Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal…vielleicht, als…, ach nein, keine Ahnung. Jetzt aber, in diesen verrückten Tagen, in denen alles ein wenig schwergängig ist (hihi, in unserem Falle ja im wahrsten Sinne des Wortes…), kommen sie mir gerade recht. Und weil ich schon so lange nicht mehr und du vielleicht noch gar nicht weißt, was es damit auf sich hat, will ich es kurz erklären. Wenn das Leben ein wenig mühsam erscheint, beängstigend, überfordernd oder all das zusammen, dann ist es schlau, sich zehn Dinge zu überlegen. Du nimmst dir einen Moment und fragst dich, was dich trägt und hält in diesen Tagen deines Lebens. Was dir Freude schenkt und Zuversicht, was dich lächeln lässt und tröstet. Zehn Dinge findest du immer. Sie sind dein Nährboden, von dem du zehren kannst. Sie müssen nicht wahnsinnig tiefgründig sein, manche sind ganz profan oder laufen auf Netflix. Hier sind meine zehn.

  • Adventskalender. Zwischenzeitlich war ich ein wenig gestresst im Angesicht einer Flut von Instagrambildern, auf denen kunstvoll eingewickelte Geschenkpäckchen über Naturmaterialien drapiert wurden, allesamt mit hübsch ausgestanzten oder geletterten Ziffern versehen und gerne mit Lichterkette drumherum. Aber dann dachte ich, was soll´s, was der eine mag, muss der andere nicht brauchen. Also kramten wir aus den Tiefen des Kellers die mittlerweile etwas ramponierten Streichholzschächtelchenkalender und legten zwei Gummibärchen ins erste Kästchen- die aber immerhin in Tannenbaumform. Jetzt stolpere ich des Nächtens wieder durch dunkle Kinderzimmer, falle über Kaplasteine und Schleichrömer, in der einen Hand die Taschenlampe und in der anderen kleinste Winzigkeiten. Manchmal findet sich auch ein kleiner Zettel im Kästchen. „Spieleabend“ steht drauf oder „Adventskaffee mit den Herdmanns“. Alles altvertraut, alles nicht besonders aufregend. Aber es liegt ein großer Trost und ein starker Halt in diesem Vertrauten, für mich, aber auch für die Beschenkten. Und wo ich schon mal da bin, ziehe ich eben noch die Decken glatt, schiebe ein verirrtes Kinderbein zurück in sein warmes Bett und segne das leise Schnarchen.
  • Adventskalender. Ähm ja. Wir haben noch andere Adventskalender und in dieser Hinsicht ist die Lage dieses Jahr etwas eskaliert. Da ist der „Andere Zeiten“- Kalender, den der Patenonkel zum Namenstag schenkt (übrigens ein wirklich ganz wunderbarer Kalender). Dann das „Schnüpperle“, weil ohne nun mal nicht richtig Advent ist und schließlich versehentlich gleich zwei „Ben und Lasse“ -Vorlesekalender, zwei verschiedene natürlich. Damit ist man natürlich ein Weilchen beschäftigt, das kannst du mir glauben. Um der Lage Herr zu werden, stelle ich jeden Abend um halb sechs einen Pott Tee auf den Tisch, einer zündet die Kerzen an, wir schmeißen uns aufs Sofa und dann wird vorgelesen, als gäbe es kein morgen. Es gibt schlimmere Herausforderungen und ich genieße das furchtbar altmodische und fast schon ein wenig kitschige Adventsstündchen in vollen Zügen. Wer weiß, wie lange ich noch so vorlesen darf, wie lange sie sie noch hören wollen, all diese Geschichten?
  • „The crown“. Ahh, was habe ich auf diese Staffel gewartet! In meinem nächsten Leben werde ich bestimmt keine Prinzessin, aber in diesem fühle ich mich ganz ausgezeichnet unterhalten.
  • Heu. das habe ich am ersten Adventssonntag in ein Schüsselchen gefüllt und auf den Tisch gestellt, daneben ein Leeres. Wer einem anderen Familienmitglied etwas Gutes getan hat, darf etwas Heu in das leere Schüsselchen legen. Einzige Bedingung: die Wohltat geschieht heimlich, still und leise und man spricht nicht darüber. Das volle Schüsselchen ist mittlerweile leer, ich werde es auffüllen müssen. Damit unser Jesuskind weich liegt, am heiligen Abend, in unserer Krippe.
  • Plätzchen backen. Das mache ich tastsächlich sehr gerne. Es ist ein wenig, wie puzzeln, man muss wenig nachdenken und ist trotzdem fokussiert. Wenn die Hände vor sich hinwerkeln und das Hirn langsam abschaltet, höre ich immer das Weihnachtsoratorium. Das drehe ich voll auf und schmettere lauthals mit. Natürlich kommt dabei nichts extravagantes bei rum, nur Terassen, Vanillekipferl und ähnliches. Doch alle sind zufrieden mit der Ausbeute und mein kleine Krämerseele freut sich, wenn sich die Dosen füllen.
  • Linzertorte. Die Geschichte ist alt, bestimmt kennst du sie schon. Aber sie gehört nun mal zu meinen Zehn unbedingt dazu. Jedes Jahr backt ein alter Freund rund um den ersten Advent Linzertorte. Und jedes Jahr steht er dann aus dem nichts heraus irgendwann vor unserer Haustür und reicht mir eine Torte rüber, egal wie viele Monate wir uns vorher nicht gesehen und gehört haben. Dann packe ich sie in die alte rote Blechdose mit den Äpfeln drauf , denn sie will ihre Ruhe haben, bis zum ersten Weihnachtstag. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber freue. Dass er mich auch in diesem Jahr nicht vergessen hat, dass einer für mich Torte backt, dass ich sie auf den Weihnachtstisch stellen werde und heute schon weiß, wie sehr ich mich dann erst freuen werde.
  • Buchstaben. Ich habe ja hier zwei Erstklässerchen wohnen. Ich glaube nach dem Laufen und Sprechen lernen, gibt es kaum etwas Rührenderes als wenn ein kleiner Mensch das Lesen lernt. Langsam schiebt sich das Fingerchen die Zeile entlang, versuchen die Lippen Silben zu bilden und dann ist der Jubel groß, wenn das Wort einen Sinn ergibt und aus Worten irgendwann Geschichten werden. Ich liebe es. Und ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Wunder nochmal miterleben darf.
  • Astrid Lindgren. Ich bin schwer dafür, dass man im Advent einen Astrid-Lindgren-Gedenktag einführt. Dann würde man Pfefferkuchenbacken, an die frische Luft gehen und sich die schönsten Geschichten erzählen. Als Dankeschön für all ihre Geschichten, die zum Advent dazu gehören, wie Kranz und Lebkuchen. Für Michel und Lotta, für Madita und Tomte Tumetott und für das wohlige Gefühl, das sie uns schenken. Wir brauchen wohl ein wenig von diesem heile Welt-Gefühl von Zeit zu Zeit.
  • What’s app. ich bekomme ja wahnsinnig gerne echte Briefe und ich telefoniere auch hin und wieder richtig gerne. Aber wenn wir ehrlich sind, dann haben wohl die wenigsten Zeit und Muse für das Verfassen langer Epistel und kaum halte ich den Hörer in der Hand, wollen gleich drei Leute sehr dringend etwas von mir, auch wenn ich sie vorher stundenlang nicht gesehen habe. Seit einer Weile habe ich einige wenige What’s app- Freundinnen, keinesfalls zu verwechseln mit Klassen, Vereins oder sonstigen organisatorischen Zeitfress-Gruppen. Es ist eine moderne Art der Brieffreundschaft. Bei Kochen oder Klo putzen höre ich mir an, was sie mir zu erzählen haben, von sich, von ihrem Leben und dem, was sie umtreibt. Und bei Gelegenheit erzähle ich ihnen einen Brief zurück. Erstaunlicherweise erwachsen daraus echte Herzensfreundschaften, von denen ich keine missen möchte.
  • Frieden. Jetzt gerade im Moment denke ich, dass es an der Zeit ist Frieden zu schließen. Mit mir, mit diesem Jahr, mit allem, was gelungen ist und allem, was gründlich daneben ging. Ich bin müde geworden, wie so viele und ich will es gut sein lassen. So, wie es jetzt ist, ist es in Ordnung. Was in diesem Jahr nicht geklappt hat, klappt vielleicht nächstes Jahr, oder nie, wer weiß? Wir brauchen so viel weniger, als wir immer meinen. Aber den Frieden, den brauchen wir dringend, wir sollten ihn einlassen und ein warmes Plätzchen anbieten.

