Heute ist ein Morgen, der eine kleine Nachricht in der Brot-Box erforderlich machte. Lateinarbeit, 3./4.Stunde, Herzbubbern, fällt nicht unter Lieblingsfach, eher unter Lebenshürden. Also habe ich gestern in der Nacht ein kleines Zettelchen geschrieben, auf hübschem Papier, ein paar Worte nur. Viel Erfolg! Du schaffst das!! Multa fortuna (das ist ein Lateinarbeit, da braucht es schon ein wenig Glück…)! Eingeklemmt zwischen Laugenstange und süßem Seelentrost wurden die Wort heute morgen noch ungesehen in die Schule transportiert und ich hoffe, dass sie in der großen Pause ihre Wirkung tun, dass sie ermutigen und stärken. Dass neben all der Aufregung der Gedanke aufblitzt: Sie denkt an mich, ich bin nicht allein und sie traut mir das zu. Geschriebene Worte, kleine Zeichen, ein paar Grüße von mir zu dir wirken Wunder, davon bin ich fest überzeugt. Und wenn sie nicht für ein Wunder reichen, dann machen sie das Leben zumindest leichter und ein wenig heller.

Dem Himmel sei Dank muss ich persönlich ja keine Lateinarbeiten mehr schreiben, aber ehrlicherweise geizt das Leben ansonsten nicht unbedingt mit Herausforderungen. Auch wenn gerade Pandemiepause sein mag, auch wenn ein Ahnung von normalem Alltag möglich zu sein scheint, auch wenn ich für den Moment meine sehr mäßig bewältigte und ungeliebte Aufgabe als Interimslehrkraft im exklusiven 7geisslein-Internat wieder an den Nagel hängen darf. Es fühlt sich wie ein schwerer Muskelkater nach einem langem Marathonlauf an. Ich hätte erwartet, dass man sich mit Eintritt der Lockerungen umgehend und voller Tatendrang in die Vollen stürzen würde, aber stattdessen hinke ich fußlahm und irgendwie unproduktiv hinter her.

Und während ich so vor mich hin lahme, reicht mir der Juni eine Box vollgepackt mit guten Sachen. Ganz so, als wolle der Himmel selbst ein paar freundliche Grüße schicken, ein bisschen was von allem, was das Leben leichter und heller macht, Ermutigung und Seelentrost. Weißt du noch, früher, auf dem Pausenhof? Da wollte man immer voneinander wissen, was der andere in der Brot-Box hatte und ob sich das Teilen und Tauschen lohnen würde. Willst du wissen, was in meiner Box steckt?

Rosen stecken drin. Rosen so weit das Auge reicht. Sie wuchern und wachsen völlig ungehemmt, dass es die reinste Freude ist und machen aus unserem kleinen Garten ein blühendes Paradies. Für diese Farbwucht mussten wir gar nichts tun, außer die kleinen Rosenstöckchen in die karge Erde zu pflanzen und ihnen gelegentlich etwas zu trinken zu geben. Was für ein Geschenk für Menschen wie wir, die gänzlich ohne grünen Daumen durchs Leben spazieren und trotzdem eine wahnsinnige Freude an blühenden, wilden Gärten haben. In meinen kühnsten Träumen bin ich ja Cottage-Besitzerin in Cornwall und sitze schreibend in meinem „rosegarden“, bevor ich mit dem Hund zu einem kleinen Küstenspaziergang aufbreche, damit ich ja rechtzeitig zur teatime wieder zurück bin. Bis es soweit ist sitze ich auf unserem alten Bänkchen und betrachte hingerissen, was die Rosen für ein Sommerfest feiern. Sie brauchen mich dafür nicht, ich habe sie mir nicht erarbeitet, nicht erkämpft, nicht erwirtschaftet und das macht mich immer noch sprachlos.

