Letzte Woche war ich auf einer kleinen aber feinen Feierlichkeit eingeladen und hatte es nett. Am kalten Buffet (Achtung: es scheint ratsam zu sein, die Gäste um einen Beitrag zum Buffet zu bitten, denn es war voll von leckerstem Essen und trotzdem lag die Gastgeberin nicht erschöpft in der Ecke sondern konnte es auch nett haben- was ja der eigentliche Sinn der ganzen Feierei ist), am kalten Buffet also hatte ich Gelegenheit mich mit einer freundlichen jungen Frau zu unterhalten. Ich kenne sie nicht gut, aber ich weiß, dass sie Lehrerin ist und jede Menge ehrenamtliche Zeit in die Arbeit mit Jugendlichen steckt. Wir sprachen über die Nützlichkeit von herausfordernden Situationen für junge Menschen wie beispielsweise für einige Zeit ohne fließendes Wasser und Strom, ohne Handy und Federbetten auszukommen. Dann fiel der entscheidende Satz: „Ich biete denen keine fertige Lösung an. Wenn sie nicht weiterwissen, dann sag ich immer: Mach doch einfach mal. Versuch es selbst!“ Ich schnappte mir meinen Teller mit Lachsröllchen und Schichtsalat, packte den Satz mit obendrauf und zog meiner Wege. Kennst du das? Manchmal hörst du einen Satz und egal wieviel Sätze du vorher oder hinterher gehört haben magst, dieser Satz fällt in deine tiefen Tiefen, obwohl er eigentlich ganz harmlos daher kam. Der Satz ist dann nicht einfach so ein daher gesagter, sondern er scheint genau für dich bestimmt gewesen zu sein, du musstest ihn hören, mit nach Hause nehmen, eine lange Weile darauf herumkauen und nachdenken, wer dir hier eigentlich dringend etwas sagen möchte.

Vor ein paar Jahren, lernte ich auf einem Bloggerinnentreffen meine Lieblingsschweizerin Sonja kennen und ja, ich mochte sie auf Anhieb. Wir waren da als Bloggerinnen, aber viel lieber wollten wir echte Buchautorinnen sein. Wir beäugten von Ferne die anwesenden Lektorinnen und plötzlich entpuppte sich sich die liebenswerte Schweizerin als liebenswerte Nervensäge. Während ich wahrscheinlich heute noch irgendwo sitzen und beäugen würde, wohlig eingewickelt in „hätte, könnte, sollte man mal machen“, nötigte sie mich zur Tat. Tapfer fassten wir uns ein Herz und suchten, kichernd wie kleine Schulmädchen, das Gespräch mit den Verlagsdamen. Erste Schritte auf einer langen Reise. Sie ging schneller als ich, aber ohne sie wäre ich nicht losgelaufen. Ohne sie nicht und auch nicht ohne all die anderen Frauenstimmen, die mir plötzlich in den Ohren lagen, Nachrichten schickten oder „mein Tritt in den Hintern“ sein wollten. Ich sollte offensichtlich endlich begreifen, dass ich einfach machen sollte. Ohne Plan, ohne zu wissen, wie es eigentlich geht, ohne wirklich Zeit zu haben, mit tausenden Zweifeln im Gepäck. Im Januar kannst du mein Buch kaufen.

Sonjas Buch ist jetzt schon da. Du kannst es kaufen und lesen und dich von ihren Worten beschenken lassen. Ich weiß nicht, was dich im Leben trägt und hält, was dich stützt und worin du deinen Sinn findest. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass auch du diese Stimme kennst, die durch unverhoffte Sätze und Begegnungen zu dir spricht, aus unerwartetem Mund, unvermittelt manchmal und manchmal auch lästig. Die dich begleiten will auf dem Weg der Mensch zu werden, als der du gedacht wurdest. Ich weiß nicht, wie du diese Stimme nennst, aber ich nenne sie Gott. Vom Hören dieser Stimme in deinem schnöden Alltag handelt Sonjas Buch. Du musst nicht alleine durchs Leben irren, alleine deine Wege finden, stolpern, hinfallen und dich hochrappeln. Du darfst dieser Stimme immer und überall begegnen, dich von ihr tragen, inspirieren, trösten und ermutigen lassen, nicht nur in den Mauern einer Kirche am Sonntagmorgen. Manchmal schreibt und ruft, malt und schreit sie dir dein Lebensthema an die Tapeten deines Lebens. Erstaunlicherweise schaffen wir es oft trotzdem sie geflissentlich zu übersehen und zu überhören. Nicht immer hält sie Bequemlichkeiten für das eigene Selbst parat.

