Als ich vor mittlerweile ganz schön vielen Jahren dieses kleine Blogeckchen bezog, hatte ich sehr wenig Ahnung vom Internet, aber sehr viel Ahnung von Müdigkeit, Überforderung und der Unendlichkeit dunkler Februarnachmittage mit Dauerregen und schlecht gelaunten Kleinkindern. Unsere Familiensituation glich eher einem Bootcamp für Überlebenskämpfer als einem Ponyhof mit Barfußpad entlang der blühenden Sommerwiese. Müdigkeit in und an Leib und Seele ist ein gefräßiges Ungeheuer. Nimmersatt verschlingt sie Geduld und gute Laune, garniert Tortenstücke von Leichtigkeit und Entspanntheit mit den letzten verbliebenen Nervensträngen und wenn gar nichts mehr da ist, dann futtert sie sich mit Schlaf den Wanst voll. Da liegst du dann in deinem Bett, erdrückt von der fettgewordenen Müdigkeit und sie hat dir sogar den Schlaf weggefressen. Ja, so war das damals und es war nicht einfach. Falls du gerade in einem solchen Abschnitt des Familienlebens feststeckst, dann möchte ich dir gerne zurufen: Hammer, unglaublich, was du da wuppst! Bitte vergiss nicht zu atmen und dich selbst ein wenig zu bemuttern, egal wieviel Chaos um dich herum tobt. Es wird auch wieder leichtere Tage geben. Vielleicht nicht morgen oder übermorgen, aber irgendwann schon.

Vor all diesen Jahren mitten im aller feinsten Survivalcamp stieß ich durch Zufall auf den ein oder anderen Blog und fand Trost und Hilfe in den ehrlichen Erzählungen und Momentaufnahmen anderer Schreiberinnen, die sie in ihren Eckchen teilten. Es begann mir in den Fingern zu kribbeln und dann legte ich, heimlich, still und leise, einfach los. ich dachte wirklich, dass mich niemals jemand lesen oder entdecken würde, da ja niemand wusste, dass ich da bin, du siehst- ich hatte wirklich wenig Ahnung vom Prinzip Internet. Das Schreiben war ein inneres Zurücktreten aus dem Alltagsirrsinn, ein Sortieren der Gedanken und Gefühle, eine Möglichkeit, die Schönheit und das Wunderbare dieses Wahnsinns zu erkennen und nicht länger an den Perlen und Kostbarkeiten eines gewöhnlichen Dienstags vorbeizurennen. Ich hatte meine Strategie gefunden.

Zwei, drei Monate später stand ich in einem schwedischen Ferienhaus und starrte auf mein Handy (völlig irre dieses Haus, der Vermieter war ein pensionierter Elektriker mit Sammelleidenschaft, wir mussten erste unzählige Riesenfernseher, Kleiderständer, Kisten und Kästen in ein nicht benötigtes Zimmer schaffen, um überhaupt schlafen zu können und die Kinder wurden wegen des nahezu nicht existenten Badezimmers mit dem Schlauch im Garten abgespritzt oder gleich in den See geworfen- ach, es war herrlich) Ich starrte also auf mein Handy und las den allerersten Kommentar. Antschana. Wer um alles in der Welt war Antschana? Wie hatte sie mich gefunden? Warum? Ich werde diesen Moment nie vergessen. Wenige Jahre später würde ich bei Antschana in der Küche sitzen, sie würde mir Kaffee hinstellen und ihr Mann hätte leckersten Kuchen gebacken. Um uns herum unzählige Kinder, denn sie hat selbst ein ganzes Haus davon und es trotzdem für alle 7geisslein weit aufgemacht. Und ich würde ihr erzählen, wie seltsam es war, als ich zum ersten Mal ihren Namen las und was für ein Gottesgeschenk, dass ausgerechnet sie es war, die mich gefunden hatte und nicht ein irre Stalkerin mit Hang zum Axtmord.

