Listen

Dinge, die im Advent unbedingt getan werden müssen:

  • Plätzchen backen- himmlisch, wie das duftet. Und viele gefüllte Dosen erfüllen die alte Krämerseele mit Glück. Wann willst du Plätzchen essen, wenn nicht jetzt?
  • Plätzchen backen mit Kindern und dabei zauberhafte, kindgerechte Adventsmusik hören („In der Weihnachtsbäckerei“ darf auf gar keinen Fall fehlen). Wenn es nicht klebt, war es nicht richtig. Farbenfrohe Plätzchendeko gehört dazu und darf röhrchenweise auch pur verzehrt werden. Das ist Familienleben at ist best.
  • Liebevoll Adventskalender befüllen und dabei auf ein ausgewogenes Verhältnis von Zucker und Zeit-Geschenken achten. Sich morgens um sechs über Kinderjubel freuen und denken: „Einmal alles richtig gemacht!“
  • alle vorhandenen Weihnachtsbücher lesen, gerne bei Tee, Gebäck und Kerzenschein. Kuschelstunden sind die schönsten Stunden.
  • Schokolierte Weihnachtsmandeln naschen- die gibt es ja nur jetzt
  • Weihnachtsgeschenke überlegen- vorausschauend, nachhaltig, liebevoll
  • Weihnachtsgeschenke für alle Verwandten und Bekannten selbst herstellen- wir schenken nämlich immer unser Herz mit. Nur so macht Schenken Sinn.
  • Weihnachtsgeschenke für Verwandte mit Kindern basteln. Gemeinsame Bastelnachmittage sind reines Kindheitsgold. Gerne mit Tee und Gebäck
  • Weihnachtskarten schreiben und dann auch abschicken
  • einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt besuchen und die Atmosphäre genießen
  • Weihnachtsfeiern besuchen, allen Beteiligten für das vergangene Jahr danken und ihren Einsatz würdigen. Gerne mit Tee und Gebäck
  • Mal fünfe gerade sein lassen und die Schule nicht so ernst nehmen. Ist ja nur einmal im Jahr Advent.
  • jetzt ist die Zeit, um endlich herauszufinden, welche Glühweinsorte du wirklich magst
  • gemeinsam Adventslieder singen (gerne mit…)

Dinge, die im Advent unbedingt vermieden werden müssen:

  • Plätzchen backen. Stundenlanges Stehen in der Küche, um Unmengen an Zucker und Fett zu verarbeiten, verdirbt auch den ausgeglichensten Gemütern die gute Laune. Wer soll die bitteschön alle essen??
  • Plätzchen backen mit Kindern. Überall kleben Teigreste, alle Schränke sind mit Puderzucker paniert, schokolierte Handabdrücke an den Scheiben, fiese, bunte  Deko hängt in wirklich jeder Ritze und spätestens nach zwei Stunden möchtest du Rolf Zucchowski mit einem großen Klumpen Mürbeteig den Mund stopfen
  • Selber Adventskalender befüllen und dabei jede Nacht mit einer Taschenlampe bewaffnet durchs Haus zu schleichen, als wäre man ein gemeiner Dieb. Liebevolle Zeit- Geschenke kosten vor allem eines: Zeit
  • wirklich alle Weihnachtsbücher vorzulesen ist ein unrealistisches Ziel. Unrealistische Ziele sind ungesund
  • Schokolierte Weihnachtsmandeln. Sie sind eindeutig Teufelszeug. Süchtig machendes Teufelszeug.
  • Weihnachtsgeschenke selber machen. Die Zeit läuft. Ständig verschwinden Nadeln und Anleitungen. Was ist, wenn ich nicht fertig werde? Was ist, wenn ich es verhunze?? Sind Geschenke überhaupt noch zeitgemäß?
  • Bastelnachmittage mit Kindern, egal zu welchem Zweck. Hinterher musst du deine Nerven unter all den Papierschnitzeln, Betonspuren und Glitzerkleberpfützen mühselig wieder zusammensuchen, dich für dein ungeduldiges und ungebührliches Verhalten bei deinen Kindern entschuldigen und deinem Mann gegenüber die exorbitanten Kosten für Bastelmaterialien rechtfertigen, während er das zweifelhafte Endprodukt bewundert.
  • Plätzchen und Gebäck. Führt nur zu Frustrationsgefühlen gegenüber der eigenen Kehrseite.
  • Weihnachtsfeiern aller Arten, aber vor allem die, die in geschlossenen Räumen stattfinden. Zu viele Menschen, zu viel Zucker und schon wieder Plätzchen…Könnten wir nicht auch im März „Danke!“ sagen?!
  • mal fünfe gerade sein lassen und die Schule nicht so ernst nehmen. Es wird sich rächen. Bitterlich. An einem finsteren, dunklen Januartag wirst du aus dem Hinterhalt von fünfhundert rachsüchtigen Lateinvokabeln erschlagen. Garantiert. Außerdem scheint es ein Gesetz zu geben, dass alle wichtigen Arbeiten unbedingt in der Vorweihnachtszeit geschrieben werden müssen.
  • Stimmungsvolle Weihnachtsmärkte. Weihnachtsmärkte sind nur stimmungsvoll, wenn es dunkel ist. Das denken aber Trilliarden anderer Menschen auch. Du wirst die Kinder nie wieder finden…
  • Glühwein. Du weißt doch schon längst, welche Sorte du magst. Und welche Kopfschmerztabletten dann helfen.
  • Adventslieder sollte man singen. Jede Menge. Vorausgesetzt irgendwo liegen die Texte. Sonst gibt es spätestens bei der zweiten Strophe Zank…und Besserwisserei. Den Text dann zu Googlen tötetet jede adventliche Stimmung zuverlässig.

