{"id":1814,"date":"2017-03-14T10:18:00","date_gmt":"2017-03-14T08:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/7geisslein.com\/?p=1814"},"modified":"2017-03-14T15:00:52","modified_gmt":"2017-03-14T13:00:52","slug":"ich-uebe-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/7geisslein.com\/?p=1814","title":{"rendered":"Ich \u00fcbe noch&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte ich nicht hier sitzen und schreiben. Ich sollte mich durch die \u00dcberreste eines \u00fcbervollen Wochenendes \u00a0 k\u00e4mpfen, Duplosteingebirge abtragen, W\u00e4sche sortieren, Wollm\u00e4usen jagen und einen Wust von Frischgemaltem entsorgen. Die to-Do-Liste ist genauso \u00fcbervoll, wie es das Wochenende war. Stattdessen nehme ich mir die Freiheit und ignoriere das Unordentliche noch ein wenig l\u00e4nger. Weglaufen wird es nicht, da bin ich mir relativ sicher. Und was ist letztlich wichtiger f\u00fcr das Wohlbefinden- ordentliche Kinderzimmerfu\u00dfb\u00f6den oder ein h\u00fcbsch sortiertes Gehirn? Eben&#8230;<\/p>\n<p>Letzte \u00a0Woche h\u00f6rte ich von einem klugen Mann (ausnahmsweise mal nicht der meinige&#8230;), dass er traurige Gedanken faste. Und wie schwer diese Herausforderung f\u00fcr ihn sei. Immer wieder stehe er in der Gefahr, \u00a0nur die dunklen und schwierigen Seiten des Lebens zu sehen und sich den Blick f\u00fcr das Gute und Sch\u00f6ne, f\u00fcr Gelungenes und die Freude verstellen zu lassen. Der kluge Mann ist Priester und damit Tr\u00f6ster von Berufswegen, die traurigen Geschichten bekommt er quasi t\u00e4glich frei Haus geliefert. Bei vier Beerdigungen in der Woche ein frohes Gem\u00fct zu bewahren \u00a0ist schon eine ganz eigene Kunst.<\/p>\n<p>Ich bin kein Priester, verbringe meine Zeit nicht zu wesentlichen Anteilen auf Friedh\u00f6fen und bei Trauergespr\u00e4chen, bin nicht t\u00e4glich mit dem Leid der Menschen konfrontiert. Aber die Gefahr, sich den Blick auf die Sch\u00f6nheit des Lebens durch eine \u00dcbermacht trauriger oder vielmehr sorgenvoller Gedanken rauben zu lassen, kenne ich nur zu gut. Sie kommen und wachsen sich zu einem Riesengebirge aus. Eine wahre Meisterin bin ich mittlerweile im bef\u00fcrchten, sorgen und \u00e4ngstigen. Was das angeht, bin ich sozusagen im Ganzjahresfastenmodus, denn ich \u00fcbe und \u00fcbe und \u00fcbe gleichzeitig dagegen an. Ich werde auch nicht aufh\u00f6ren zu \u00fcben, denn das Leben ist doch einfach zu sch\u00f6n und zu kostbar, um sich die ganze Zeit zu sorgen. Es ist ein Ein\u00fcben in das Loslassen von Sorge und in das Vertrauen in Gott und das Leben. Die Sorgen kommen trotzdem, jeder Tag hat so seine eigenen und die, die ich mir um meine Kinder mache, wiegen am schwersten. Aber wie gro\u00df ich sie wachsen lasse und wieviel Raum ich ihnen verschaffe, liegt zu einem guten Teil an mir selber. Lasse ich sie \u00fcberm\u00e4chtig werden, dann habe ich keine Auge mehr f\u00fcr die Sch\u00e4tze des Alltags und alles wird qu\u00e4lend und m\u00fchselig. \u00a0Ich habe mich auch schon ganz sch\u00f6n oft umsonst gesorgt (relativ h\u00e4ufig sogar, wenn ich es recht bedenke) und dabei auch ganz sch\u00f6n viel \u00fcbersehen, was da an Kostbarkeiten den Tag entlang wuchert.<\/p>\n<p>In diesen Tagen wollen diese Kostbarkeiten nicht mehr \u00fcbersehen werden, sie dr\u00e4ngeln sich in Auge und Ohren, wollen wahrgenommen und gefeiert werden. Warme Sonnenstrahlen im Gesicht. Blauer, klarer Himmel \u00fcber mir, vorwitzige Krokusse und Schneegl\u00f6ckchen im Garten. Der erste Tee drau\u00dfen in meinem Liegestuhl. Kinder, die es nach drau\u00dfen dr\u00e4ngt und die seltsam gen\u00fcgsam werden, wenn sie einfach nur raus d\u00fcrfen. Ein Pl\u00e4tzchen an der Sonne, ein paar Spielkarten, eine Schaufel. Mehr braucht es nicht. An solchen Tagen f\u00e4llt das Sorgenfasten leichter, sie halten sich vornehm an der Peripherie des Tages auf und nur ab und an hebt eine mahnend den Zeigefinger. Und ich tanke auf und atme durch, dankbar f\u00fcr alles, was mich umgibt.