Du kannst ihr in den kitschtriefenden Bildern eines frühen Septembermorgens begegnen, wenn du sprachlos stehst in all dieser verschwenderischen Schöpfungspracht. Vielleicht ist es das Flüstern der Bäume im Wald, das Rauschen des Meeres oder das Pfeifen des Windes, das dir ein Lied davon singt, dass du unersetzlicher Teil einer wirklich großen Geschichte bist. In geschriebenen Worten, in den uralten Menschheitswahrheiten und Erfahrungen der Bibel, in Musik vielleicht oder in den Augen deiner Kinder.

Die Möglichkeiten der Begegnung sind schier unendlich, du musst nur hinhören, hinsehen und hinfühlen, denn Begegnung und Beziehung kann nun mal nie einseitig funktionieren. Sonja schreibt ehrlich, liebevoll und offen über ihren Weg des Suchens und Hinhörens. Darum empfehle ich dir dieses Buch. Weil wir zu oft vergessen, auf diese Stimme zu hören, uns zu verbinden und mit ihr in ein echtes Gespräch zu kommen. Dann wurschteln wir immer weiter vor uns hin und wundern uns, warum wir unzufrieden sind, warum sich alles irgendwie falsch anfühlt, warum wir uns an den falschen Dingen festklammern. Das Buch ist eine Einladung, dieser Stimme immer wieder neu zu folgen und neu zu entdecken, wer dir eigentlich dringend etwas sagen möchte. Nur so kannst du herausfinden, wer du eigentlich bist, was dich ausmacht und wohin die Reise gehen soll. Nur so spürst du auch in deinen dunkelsten Stunden, dass da immer ein „Du“ auf dich wartet.

Der Satz, der mir am kalten Buffet geschenkt wurde, hieß: „Mach mal. Ich schenk dir keine einfache Lösung, aber ich will, dass du es versuchst. Gib nicht gleich auf.“ Das Zaudern und Beäugen, das Zweifeln und Verharren gehört zu den nervigen und anstrengenden meiner Lebensthemen und ich begegne ihm zur Zeit auf Schritt und Tritt. Vielleicht sagt sie zu dir: „Halt doch mal still für den Moment, lass es gut sein und schnauf durch“. Ach, oder ihr habt ganz andere Dinge zu besprechen. Auf jeden Fall aber sagt sie zu uns allen: “ Schau, du bist nicht allein!“.

Sonja Sorbaras Buch ist im SCM Verlag erschienen und hat den Titel „Du sprichst zu mir“

3 Gedanken zu “Einfach machen

  1. Wie immer treffen mich deine Worte mitten ins Herz und ich freue mich sehr für dich, dass dein Buch bald rauskommt. Um Sonjas Buch bin ich auch schon rumgeschlichen.
    Manchmal wird man einfach ins kalte Wasser geworfen und muss machen. So wie ich diesen März nach dem Tode meins Mannes. Die Steuern, oh graus, mit der Bank über die Hypothek zu verhandeln, noch schlimmer, und die Handyverträge neu abschliessen, warum ich??? Diese Angelegenheiten hat immer mein Mann geregelt und ich habe meine Fähigkeiten anderweitig eingesetzt. Und auf einmal musste ich machen, es ging nicht anders. Und als ich den Kreditkartenvertag unterschrieben hatte, kam ich mir richtig erwachsen vor mit 50 😉
    Also Frauen da draussen, versucht es selbst, habt Vertrauen in euch, zeigt euch, lasst euch sehen und wie sagt man so schön: Reach out for the moon, if you fail, you’ll fall among the stars.
    herzlichst Silvia

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  2. Liebe Sandra,

    mach mal. Ja das trifft es gut. Das mache ich gerade auch und ich weiß gar nicht, wohin es mich führen wird. Aber es wird schon werden und ich werde schon sehen, ob das nun klug ist oder nicht. In der Kur lass ich auf einer Tasse : Klug war es nicht, aber geil. Das fand ich irgendwie auch passend, wenn es auch sehr derb ausgedrückt ist. So ist mein Leben als Großfamilienmama ja auch. War es klug 10 Kinder zu bekommen? Sicher nicht immer, aber unfassbar erfüllend.

    Viele Grüße
    Andrea – Die Großfamilienmama

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