Vor ein Tagen brachte ich in aller unmenschlicher Frühe das Auto zur Werkstatt, um es endlich winterfest zu machen. Der Rückweg waren nur wenige Minuten Fußmarsch, aber boah war das kalt. Eisig. Finster, matschig und trüb und alles, was man morgens um sieben nicht haben möchte (dabei bin ich ja Hundefrau und mittlerweile echt was gewöhnt). Plötzlich hörte ich von hinten ein lautes Singen, das immer näher kam und immer lauter wurde. „Ich lass los, lass endlich los!!“ schmetterte es von hinten mit einer solchen Inbrunst, dass ich nur noch losprusten konnte. Die Eiskönigin mit der lauten Stimme radelte inbrünstig weitersingend an mir vorbei, auf dem Gepäckträger ein Kindersitz mit einem kleinen, dick vermummelten Mädchen, und dann verschwanden sie in der Dunkelheit und leider, leider nahmen sie das Singen mit, es verklang in der Dunkelheit. Obwohl, nicht ganz. Im Vorbeiradeln hat sie mir unbemerkt den Ohrwurm zugeworfen und wenn ich auch nicht schmetternd weiterging, so doch leise singend und wesentlich besser gelaunt.

Immer wieder muss ich seither an dieses lustige Gespann auf zwei Rädern denken, an die Mutter, die so unbeirrt gegen Dunkelheit und Kälte und frühes Aufstehen ansang und die Welt damit tatsächlich heller machte, für ihr kleines Mädchen, für mich und hoffentlich auch für sich. Und wenn sie mir in den Sinn kommt, dann muss ich unwillkürlich lächeln und ein wenig summen, ich wette du jetzt auch…Der meist gesagte Satz der letzten Wochen lautet ja „In diesen Zeiten…“ „Man weiß ja nie, in diesen Zeiten.“ Und dann wird allenthalben resigniert geseufzt, der Kopf geschüttelt und müde abgewunken, abgesagt und achselzuckend hingenommen. Ich halte es genauso und ja, es ist doch auch wirklich ein Elend und zum Haare raufen ist es auch. Es fühlt sich ziemlich oft ziemlich genauso an, wie ein dunkler, eisiger Wintermorgen, mit Nieselregen und Schlammwegen. Daran lässt sich ja auch gar nichts ändern, aber vielleicht ist es an der Zeit, gerade in diesen Zeiten, ein bisschen singend Radzufahren. Hier kommen meine zehn, du weißt ja, wie es geht.

