Dieser Tage habe ich die Sprachnachricht einer lieben Freundin angehört, die vieles auf dem Herzen hatte und vieles davon wog schwer. Das Viele drehte sich in erster Linie darum, dass auch Menschen im Teenageralter einander ohne Mühe das Leben zur Hölle machen können. Jetzt gelingt das ja Menschen jeden Alters mit erstaunlicher Leichtigkeit, aber im Teenageralter kommt ein interessanter Aspekt dazu. Wie sehr mischen Eltern sich ein? Nicht nur in akute Konfliktsituationen sondern auch in das Leben eines dreizehn, fünfzehn oder siebzehnjährigen Menschen? Fallen Pausenbrote für Siebtklässler schon in den Bereich gluckenhafter Übergriffigkeit? Ich rede jetzt nicht davon, den Damen und Herren nach dem Bade noch die Füße zu föhnen (vielmehr freust du dich still und leise, wenn sie einmal pro Woche von sich aus Kontakt mit Seife suchen). Aber darf und muss ich mich weiter zuständig fühlen, wenn es um Freizeitgestaltung, Medienkonsum und zwischenmenschlichem Verhalten zu Hause und anderswo geht? Ist ja immerhin mein Kind, äh Teenie, also Nachwuchs?! Die Freundin meint „Ja!“ und staunt, wie viele andere Eltern meinen „Nein!“

Die Sprachnachricht endete mit der Aufforderung: „Darüber könntest du mal einen Blogbeitrag schreiben!“ und seither denke ich darüber nach, schließlich habe ich selbst Teenager im Haus.

Eine andere Nachricht, die mich diese Woche erreichte, beschäftigte sich mit meinem Buch. Sehr nett, sehr differenziert und wohlwollend. Darüber habe ich mich natürlich gefreut. Sie wird viel mitnehmen können aus diesem Buch, so schrieb die Absenderin, auch wenn ihre Familiensituation eine ganz andere sei. Ihre Ehe habe nämlich nicht funktioniert und beruflich ist sie stark eingespannt und oft unterwegs. Mir wurde ganz mulmig. Nicht mal für eine Sekunde möchte ich nämlich den Eindruck erwecken, dass es nur eine richtige Art und Weise des Familienlebens gibt. Ich kann aber nur von meinem erzählen, ein anderes habe ich nicht. Wegen des glücklichen Umstandes den gut zu mir passenden Gatten an meiner Seite zu haben, darf ich mir ungefähr genauso auf die Schulter klopfen, wie für den Umstand in einem westlichen Industrieland geboren worden zu sein- es erleichtert vieles, ist aber völlig unverdient. Ich bin selbst nicht ansatzweise so aufgewachsen, wie meine Kinder es tun- darüber nicht zu schreiben ist meine persönliche Entscheidung zum Schutz anderer Menschen. Aber eines weiß ich sicher und aus eigener Erfahrung: Die „Idealfamilie“ gibt es nicht und es wäre äußerst anmaßend, sie zu postulieren. Ich durfte die Absenderin übrigens kurz persönlich kennenlernen- eine umwerfende Frau, herzlich, kreativ und voller Leben. Seither denke ich darüber nach, über Idealbilder, selbstgemachte, ererbte und übernommene, schließlich ist es ein wichtiges Thema.

Und schließlich ist letzte Woche unser Hochzeitsbänkchen in die ewigen Wälder zurückgekehrt. Fast siebzehn Jahre lang war sie ein guter Ort, der uns immer wieder erinnerte, was wir uns einst versprochen haben. Erst brach das kleine Mädchen ein, dann brach ein wenig mein Herz. Das kleine Mädchen wiegt 24kg. Ich wiege keine 24kg. Der Gatte auch nicht. Schweren Herzens bestellte ich ein neues Bänkchen und baute es mit Hilfe der Kinder auf. Die Rücklehne des alten dient jetzt als Rankhilfe unterm Rosenbusch. Der Gatte freute sich, schraubte feierlich das verranzte Messingschildchen an die niegelnagelneue Lehne und nun hat alles wieder seine Richtigkeit. Sie ist schön, die neue Bank und man kann bequem auf ihr sitzen, auch wenn man etwas mehr als 24kg wiegt.