 

Doch wirklich, ich liebe Listen. Sie sind nützlich und hilfreich, du vergisst nichts und kannst dich fokussieren. Du musst natürlich nur wahnsinnig aufpassen, dass du je nach Tageszeit und -form, die jeweils passende zur Hand hast. Dann kann nichts mehr schiefgehen, auch nicht mit dem Advent.

 

 

Was mein Herz berührt

Vor ein paar Tagen ging ich auf die Suche nach einem Rezept für Zwiebelsirup, um dem elendigen Gekläffe in unserem Hause ein Ende zubereiten. Ich hatte viel Mitleid mit dem Hustenden, vor allem aber mit meinen Ohren und ich wusste auch genau, wo ich fündig werden würde. Während ich durch Veronikas neues Buch „Frühling, Sommer, Herbst, Familie“ blätterte, blieben meine Augen an folgendem Zitat hängen:

„Was unsere Kinder brauchen, sind Erwachsene, die mit einer gelassenen Zufriedenheit in sich und ihrem Leben ruhen. Die nicht im allgemeinen Jammer- Chor mitsingen, sondern ihr eigenes Lied der Dankbarkeit anstimmen“

Nicht, dass ich diese Erkenntnis nicht schon vorher gehabt hätte, doch natürlich. Aber in diesem Moment, auf dem Klo stehend und auf der Suche nach einem Zwiebelsirup-Rezept, fühlte ich mich ganz schön ertappt, sprangen mir die Worte mitten ins Herz. Denn auch, wenn wir manche Dinge wissen, so geraten sie doch immer wieder ein wenig in Vergessenheit, werden sie zugeschüttet von all den kleinen und großen Kümmernissen und Sorgen, den To- do Listen und Ansprüchen an uns selbst und unser Leben. Ich finde ja, von Zeit zu Zeit ist gegen ein bisschen Gejammer nichts einzuwenden, ja es ist so gar notwendig, um der Seele Luft zu verschaffen. Aber sehr schnell wird der Jammerton Gewohnheit, eine Hintergrundmusik des Lebens, nervenaufreibend und penetrant dominant, als litte dein Herz unter Tinitus, ein fieses Geräusch, das alles andere übertönt.

Ich fühlte mich ertappt, weil mein Herz zur Zeit häufig an Jammertinitus leidet. Höchste Zeit für eine andere Melodie, höchste Zeit ein neues Lied anzustimmen, höchste Zeit für hellere Töne. So vieles hat mein Herz in den letzten Tagen berührt und soll darin weiterklingen dürfen.