Ich erkannte, dass das Blogeckchen kein abgeschlossenes Kämmerchen war. Es wurde zu einem kleinen Ort im Alltagsgewühl, an dem Menschen vorbeikommen, die sich für einen Moment ausruhen wollen. Die haargenau wie ich versuchen die Fülle des Lebens zu genießen, aber eben auch zu bewältigen. Die Grenzen haben und Traurigkeiten, die lieben und lachen und leiden. Menschen, die daran glauben, dass einer die Hand über uns hält und unter uns, damit wir nicht herausfallen aus diesem Leben. Es wurde nie einer der großen lärmenden Marktplätze voller bunter Waren und Angebote, wo sich die Menschen drängeln und die Stimmen, die man jetzt unbedingt gehört haben muss. Es stapeln sich weder it-pieces noch it-girls, du findest noch nicht mal ein it- Getränk, aufgeschäumt mit Hafermilch und Muster und den Siebträger obenauf. Es ist einfach nur ein Eckchen zum Ankommen, Durchschnaufen, Geschichten und Leben teilen. Und doch hat es mir schon so viele wunderbare Begegnungen geschenkt, habe ich manche Freundin fürs Leben gefunden und gibt es kaum etwas tröstlicheres als das Wissen, dass wir nicht alleine sind. Mehr braucht es nicht, wie schön, dass auch du da bist. Aus etwas Schwierigem wurde etwas Kostbares. Ich weiß, dass das keine Gesetzmäßigkeit ist und Mist manchmal einfach nur Mist bleibt. Es ist ein Geschenk und ich teile es gerne.

So, warum erzähle ich dir das alles? Weil ich nicht müde werde für das Teilen von Geschichten und Momenten und des Lebens einzutreten. Weil wir einander Anteil schenken sollten, ganz gleich, ob du dich auf dem Marktplatz oder in einem Eckchen wohler fühlst. Weil jede müde Mutter, jede Frau, jeder Mann, jedes Kind wissen sollte, dass der Mensch nicht als Einzelkämpfer gedacht ist, dass wir einander zunicken und zuwinken dürfen, und sei es nur im Geiste. Und weil ich dich einladen möchte.

Zwei Eckchen haben sich zusammengetan und sich etwas Neues ausgedacht: einen Podcast, in dem es genau darum geht: um das Teilen von Gedanken, Geschichten, Fragen und Zweifeln, um das, was uns gerade umtreibt als Mütter, als Frauen, als Menschen, als Wissende und Ahnungslose. Zusammen mit Daniela Albert von http://eltern-familie.de findest du mich jetzt bei „Schnack mit hug- die kleine Plauderei mit Herz“. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns zukünftig nicht nur lesen, sondern auch hören. Hier findest du die erste Folge: https://eltern-familie.de/2022/03/27/von-glucken-und-loewen/- oder beim Podcastanbieter deines Vertrauens.

So, und gelost habe ich natürlich auch noch, ganz altmodisch mit Zettelchen im Marmeladenglas. Ich benachrichtige die Gewinnerinnen direkt unter ihrem Kommentar der letzten Woche. Herzlichen Glückwunsch und viel Freude! Vielen Dank für all die netten Lebenszeichen!

Falls du Lust hast, mein Buch „Dieses kleine Stück Himmel- mit allen Sinnen Familie leben“ zu gewinnen, dann besuche doch Antschana, hihi, ja genau die, auf ihrem Blog http://mamaabba.de. Sie verlost es diese Woche und ein Interview mit mir findest du dort außerdem. Und falls dir der Gedanke gefallen sollte, dir mein Buch einfach selbst zu schenken oder es an Ostern zu verschenken, als dickes, buntes, mutmachendes Osterei für Familien, dann darfst du mir gerne schreiben (s.geissler@gmx.de). Ich schicke es mit Widmung und rosa Seidenpapier, aber leider nicht in die Schweiz (jetzt mal ehrlich, ihr SchweizerInnen solltet dringend einen Volksentscheid über absurde Portoforderungen einbringen!)

2 Gedanken zu “Das Große im Kleinen

  1. Wie schön im Nachhinein, dass du so verzweifelt warst, um einen Blog zu starten! Und so wunderschön, was alles daraus geworden ist! Dieses Eckchen gehört zu meinen Lieblingsplätzchen. Danke dafür!

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  2. What a nice blog. I recognize it. The blogging, how you started.

    I found your blog through Instagram. You have a nice own blogging voice. And yes, I can buy your book via Amazon. I will give the podcast a try. Now I’m glad I got 4 years of German at school. Enough to understand and read it all. Not enough to write, though.

    Mit freundlichen Grüßen aus den Niederlanden.
    https://kostbaar.blogspot.com/

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