Damals wie heute steht da geschrieben: „Ubi caritas et amor ibi deus est“ – „Wo die Liebe und die Güte da ist Gott“ Da steht die Antwort, auf alles, worüber ich diese Woche nachgedacht habe.

Der Liebe ist es völlig egal, ob du drei Monate, drei Jahre, dreizehn oder dreiundvierzig bist, der Güte auch. Du brauchst sie, ganz gleich, wie alt du bist. Zum Wachsen und Gedeihen, zum Atmen und zum Leben, zum Entfalten und zum Sichersein. Sie kosten nichts, du kannst sie nicht bei Amazon bestellen, genauso wenig, wie die Luft zum Atmen, und doch genau so nötig. Liebe und Güte müssen und dürfen wir einander schenken, verschwenderisch und freigiebig. Und wir dürfen des Schenkens nicht müde werden, auch wenn wir immer neue Wege und Ausdrucksformen suchen müssen. Ein Teenager kuschelt vielleicht nicht mehr auf deinem Schoß, hält beim Spaziergang nicht deine Hand und mag sein Essen nicht in Häppchen geschnitten. Aber Reden mag er und Diskutieren und relevant sein, deine Meinung ist wichtig und dein Interesse und große Mengen von gutem Essen. Das ist völlig unabhängig vom Alter, mich machst du damit auch glücklich. Geschaffen als Gemeinschaftswesen endet die Gemeinschaft doch nicht mit der Erlangung eines bestimmten Alters. Sie muss sich nur immer wieder wandeln. Das ist der mühselige Teil, du brauchst vielleicht nicht mehr nachts um drei Fläschchen erhitzen, aber dafür musst du nun um Mitternacht irgendwo mit dem Auto stehen und dich mit hanebüchenden Youtubern auseinandersetzen.

Der Liebe und der Güte ist es völlig egal, ob dein Leben in irgendwelche Idealnormen hineinpasst. Die Fähigkeit und die Notwendigkeit zu lieben und füreinander zu sorgen ist ein Gottesgeschenk und der weiß doch wohl sehr genau, wie verrückt und rumpelig, wie irre und wahnsinnig das Leben hier auf Erden sein kann. Das wir scheitern und an Grenzen kommen, dass nicht jede Beziehung für die Ewigkeit gemacht wurde, wieviel Trauer und Schmerz in ein Menschenleben tropfen kann. Aber auch wie viele Abermillionen unterschiedliche Möglichkeiten es gibt zu lieben und zu leben, füreinander da zu sein. Alles, was es braucht sind offene Herzen, verschwenderisch und großzügig.

Natürlich bin ich nicht naiv, ich weiß sehr genau, wie unendlich schwer das vermeintlich Leichte sein und werden kann. Deshalb steht es bei uns eingraviert auf einem verranzten Messingschildchen. Damit wir es nicht vergessen und immer wieder neu die Liebe suchen gehen, die Liebe und die Güte. Immer und immer und immer wieder. Gleich, wie wir sie dann finden. Damit Gottes Liebe spürbar wird.

Ein Gedanke zu “Alte Weisheit, alte Wahrheit

  1. Liebe Sandra,
    darf ich überhaupt „du“ schreiben? Ich mache es einfach.
    Oh, ich mag deinen Blog mit den vielen guten Gedanken, Sätzen, nachdenklichen und immer wieder mit Gott und dem Glauben. Liebe und Güte, dass möchte ich heute üben und lernen.
    Dazwischen diese sehr schicken Fotos, die immer dazu passen und einfach schön sind.

    Und ich freue mich schon so auf dein Buch- irgendeiner meiner Geburtstagsgäste hat es bestellt (hoffe ich). Der Geburtstag ist schon vorbei aber noch sind nicht alle Geschenke eingetroffen den kranke Kinder und Prüfungslernen machten manche Pläne anders. Aber es wird hier ankommen…(und wenn es wirklich keiner genommen hat, dann bestelle ich es ganz schnell doch für mich selber).
    Liebe Grüße
    Anne

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