  • Wir haben ein Krimidinner geschmissen und es war einfach nur herrlich. Du lädst dir ein paar gute Freunde ein und wählst die passende Story aus. Wir verwandelten uns in einen Mafiaclan, weil das für die nicht geringe Anzahl an Kindern gut verstehbar war. Was war das für eine Freude. Alle gaben sich richtig viel Mühe mit ihren Verkleidungen, unser Wohnzimmer verwandelte sich in eine italienische Pizzeria und kurz vor dem Hauptgang fanden wir die Leiche. Es macht gar nicht viel Mühe, die einen brachten die Vorspeise, die anderen den Nachttisch und ich kochte ein paar Saucen vor und stellte 2 Kilo Pasta auf den Tisch. Für ein paar Stunden war alles andere vergessen, die Musik des Paten zog durchs Haus und eine Fröhlichkeit, wie sie nur Gemeinschaft bringt. Also ich empfehle dir tatsächlich mal ein Krimidinner zu geben, es gibt sie für die unterschiedlichsten Personenzahlen. Oder du lädst dir einfach so mal wieder eine lustige Gesellschaft ein, nur über C darf an diesem Abend keiner reden. Das ist eine Tankstelle für die Seele, versprochen und du zehrst lange davon.
  • Ich bin ja keine ausgesprochene Filmfreundin und einen Familienfilm für alle zu finden, wird immer herausfordernder. Der hier war so toll, dass ich ihn freiwillig noch ein zweites Mal gesehen habe: „Dr Doolittle“ mit Robert Downey Junior. Lustig, spannend, wunderbar gemacht, und ganz ohne nervige und völlig überflüssige Penisflachwitze.
  • Wenn es trübe wird, schwöre ich ja auf kleine Akte der Selbstwirksamkeit und auf warme Brötchen. Zur Zeit lieben wir diese hier: 200g Roggenmehl, 200g Dinkelvollkornmehl, 600 Dinkelmehl 630, 700ml lauwarmes Wasser, ein Würfel frische Hefe, 4 Tl Salz und eine kleine Prise Zucker. Du mischst die trockenen Zutaten, löst die Hefe im Wasser auf und lässt die Küchenmaschine drei, vier Minuten kneten. Wenn der Teig zwei Stunden geschlafen hast, setzt du Häufchen davon aufs Blech, das klappt am einfachsten mit feuchten Händen. Dann noch ein paar Körner drauf, wenn du magst, und ab in den sehr heißen Ofen mit einem Schälchen Wasser. Nach zwanzig Minuten hast du leckere Brötchen. Wenn du magst, machst du nur die Hälfte oder frierst den Rest ein (passiert bei uns eher nie)
  • Vor längerer Zeit schon habe ich beschlossen nicht länger garstig sondern etwas freundlicher zu mir zu sein. Das gilt auch für Sport (leider gehöre ich nicht zu den Menschen, die nach dem Aufstehen direkt in ihre Laufschuhe fallen, das ist wirklich sehr schade. Mit dem Hund laufen zählt nicht als Sport, ich habe einen Arzt befragt) Ich schimpfe aber nicht mit mir, sondern schenke mir, wann immer es möglich ist, eine Runde Sport mit Gabi Fastner. Die ist genau die Richtige für Menschen wie mich. Sie hüpft nicht im hautengen Glitzerbody durch die Gegend und beschämt die armen Untrainierten. Vielmehr fühlt sich so an, als würde man mit der Frau vom Turnverein oder Physiotherapeutin um die Ecke fleißig stärker werden. Das schaffe ich schon eine ziemlich lange Weile ziemlich regelmäßig und hey, das tut gut. Ein Dank dieser unaufgeregten Frau! Du findest sie auf youtube.
  • Ich sage ja. Zur Übernachtung von kleinen Schulfreunden, zu Spielverabredungen, zum Extrakapitel Vorlesen abends im Bett, zu Fußballspielen im Dunkeln, zu allem, was möglich ist. Weil so vieles schon wieder nicht möglich ist, abgesagt und verschoben wurde. Es wird gerade so viel verschoben, dass wir wahrscheinlich rund um Ostern Ostern verschieben müssen, damit wir all die Weihnachtsfeiern nachholen können. Ich bin wild entschlossen, alles was geht möglich zu machen, denn was mir wirklich zu schaffen macht ist die achselzuckende Resignation von Kindern aller Altersklassen.
  • Karge Deko. Natürlich mag ich Weihnachts- und Advents-Deko, aber ich merke, dass ich immer reduzierter werde. Ein Zweig statt ausladender Gestecke, ein Stern, ein schlichter Kranz. Je älter ich werde, desto mehr habe ich das Bedürfnis an den Kern der Botschaft neu vorzudringen anstatt sie zuzukleistern mit einem Zuviel von allem. Ich bin keine Freundin von hippen hashtags, doch „ZeitstattZeug“ mag ich sehr. Aber wenn du gerade in vollen Zügen dein festlich dekoriertes Haus mit allem Schnick und Schnack feierst, dann bitte genieße! Bedürfnisorientiert gilt nicht nur für Kinderseelen, das ist ja wohl klar.
  • Ich erinnere mich an Dinge, die mich als Kind im Advent froh gemacht haben. Jetzt fiel mir ein, dass das Musik war. Wenn ich morgens zum Frühstück kam, drehten sich Bachkantaten und Pachelbel auf dem Plattenteller (oh Gott, so alt bin ich schon). Pachelbel kommt bei der verschlafenen Gesellschaft frühmorgens nicht so wahnsinnig gut an („Ehrlich gesagt, Mama, ich mag solche Musik nicht so gerne, sie macht mich ganz traurig“) Amerikanische Weihnachtsmukke ist mir zu hektisch, aber ich schätze bei den Iren ist man ganz gut aufgehoben, wenn man morgens um sechs etwas Beschallung wünscht. Weißt du noch, was dich als Kind im Advent richtig froh gemacht hat? Probiere es doch mal aus!
  • Wichteltürchen. Okay, da hat ZeitstattZeug nicht so wirklich geklappt, aber das ist dieses Jahr wahrscheinlich meine letzte Gelegenheit und ich habe selbst solch eine Freude daran. Und um Freude geht es schließlich, oder? Nichts beflügelt die Fantasie so sehr, wie ein Wichteltürchen an der Wand, mit kleinen Schuhen davor und einem winzigen Briefkasten, in dem man eine Nachricht hinterlassen kann. Verstreu beizeiten ein wenig Engelshaar, lass es ein wenig verwunschen werden und rätselhaft, dafür braucht es tatsächlich nicht viel.
  • Fünf ist eine gerade Zahl und ich werde nicht müde, dass zu verkünden.
  • Gesund bleiben ist ja quasi höchste Eltern und Bürgerpflicht. Ich mag keine Suppe, aber jede Menge Salat. Probiere mal den: ein Tüte frisches Sauerkraut und fünf, sechs große Karotten, die du reibst. Dann gib etwas Öl, Salz, Pfeffer, einen Teelöffel Senf, etwas Ahornsirup und einen Becher Kräutercremefraiche, ich nehme die reduzierte Variante. Dann mischst du alles durcheinander und hast ein wunderbares Abendessen.