Letzten Freitag zum Beispiel, dieser irre Tage mit verrückt vielen Terminen, also an diesem Freitag wanderte ich mit dem Gatten und Teilen meiner Kinderschar durch ein festlich geschmücktes Schulhaus. Auf den Fluren spielten die Bläser Weihnachtslieder, es roch nach Waffeln und Gebackenem, in allen Klassen reges Treiben. Jede Klasse hatte gewerkelt und gebastelt, teilweise mit enormen Ideenreichtum und Können für die gute Sache. Wir hatten es ein wenig eilig (wofür der Gatte sehr dankbar war, denn ich kann strahlenden Kinderaugen, die mir ihre selbst gefertigten Sächelchen verkaufen wollen, nur ganz schwer widerstehen), aber ich machte trotzdem schöne Beute. Einen wunderschöner Holzstern und ein Glas Gemüsebrühe. Ja, selbstgemachte Gemüsebrühe! Und die netten Mädchen hatten sogar heißes Wasser parat, damit man probieren konnte. Die Himmlischen Heerscharen waren im Übrigen binnen einer halben Stunde verkauft und ich hoffe, dass sie ein schönes Zuhause gefunden haben. Ich sah meine Großen unter ihren Klassenkameraden, aufgehoben in Gemeinschaft, rührig und eingebunden. Das bedeutet mir unheimlich viel und beruhigt mein Herz, oh und wie, wenn das kein Grund zur Dankbarkeit ist! P1080926

Am Abend besuchten wir die Weihnachtsfeier unseres Drittklässlers und wieder kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. „Der Nussknacker“ wurde uns präsentiert- eine echte Strapaze fürs Mutterherz, das kannst du mir glauben. Alle Kinder waren eingebunden, jedes, wie es zu ihm passte, ein echtes Gemeinschaftsprojekt, ganz wunderbar anzuschauen. Danke, für diese Klassengemeinschaft, danke für Lehrerinnen, die ihren Beruf mit viel Liebe ausfüllen, danke für die Fröhlichkeit.

Der erste Advent kam mitten in unsere Unfertigkeit. Und wie im jeden Jahr spricht er seine eigene Sprache, folgt er seiner eigenen Spur, man muss ihn nur lassen. An den Wänden hängen die alten, vertrauten Adventskalender, ein wenig angestoßen an den Ecken, das Papier an der ein oder anderen Stelle schon etwas ausgeblichen. Aber unsere Kinder lieben diese Kalender, wollen gar keine anderen haben. Hinter dem zweiten Türchen verbarg sich eine Fackelwanderung und so machten wir uns auf, in die stürmische Dunkelheit des späten Sonntagnachmittags. Deutlicher kann nicht werden, was Advent bedeutet. Ein Licht kommt in die Nacht, auch in deine Finsternis. Irgendwann drang durch die Dunkelheit ein Kinderstimmchen zu mir „Tragt in die Welt nun ein Licht. Sagt allen fürchtet euch nicht…“ Danke für dieses Licht, danke für diese Hoffnung, danke für dieses Lied.

Auch, wenn alles ein wenig überlastet und hektisch ist, so findet sich erstaunlicherweise genug Zeit zum Lesen, viel mehr als sonst. Noch so ein Adventsgeheimnis. Der Gatte hat am Samstag die Weihnachtsbücherkiste vom Speicher geholt und jedes einzelne Buch darin wurde begrüßt, wie ein lange verschollener Freund. Und wir lesen wieder von Wanja und Schnüpperle, Tomte Tumetott, den Herdmanns und Bullerbü. Und vor allem das große Buch mit den vielen Gedichten- da reicht nur ein Stichwort und alle sprechen mit. Danke, für die altvertrauten Worte, die Heimat schenken und Geborgenheit, herzwärmend, wie eine Kuscheldecke für die Seele.

Es sind auch neue Bücher und neue Worte in unser Haus eingezogen. Einer Empfehlung folgend (Ha! Noch ein Danke!) lesen wir „Das Weihnachtsgeheimnis“ von Jostein Gaarder mit den Großen. Und sie sind begeistert. Gestern war Zubettgehzeit eigentlich längstens vorüber, als wir uns den Kopf darüber zerbrachen, ob  das Vergangene noch irgendwo existiert, wenn für Gott Raum und Zeit unbedeutend sind. Danke für Geschichten, die solche Gespräche möglich machen, die Kinder begeistern und unsere Hirnwindungen zum quietschen bringen.

