Frohe Weihnachten! Wie gerne hätte ich Dir schon vor den eigentlichen Festtagen gute Wünsche zugerufen, aber du weißt ja wie es ist. Manchmal kommt Weihnachten dann doch sehr plötzlich und überraschend um die Ecke gebogen und ich war in diesem Jahr gelinde überfordert mit all den tausend Kleinigkeiten, die es noch zu besorgen und zu erledigen galt. Macht nichts, denn Weihnachten wurde es auch dieses Mal einfach trotzdem und ich schicke dir meine guten Wünsche mitten hinein in diese besondere Zeit zwischen den Jahren.

Ganz gleich, ob du diese Tage nun Rauhnächte nennst, oder schlicht „zwischen den Jahren“, so sind sie eben genau das: eine ganz besondere Zeit. Es ist die Zeit, in der die Stunden und Tage zu verschwimmen scheinen, wo man immer erst überlegen muss, welcher Wochentag eigentlich gerade ist, ein gefühlter Stillstand des Lebens, zumindest aber eine wohltuende Verlangsamung. Wenn du ein Baby bekommst, dann passiert für einige Stunden genau das- die Welt scheint für eine Weile stillzustehen, den Atem anzuhalten, aus dem Gefüge der Zeit herauszufallen, ob der Besonderheit des Augenblicks. Womöglich ist die Zeit zwischen den Jahren der Nachhall dieser einen Geburt im Stall, die so bedeutungsvoll war, dass die Welt bis heute jedes Jahr ein Weilchen den Atem anhält, das Tempo verlangsamt, das himmlische Schauern verspürt und die eigentliche Unfassbarkeit des Wunders.

Sie ist ein großes Geschenk, diese Zeit, eine Einladung zum Innehalten und Neuausrichten und, wie es manchmal so ist mit Geschenken, gar nicht so leicht anzunehmen. Heute Morgen habe ich meinen Kalender zur Hand genommen und an der Stelle aufgeschlagen, wo ich vor einem Jahr meine Wünsche und Ziele für das vor mir liegende Jahr 2021 aufgeschrieben hatte. Ich bin kalendertechnisch ja schrecklich altmodisch, und hüte diese riesigen Bücher wie einen Schatz. Ich betrachtete die lange Liste und machte Haken hinter die Punkte, die ich erreichen durfte, was für ein Glück! Manche Punkte strich ich beherzt durch. Nicht erreicht, nicht mehr erstrebenswert, getrost und ohne Kummer auf den St Nimmerleinstag verschoben. Hinter einige schrieb ich: „auf dem Weg“ oder „ich übe noch“. Einige blieben über, die waren unerreicht geblieben, nicht umsetzbar oder unmöglich, aus den verschiedensten Gründen. Sie lösen Sehnsucht aus und ein wenig Bedauern. Ich werde sie behalten und einfach in den niegelnagelneuen Kalender übernehmen, mit hinein in das kommende Jahr. Auf diese Weise nehme ich Abschied, von Gelungenem und Überholtem, von Liegengebliebenem und Unerfülltem. Die Dichterin Lilli Gebhard lädt dazu ein, diesen Dingen, Ereignissen und Menschen einen kleinen Abschiedsbrief zu schreiben. Es kann schmerzen loszulassen, es kann aber auch frei machen und neue Räume eröffnen, womöglich alles zusammen.

Wenn du sortiert und losgelassen hast, kannst du erwartungsvoll deinen Blick nach vorne richten. Pläne schmieden, Wünsche notieren, Ziele ausmachen. Ich meine damit nicht solche Albernheiten, wie die Jahresanfangsdiät oder die Zwangsoptimierung deiner Persönlichkeit, komm ehrlich, dafür sind wir zu klug und zu alt. Ich meine hemmungsloses Träumen, das Nachspüren deiner Sehnsüchte, das beherzte Schmieden von Plänen. Vielleicht denkst du zaghaft: „Wer weiß schon, was kommen mag. Was, wenn es nichts wird, schon wieder? Was, wenn ich scheitere?“ Na, kein Mensch weiß, was kommen wird! Manches wird mit Sicherheit nichts werden und hin und wieder wirst du grandios scheitern. Aber es wird auch Gutes kommen, manches darf werden und vieles wirst du genauso grandios meistern. Mittlerweile glaube ich, dass es wirklich wichtig ist im Gespräch mit der eigenen Seele und der eigenen Sehnsucht zu bleiben. Jetzt ist die Zeit um einmal nachzuschauen, was weg kann, was bleiben darf und was kommen soll. Nächstes Jahr um die Zeit, weißt du mehr. Da kannst du dann wieder neu sortieren, neu träumen und neu planen. Schreib sie auf, deine Wünsche und Pläne, die kleinen und die großen, damit du sie nicht aus dem Blick verlierst, wenn das Leben wieder Fahrt aufnimmt.

Seit über fünfzehn Jahren singe ich jeden Abend „Von guten Mächten“ als Schlaflied für meine Kinder (nicht alle Strophen, Gott bewahre). Letztes Jahr stand der Refrain auf dem letzten Kalenderblatt meines Adventskalenders, wunderschön geschrieben. Ich ließ ihn hängen, das ganze schwierige, turbulente, schöne, irre, zauberhafte Jahr über und las es jeden Tag. Immer wieder fiel mein Blick darauf. An manchen Sätzen, Zeilen und Worten kannst du dich festhalten, wie an einem Rettungsanker. Zum 1. Dezember hing ich dann den neuen Adventskalender über den alten. Und bekam liebe Weihnachtspost von einer Seelenfreundin. Schwups, da war er wieder. Sie hatte den „Von guten Mächten“-Text hineingeklebt. Dieses Jahr sind mir diese Worte nicht einen Tag von der Seite und aus den Augen gewichen.

Das ist es, was ich dir zurufen möchte, mitten hinein in diese besondere Zeit. Frohe Weihnachten! Ich wünsche dir Träume und Pläne und Sehnsüchte zum nachspüren und hoffen. Ich wünsche dir den Mut und die Kraft das Alte loszulassen, ohne Hadern, nur mit Wehmut und Dankbarkeit. Ich wünsche dir gute Gespräche mit deinem Herzen und denen, die deinen Herzensmenschen sind. Ich wünsche dir eine Seelenfreundin, die dir das rechte Wort zur rechten Zeit schenkt. Ich wünsche dir Sätze und Zeilen und Worte, die dir Rettungsanker werden, wenn du dringend einen brauchst. Ich wünsche dir allen Segen für das neue Jahr, und dass du die Hand, die dich hält, immer spüren mögest.

Danke, dass du mich auch in diesem Jahr immer wieder in diesem Blogeckchen besucht hast. Das bedeutet mir so viel und ich bin froh, dass wir einfach daran festhalten, auch wenn es mittlerweile so altmodisch wie meine Kalenderbücher ist.

Am 14. Januar erscheint mein Buch. Pünktlich zum heiligen Abend bekam ich eine große Kiste davon vom Verlag zugeschickt. Ich habe mich gefreut, wie eine Schneekönigin, das kannst du aber mal glauben. Wenn du möchtest und Lust darauf hast, kannst du es direkt bei mir vorbestellen, es kostet 17,99 Euro. Dann bekommst du es mit einer Widmung geschickt. Schreib mir einfach unter s.geissler@gmx.de.

Hab es fein in diesen Tagen! Bis zum nächsten Jahr!

Ein Gedanke zu “Auf ein Wort

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