Und deine zehn? Erzähl doch mal, ich freue mich über jedes singende Fahrrad in der Dunkelheit. Komm, wir machen es uns hell, gerade jetzt und immer trotzdem- „in diesen Zeiten“

13 Gedanken zu “10 Dinge- „in diesen Zeiten“

  1. Oh danke für deine schönen 10, gerade heute brauche ich sie so sehr. Mein Kita Kind hat gestern gehustet und darf(soll) nun (schon) wieder zu Hause bleiben.
    – Bücher rund um Weihnachten
    -Märchenzeit im Fernsehen
    – Lichter in Fenstern und hier die Krippenszene in der Hirte und Tiere schon da sind und die anderen auf unterschiedlichen Wegen auf unserem Regal
    – Plätzchen backen und Lebkuchen essen
    – Räucherkerzenduft und Adventskalender
    – Sterne basteln
    – Weihnachtskarten schreiben
    – Heimlichkeiten und wunderschöne Geschenke, die per Post hier eintrudeln
    – nähen lernen
    – Tagebuch schreiben und nochmal übers Jahr lesen sowie am 31.12. den Jahresbrief öffnen
    und 11: die leuchtenden Augen meiner Tochter.

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  2. Dein Krimi dinner Nachtisch mit Himbeeren und Spekulatius, der sieht aus, als könnte er mein neuer Lieblingsnachtisch werden. 🙂 Verrätst du das Rezept?
    Ganz liebe Grüße, Julia

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    1. Liebe Julia, hier kommt dein neuer Lieblingsnachttisch, simpel und schnell. Auflaufform plus unser aller Lieblingsspekulatius plus einer Masse aus 2 Mascarpone, 500g Magerquark und einem viertel Sahne schön zusammen aufgeschlagen und etwas gesüßt. plus eine Packung unaufgetaute Tiefkühlhimbeeren . Das schichtest du abwechselnd in deine Auflaufform und bestreust die Himbeerschicht mit ordentlich braunem Zucker. Warte ein wenig und fertig ist der Traum, der aber nicht für Kalorienfuchser ist….lass es dir gut gehen

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      1. So, heute ausprobiert und für absolut tauglich befunden! Super lecker! Nochmal vielen Dank! Herzliche Grüße und allen morgen einen gesegneten Start in die neue Woche, Julia

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  3. Mal schauen, ob ich 10 schaffe…
    Lichterketten
    selbstgemachte gebrannte Mandeln – das zweite Rezept war super. Hat gefühlt ewig gedauert, aber super lecker
    Unser Fotoadventskalender, unser Jahresrückblick, den wir mit der ganzen Großfamilie teilen. Das fühlt sich so verbindend an
    Gute und tiefe Gespräche
    An der Nähmaschine sitzen, Geschenke nähen, Hosen nähen…
    „Feiert Jesus Weihnachten Kids“ hören – ich mache sie mir sogar an, wenn die Kinder im Kindergarten sind… „Wir freun uns so, wir freun uns so, wir freun uns so auf dich!“
    Große Schneeflocken anschauen… die gab es vor ein paar Tagen und das war so toll!
    (Gebets-) Kerzen (Hope, Health, Adventskranz) anzünden
    Häkeln
    Kuschelzeiten
    Kitschige amerikanische Filme
    … jetzt wurden es sogar mehr als zehn… die letzten drei sind nur so geblubbert…
    Es tut gut, den Blick auf Gutes zu wenden.

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  4. Liebe Sandra, ich will dir an dieser Stelle danke sagen für deinen blog und die wunderbaren Einträge. Ich bin jedesmal berührt, ein bisschen verzaubert von deinen Worten und Formulierungen und gehe wieder in meinen Alltag zurück mit einem Lächeln im Gesicht und Hoffnung im Herzen. Von Herzen danke.
    Darf ich ich fragen was für eine Krimidinnerstory ihr gespielt habt und wieviele Personen mitspielen können?
    Sei gesegnet und lieb gegrüsst aus der Schweiz, Damaris

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    1. Liebe Damaris, wir hatten eines aus dem cocolino-spieleverlag für elf bis sechzehn Personen. Für die kleineren Kinder haben wir uns einfach Rollen dazu gedacht (Nichte aus Amerika, Leibwächter etc) Du kannst dort auch welche für weniger Personen kaufen, es geht sehr unkompliziert. Liebe Grüße und eine segensreiche Zeit

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      1. Danke von Herzen. Deine Idee kam so was von rechtzeitig und jetzt haben mein Mann und ich das Krimidinner für Samstagabend schon vorbereitet und freuen uns wie kleine Kinder. Segensgrüsse und viel Freude zurück.

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  5. Hallo Sandra, was ist denn das für ein toller Bücherturm? Habt Ihr den selbst gebaut? Ich gehe mal davon aus, dass die Bücher nicht von alleine stehen 😉
    Ich liebe Deinen Blog so! LG Chrisi

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