Apropos Feste feiern. Endlich durfte wieder gefeiert werden und das war eine dicke, fette Freudenbotschaft, die aus meiner Box purzelte. Das große Mädchen konnte ihren Geburtstag feiern und es war ein Tag, wie man ihn sich nicht hätte schöner denken können. Seit Dezember hatte der Großteil der Mädchen ihrer Klasse sich nicht mehr gesehen und nun saßen sie in unserem Garten und hatten es schön miteinander. Hin und wieder trat ich ans Fenster und sah, wie sie sich vor Lachen und Kichern die Bäuche hielten und ich kann dir gar nicht sagen, was das für ein schönes Gefühl war, wie eine einzig große Erlösung nach all den Monaten des Zusammenreißens und Stillhaltens, des Tapfer- und Geduldigseins. Im Übrigen brauchte es gar nicht viel weitere Zutaten. Ein schön gedeckter Tisch, einen Zentner Erdbeeren, ein Kilo Vanilleeis, ein Waffeleisen und eine große Schüssel Teig. Gebacken haben die Damen selbst, die brauchten mich nicht. Aus dünnem Sperrholz, Magnetfarbe und ein paar Tuben Acryl kann man Magnettafeln gestalten, dafür brauchten sie mich auch nicht. Und zum Abschluss warf der Gatte noch den Flammkuchenofen an und alle waren glücklich. Sie brauchten nicht mich, sie brauchten einander. Sie brauchten Gemeinschaft und Kichern und eine große Menge Unbeschwertheit.

Mein Buch ist nicht nur fertig geworden, sondern auch schon auf eine große Reise gegangen. Es hat ein paar furchtbar nette Lektorinnen besucht und sich einige Anregungen eingeholt, vor allem aber wurde es sehr freundlich aufgenommen. Das hat mich ganz außerordentlich gefreut, denn es bedeutet, dass alles was bis hierher nur in meinem Kopf rumgeisterte einen irgendwie verstehbaren Sinn ergibt. Dann habe ich erfahren, dass du dieses Buchprojekt erst im Januar in den Händen halten wirst und dass hat mich wiederum ganz außerordentlich gefuchst, ganz kribbelig macht mich das. Schließlich bin ich aber zu der weisen Erkenntnis gelangt, dass das alles schon seine Ordnung hat. Das Buch braucht mich jetzt erstmal nicht mehr, geht seinen ganz eigenen Weg ohne mein Zutun und ich bin neugierig, was daraus werden wird. In meinem Kopf aber ist wieder Freiraum für neue Ideen, Pläne und Gedanken und bestimmt kann ich dir bald mehr darüber erzählen.

Der Juni selbst ist ja wohl die beste Nachricht, ein einziger kalendarischer Mutmacher. Ich liebe es, wenn rote Kirschen in den Bäumen blitzen, wenn der Klatschmohn leuchtet und es Zeit wird, die Eismaschine aus dem Keller zu holen. Helle Abende und spielende Kinder im Pool sind die untrüglichen Anzeichen dafür, dass es Sommer werden mag, eine Zeit zum Durchatmen und großzügig sein, zum Hängematte schaukeln und den Vögeln beim Zetern zuzuhören. All das erfordert keine große Mühe, Einsatz oder Arbeit. Du darfst es dir einfach schenken lassen. Ich lese in dieser Junibotschaft, dass der Himmel selbst an uns denkt, du musst nur rausgehen und deine Geschenke annehmen. Es scheint mir absolut in Ordnung zu sein, ein wenig fußlahm und verkatert hinterherzuhinken, gute Güte, was hast du, was habe ich, was haben wir bis hierher gemeistert??!! Ich finde wir haben uns eine etwas langsamere Gangart verdient, dürfen gnädig mit unserer Müdigkeit sein und uns auftanken lassen. So wie die, die heute eine Lateinarbeit geschrieben haben. Die brauchen auch erst mal ein Päuschen.

Welche guten Nachrichten verstecken sich in deiner Junibox? was bestärkt dich, macht dir Mut und dein Leben heller? Zeig doch mal, vielleicht können wir teilen?

Ein Gedanke zu “Message in a box

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