Vor knapp zwei Wochen, es war Samstag in der Früh, bekam ich eine Nachricht per Handy. Ich hatte den Schlafanzug noch an, trotzdem schon mehreren Auseinandersetzungen beigewohnt und hielt mich am ersten Kaffee fest. Schon vor dem Frühstück gänzlich entnervt nahm ich das Handy und schlagartig wurde es ruhig in mir. Da war doch tatsächlich ein Baby geboren worden. Ein kleines Mädchen, wunderhübsch, genau richtig schwer, genau richtig groß und genau richtig zerknittert. Während wir hier noch darüber zankten, wer beim Tischdecken niemals hilft, wer jetzt bitteschön endlich mal seinen Kram wegräumen sollte und warum Fußballspielen morgens um 6.30 Uhr inhäusig nicht bei jedem Begeisterungsstürme auslöst, hatte sich dieses winzig kleine Riesenwunder auf den Weg in die Welt gemacht. Ich starrte das Foto an und war schlagartig ergriffen und zu tiefst gerührt. Ein neuer Mensch. Zwei Stunden zuvor noch im Bauch seiner Mama, plötzlich da, sehnsüchtig erwartet von Eltern und Geschwistern. Ist es nicht immer wieder unbegreiflich, dieses Wunder? Dieses kleine Mädchen, dessen Eltern ich gar nicht gut kenne, hatte es geschafft, den Weltenlauf für einen Moment anzuhalten und Frieden auch in unser Haus zu bringen. Neugeborene haben immer ein Stückchen Himmel im Gepäck. Und wann immer sie uns begegnen, werden wir ein wenig heil im Herzen.

Vor knapp zwei Wochen hatte ich auch ein langes Gespräch, eines von denen, die man selten hat, weil es den richtigen Moment braucht, das richtige Ohr, das richtige Gespür für den Augenblick. In diesem Gespräch erfuhr ich von großer, gefräßiger Versagensangst, von Selbstzweifeln, die bis in die Zehenspitzen reichten, von der Suche nach richtigen Wegen und dem passenden Ort in der Welt. Ach, und all diese Nöte waren mir so wohlvertraut, das Mitfühlen war mir ein leichtes, denn ich kannte und kenne diese Art von Bedrängnis so gut, in die ein Menschenherz von Zeit zu Zeit geraten kann. Das Leben hat immer ein Stück Hölle im Gepäck und wann immer sie uns begegnet, werden wir ein wenig zerrissen im Herzen.

Ich weiß nicht, was dieses Jahr alles für dich bereit gehalten hat. Ich weiß nicht, welches deine schweren Höllenmomente waren, in denen dein Herz feine Risse erhielt und du aufrichtig erschüttert wurdest. Wie hast du es gelebt, dieses Jahr, in dem so vieles anders war, in dem wir neu handeln, neu denken und vieles neu fühlen mussten? Ich hoffe, dass es trotz allem immer wieder Augenblicke gab, in denen du ein Stückchen Himmel sehen konntest, Begegnungen, die dein Herz ein wenig heiler machten und Frieden in dein Leben brachten. Wer war dir Himmel, was hat dich stark gemacht und wo konntest du Trost finden?

Natürlich habe ich auch keinen Schimmer, was uns das nächste Jahr bringen wird, dem Himmel sei Dank, es liegt auch viel Segen im Nichtwissen. Aber eines ist klar. Auch das nächste Jahr wird die volle Packung an Leben für uns bereit halten. Es wird Höhen und Tiefen mit sich bringen, Höllenmomente und himmlische Augenblicke, enge Grenzen und weite Möglichkeiten. Es werden Herausforderungen kommen, bei denen du über dich selbst hinauswachsen musst und Tage, an denen du dein Glück kaum fassen kannst, Abschied und Neuanfang, Zerbrechen und Heilwerden. So ein Jahr hat immer beides im Gepäck, Himmel und Hölle.

Aber vorher ist Weihnachten. Jedes Jahr lädt es uns ein, jenem Neugeborenen zu begegnen, das der Himmel selbst ist. Das uns ganz und gar heilwerden lassen möchte, repariert, was zerrissen ist, zerbrochen und kaputt. Es will den Weltenlauf anhalten und Frieden bringen, in dein Haus. Ich weiß nicht, wie dein Jahr war, aber ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass es für dich Weihnachten wird.

Nun werde ich gleich mein Blogeckchen in den weihnachtlichen Winterschlaf schicken. Aber vorher möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken. Weil du hier mitliest. Ohne Leser wäre es doch sehr fad. Für gute Worte, für Kommentare, die ich viel zu selten beantworte, fürs Teilen, für jede Rückmeldung. Vielen Dank. Es geht sich doch viel netter gemeinsam durch so ein Jahr. Pass nur auf, dass du genug Plätzchen isst, dass du deine Füße oft genug hochlegst, dass du ausreichend frische Luft an deine Nase lässt und gute Worte in dein Herz. Bleib behütet, dann lesen wir uns nächstes Jahr.

10 Gedanken zu “Was ich dir wünsche

  1. Vielen lieben Dank für deinen tollen Blog, für deine so oft wunderschönen Worte…
    Ich wünsche dir und deiner Familie schöne 🎄 Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!!!
    Herzliche Grüße Luci

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  2. Unbekannter Weise dir und deiner tollen Familie ein gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes Segen für das kommende Jahr! Du hast mir mit deinen wundervollen Beiträgen dieses Jahr oft den Tag versüßt, vielen Dank dafür.
    Liebe Grüße
    Anna

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  3. Ich habe dir schon bei Instagram einen lieben Gruß dagelassen, aber auch hier nochmal besinnliche und gesegnete Weihnachten für dich und deine Familie. Wir haben uns ja mal kurz auf dem Kongress vom Verband kinderreicher Familien gesprochen: ich lese dich immer wieder gerne und es tut mir gut, von euch zu hören.

    In diesem Sinne: wir lesen uns im nächsten Jahr.

    Alles Liebe
    Andrea – die Großfamilienmama

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  4. Vielen vielen Dank für jedes deiner Worte auf diesem Blog , in einem Jahr das wirklich vermeintliche Selbstverständlichkeiten einfach weggeblasen hat.
    Ich lese hier schon so lange und finde mich häufig wieder.
    Immer öfter weine ich dabei ein wenig vor Erleichterung , wenn ich erkenne , dass nicht nur ich es bin , die manchmal gegen selbst errichtete Windmühlen ankäpft.
    Unbekannterweise ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr .

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  5. Danke für deine herzerwärmenden und bereichernden Texte! Sie tun mir unglaublich gut!
    Fröhliche und besinnliche Weihnachten für dich und deine Familie und einen guten Start ins neue Jahr!
    Liebe Grüße Amelie

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  6. Danke! Für deine ermutigenden Worten in dieser finsteren Jahreszeit.
    Es tut immer wieder gut hier vorbeizulesen 😉
    Ich freue mich schon aufs nächste Jahr!
    Ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr wünsche ich dir und deiner Familie!
    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  7. Danke, dass Du mich teilhaben lässt an Deinem Alltag, dass Du mir immer wieder Lichtblicke schenkst mit Deinen Worten – und Gedankenanstöße. Wie oft muss ich beim Lesen schmunzeln, immer mal (gerade in diesem Jahr) eine Träne wegdrücken. Gottes Segen Dir und Deiner Familie, und frohe Weihnachten!
    Ganz liebe Grüße aus Italien
    Ursula

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