In diesem Jahr wollte ich es richtig machen und deshalb habe ich in diesem Jahr auch die richtigen Kerzen für den Adventskranz gekauft. Dick und rot, wie ich es mag, biologisch, ökologisch und umweltfreundlich, weil das die Erde mag. Die Biokerzen sind wohl aus alten Autoreifen hergestellt oder sonst irgendeinem Rohstoff, der dringend recycelt werden muss. Einer hat zu fest gepustet, das Ökokerzenwachs spritzte und im Unterschied zu normalen Wachs drangen die Folgen umgehend in den Parkettboden ein. Jetzt haben wir eine bleibende Erinnerung, da half weder Soda noch Backpulver.

In diesem Jahr achte ich noch mehr auf gesunde Ernährung und kippe quasi überall gesundes Kurkuma dran. Mein kleines scharfes Schwert gegen Viren und Entzündungen aller Arten. Ich schütte es auch an den Haferbrei mit geriebenem Apfel, den ich jeden Morgen frühstücke. Zusammen mit dem Zimt ist es eine ganz hübsche Farbkombi. Du findest sie ebenfalls auf unserem Parkettboden, denn letzte Woche habe ich versehentlich die Schale fallen lassen und ich sag‘ s mal so: Bio-Wachs und Kurkumabrei geben sich in ihrer angriffslustigen Bösartigkeit rein gar nichts.

In diesem Jahr ist das Handballtraining für die nächsten Wochen abgesagt. Deshalb müssen Buben jetzt dringend zu Hause Handball spielen. Sie haben getroffen. Nur halt kein Tor, sondern die alten Fayencen, deren Fliesen meine Schwiegermutter vor dreihundert Jahren einzeln aufgeklebt hatte.

In diesem Jahr haben wir am Abend des fünften Dezembers das Wohnzimmer absolut hundesicher gemacht, denn unsere Cara sollte ruhig schlafen und gefüllte Nikolausstiefel sollte ruhig vor den Zimmertüren stehen dürfen. In diesem Jahr saßen der Gatte und ich am Abend des sechsten Dezembers in der Winterkälte auf einer Bank vor der Tierarztpraxis und hielten dem speienden Hund den Kopf über den Eimer. Es war ein Bild des Jammers und des Elends. Die Tierärztin, die die Kotzspritze verabreicht hatte, tröstete uns freundlich. Heute ist Nikolaus, da sind sie längst nicht die einzigen. Ein Kind hatte trotz aller Ermahnungen und Warnungen die Zimmertüre nur angelehnt. Das Trüffelschwein im Labradorkostüm und immenser krimineller Energie fand den üppig bestückten Nikolausteller auf dem Schreibtisch und fraß ihn komplett auf. Dominosteine, Lebkuchenherzen und Schokokugeln samt Zelofanpapier, alles weg. Wirklich zum Kotzen und auch zum Heulen. Das Kind bangte um den Hund. Als wir wohlbehalten wieder zu Hause und um einiges Geld erleichtert waren und das überraschend schnell genesene Mistvieh auf die Suche nach Fressen ging, hielten wir einen geharnischten Vortrag an alle Familienmitglieder, was es bedeutet, die Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen. Danach war gut. Worüber keiner ein einziges Wort verlor: da stand ein Kind, und hatte nicht ein winziges Fitzelchen Nikolausschokolade mehr. Es sagte nichts, aber ich wusste…und dann war ich kurzzeitig ernsthaft in Versuchung, den Teller einfach wieder aufzufüllen. Und dann ließ ich es, so schwer es mir auch fiel. Es wäre falsch gewesen.

Gestern Morgen stand in aller Frühe ein tief bewegtes Kind vor mir. In den Händen einen gut gefüllten Nikolausteller mit einem Zettel obenauf. „Für dich, weil die Cara deine Schokolade aufgefressen hat. Lass es dir schmecken!“. Geschwister.

In diesem Jahr habe ich ein kleines Nikolauswunder gesehen. Es hat mich tief bewegt, ach was solls, ich habe Rotz und Wasser geheult. Wenn Geschwister ohne Aufforderung und große Worte ihre Schokolade teilen, weil sie die Herzensnot spürten, dann haben sie schon sehr viel verstanden. Das ist mein großer Herzenswunsch. Das wir einander sehen, aufeinander achten und füreinander sorgen, auch wenn wir dafür etwas abgeben müssen.

In diesem Jahr ist der Advent, was er immer ist. Chaotisch und anstrengend, herausfordernd und manchmal ein wenig irre. Es ist der Weg zum Stall, nicht zum Palast. Verschwende also bitte keinen Gedanken an „hätte“, „müsste“, „sollte“, wenn es immer wieder rumpelt, wenn es schief läuft, wenn du stolperst und fluchst und dich wieder hochrappeln musst. Aber halte die Augen auf: du bekommst vielleicht ein Wunder geschenkt.

7 Gedanken zu “Little Reminder

  1. Jetzt habe ich gerade ein Tränchen verdrückt. Tolle Kinder hast du. Und, es dauert ein paar Jahre, aber irgendwann bleichen auch rote Wachsflecken aus, auf unserem Esstisch sind sie mittlerweile wieder verschwunden 😅. Liebe Grüße

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  2. Es ist der Weg zum Stall nicht zum Palast.Verschwende also bitte keinenGedanken an hätte, müsste, sollte…. Danke, danke, danke. Für‘s Augen öffnen. In diesem Advent ist nämlich bisher noch nichts wie es hätte sein sollen🙈😃

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