins Zeug und basteln Utensilos aus alten Milchtüten für den Bruder und kochen Zitronenmarmelade für den Papa. Das kostet den letzten Nerv ehrlich, aber es macht auch reich.

Im September beginnt hier nicht nur offiziell die Lesezeit sondern auch die Lesezeit. Während also ein nicht unwesentlicher Teil der hiesigen Bevölkerung arbeitet, dass die Trauben nur so spritzen (die Geräusche!, der Geruch!, falls du den Herbst suchst, hier findest du ihn auf jeden Fall), versorgen wir uns mit Lesestoff. Ich durfte neulich eine echte, altmodische und wunderbare Buchhandlung entdecken und es hat mir so eine Freude bereitet. Falls du so einen selten gewordenen Schatz findest, dann geh rein und lass dich beraten. Es ist so anders und so wertvoll. Stell dir, du kommst dann wieder und wieder. Irgendwann kennt dich die Buchhändlerin mit Namen und weiß schon, was du mögen wirst. Eine herrliche Idee und ein Gespräch bekommst du gratis dazu.

Und natürlich gibt es leckere Schätze auf dem Teller. Die Klassiker, die ein ganzes halbes Jahr gefehlt haben. Suppe in allen Farben, gebackener Kürbis und Flammkuchen mit Birnen und Ziegenkäse. Da brauchst du natürlich keinen Tipp von mir, denn du hast genug eigene Lieblinge, oder? Wobei ich ja jetzt Rote Beete, Kartoffeln und Schafskäse aus dem Ofen hatte, ein wenig Olivenöl nur drauf und etwas Gewürzsalz… also das fand ich ja ausgesprochen lecker und auch farblich sehr ansprechend. Nur falls du noch eine Idee für eine schnelle Mahlzeit brauchst.

So jetzt kennst du sie, meine Smaragde im September und du darfst mir natürlich gerne von deinen Schätzen erzählen, auf dem Teller oder Nachttisch oder wo auch immer…

5 Gedanken zu “Smaragde im September

  1. Hach. Ich liebe ja den September sowieso schon, aber nach der Lektüre deines Blogeintrags ist er mir nochmals ein Stückchen ans Herz gewachsen. Wie gern würde ich jetzt mit dir auf einem Bänkchen das angenehme Septemberlüftchen mit einer Tasse Tee geniessen. Wie ist das Buch von Lily King? Der Titel spricht mich sehr an. Liebste Grüsse!

    Gefällt 1 Person

    1. Ich mag das Buch, es ist ein schöner Roman und eine Liebeserklärung an das Schreiben, das Lieben in all seiner Schmerzhaftigkeit und vor allem an ungerade Persönlichkeiten. Besonders die ungeraden Persönlichkeiten mit Hang zum Zwang gefallen und liegen mir…Sei lieb gegrüßt

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  2. Der September ist auch mein Herzensmonat. Hier habe ich meinen Mann kennengelernt und ein paar Jahre später am gleichen Tag geheiratet.

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