Das waren meine zehn Dinge, und du siehst natürlich- nichts davon ist wahnsinnig aufregend, nichts davon bietet bahnbrechende Neuigkeiten, nichts davon ist auch nur annähernd innovativ. Es ist das, was mir gerade Nährboden ist, was mich trägt und hält. Das Vertraute, die kleinen Rituale, ein paar Barbarazweige in der Vase und ein Engel im Fenster. Weihnachten wird immer trotzdem. Und gerade deswegen und eben drum. Das ist genug.

Was sind deine zehn?

3 Gedanken zu “10 Dinge

  1. Ach wie froh bin ich, dass ich auf deinen Blog gestoßen bin. Jede Woche so ein inspirierender, tiefgründiger Text.
    Eure Schächtelchen Adventskalender sind toll und auch deine „10 Dinge“. Ich müsste über meine erst ein wenig nachdenken… .
    Abeer ich habe gerade Elternzeit und genieße die Zeit mit der Zweijährigen, von der wir ab Montag wieder viel zu viel haben, weil wir in Sachsen wohnen.
    Liebe Adventsgrüße
    Anne von Leben eben

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  2. Über die „family“ bin ich auf dein Blog aufmerksam geworden. Was bin ich dankbar für diese Entdeckung. So wunderbar unaufgeregt und geerdet, vielleicht nicht insta-tauglich, aber unglaublich wohltuend für meine Seele. „10 Dinge“ – sollte ich mir nur überlegen. Der Lockdowns bei uns in Sachsen steht scheinbar übermächtig und beängstigend vor der Tür.
    Liebe Adventsgrüße
    Franziska

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  3. Liebe Sandra,
    es tut einfach gut, deinen Blog zu lesen. Da steckt so viel Herzenswärme drin. Danke dafür. Ich liebe die Idee mit dem Heu, das muss ich mir unbedingt merken, bis unsere Kinder groß genug sind.
    Herzliche Grüße,
    Dorit

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