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche dem klugen Mann so sehr, dass sein Fasten erfolgreich sein m\u00f6ge, denn es w\u00e4re doch zu schade, um all die guten und warmen Gedanken, die einen Tag auch f\u00fcllen sollten. Und es scheint mir um so vieles sinnvoller und sinnstiftender, als der Verzicht auf Schokolade. Durch Zufall bin ich in unserem B\u00fccherregal \u00fcber ein kleines B\u00fcchlein gestolpert, &#8222;Im Meer schwimmen Krokodile&#8220; von Fabio Geda (wie lang steht es da schon rum und warum habe ich es nie gelesen?). Die wahre Geschichte eines kleinen Jungen, allein auf der langen Flucht und Odysee von Afghanistan nach Europa. V\u00f6llig unpathetisch erz\u00e4hlt, ohne jede Lust am Grauen, gerade deshalb so bewegend. Und auf jeder Seite schimmert etwas durch, von der Sch\u00f6nheit des Lebens, trotz \u00fcbelster Umst\u00e4nde. Es best\u00e4rkt mich ungemein darin, weiterzu\u00fcben, jeden Tag auf ein Neues. \u00c4ngste und Sorgen d\u00fcrfen nicht die Bestimmer sein. Vielleicht wird es ein lebenslanges Fastenthema. Denn dieses Ein\u00fcben ist gleichzeitig der N\u00e4hrboden f\u00fcr Dankbarkeit und Zufriedenheit.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1812\" src=\"http:\/\/7geisslein.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/image3.jpg\" alt=\"image\" width=\"2448\" height=\"3264\" \/>Na gut, dieses Spiel passt jetzt nicht ganz zum Thema, aber wirklich- es ist so lustig. Wenn ihr etwas wirklich lustiges spielen wollt, dann Bittesch\u00f6n. Latrinenbesitzerin im Alten Rom, das wollte ich schon immer mal sein.<\/p>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\"><div class=\"robots-nocontent sd-block sd-social sd-social-official sd-sharing\"><h3 class=\"sd-title\">Teilen mit:<\/h3><div class=\"sd-content\"><ul><li class=\"share-twitter\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/7geisslein.com\/?p=1814\" data-text=\"Ich \u00fcbe noch...\"  >Tweet<\/a><\/li><li class=\"share-facebook\"><div class=\"fb-share-button\" data-href=\"https:\/\/7geisslein.com\/?p=1814\" data-layout=\"button_count\"><\/div><\/li><li class=\"share-jetpack-whatsapp\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-jetpack-whatsapp sd-button\" href=\"https:\/\/7geisslein.com\/?p=1814&amp;share=jetpack-whatsapp\" target=\"_blank\" title=\"Klicken, um auf WhatsApp zu teilen\" ><span>WhatsApp<\/span><\/a><\/li><li><a href=\"#\" class=\"sharing-anchor sd-button share-more\"><span>Mehr<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><div class=\"sharing-hidden\"><div class=\"inner\" style=\"display: none;width:150px;\"><ul style=\"background-image:none;\"><li class=\"share-pinterest\"><div class=\"pinterest_button\"><a href=\"https:\/\/www.pinterest.com\/pin\/create\/button\/?url=https%3A%2F%2F7geisslein.com%2F%3Fp%3D1814&#038;media=http%3A%2F%2F7geisslein.com%2Fwp-content%2Fuploads%2F2017%2F03%2Fimage3.jpg&#038;description=Ich%20%C3%BCbe%20noch...\" data-pin-do=\"buttonPin\" data-pin-config=\"beside\"><img src=\"\/\/assets.pinterest.com\/images\/pidgets\/pinit_fg_en_rect_gray_20.png\" \/><\/a><\/div><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte ich nicht hier sitzen und schreiben. 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