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Heute ist Barbaratag. Am Barbaratag bin ich immer dankbar, egal wie scheußlich das Wetter ist, egal was der Tag an Überraschungen bereit hält. Am Barbaratag scheuche ich den Gatten auf den Kirschbaum und stelle die Zweige in die Vase. Voller Hoffnung und Glück. Und dann sagen wir „Danke!“ Weil wir am Barbaratag geheiratet haben, weil es ein toller Tag war, weil wir einander haben und weil dies das größte Geschenk ist.

Dankbarkeiten. Viele verschiedene. Hineingepflanzt in all das Durcheinander, Nichtfertige, Begrenzte.

Falls du dich im Übrigen fragen solltest, warum ich ein Rezept für Zwiebelsirup ausgerechnet auf dem Klo suche, dann liegt das daran, dass man Veronika bei mir eben auf dem Klo findet. Sie weiß das, und hat nichts dagegen…

Gesegnete Tage und Freude beim Singen deines ureigenen Dankbarkeitsliedes!

 

In diesen Tagen

 

Guten Morgen liebe Welt, es ist 8.30 Uhr am Morgen und gefühlt habe ich mein halbes Tagewerk schon hinter mir, vielleicht ist auch nur ein Zug über mich drüber gerollt- ich weiß es nicht genau. Seit heute morgen um fünf Uhr pulsiert schon das pralle Leben durch unser Haus mit all dem Wahnsinn, den es manchmal so mit sich bringt. Aufgeregte Kindergartenkinder, die heute schon zum dritten (!) Mal in dieser Woche ihren Geburtstag feiern dürfen (wenn du fünf Jahre alt geworden bist, dann kannst du diesen fantastischen Umstand gar nicht genug feiern; so viel ist sicher).

Ein erwartungsvoller Drittklässler, der der Weihnachtsfeier seiner Klasse heute Abend mit großer Spannung entgegensieht- der „Nussknacker“ wird geboten und ich darf die Kamera nicht vergessen. Und den Beitrag zum Buffet. Meine Großen, an deren Schule heute der alljährliche Weihnachtsbasar stattfindet und die deswegen ganz wuselig sind und eine Menge an Gepäck mit sich führen, als wollten sie an die Antarktis auswandern (Lichterketten und Tischdecken und Mehrfachstecker und….ah, die himmlischen Heerscharen nicht vergessen). Eine Katze kurz vor dem vermeintlichen Hungertod. Der beste Gatte von allen, der stoisch in Mitten des Durcheinanders sein Müsli löffelt. Und natürlich die Mutter, die in sich ruhend, freundlich lächelnd, geduldig und wohlwollend hier und da einen ordnenden Handgriff vornimmt…ich also, die um sechs Uhr Laugenkonfekt backt und gleichzeitig die Katze füttert, dabei durchs Haus brüllt, man möge doch jetzt BITTE ENDLICH zum Frühstück erscheinen, hast du an dein Handy gedacht, die himmlischen Heerscharen sind doch noch gar nicht ordentlich verpackt, verflixt ich weiß nicht, wo du gestern deine Hose ausgezogen hast, weiß jemand, ob wir so ein Kuchendingensbumens haben, na so eines um Kuchen zu transportieren, ich werde um 14.00 Uhr da sein, ihr sollt um 18.00 Uhr dort sein, bitte lieber Mann, kauf uns einen Adventskranz auf dem Markt, ungeschmückt natürlich, nicht zum Hängen- du weißt doch, die Katze, halb rund gebunden, Kind! du hast vergessen, dir die Haare zu kämmen- los jetzt ich fahre euch schnell.

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Jetzt sind alle fort. Und das, was von mir noch übrig ist, sitzt hier und hält sich an einem Becher Kaffee fest.

In diesen Tagen ist es genauso. Wir feiern Geburtstag und haben Grippe, üben Diktat, Latein und Prozentrechnen, suchen nach Lösungen für manche Sorgen, rennen von Termin zu Termin, schlichten Streit und fanden nach Playmobilfiguren, überlegen zwischendurch, mit was man in diesem Jahr die winzigen Streicholzschächtelchen der Adventskalender befüllen könnte, haben noch längst nicht die adventliche Deko aus dem Keller gefischt, stoßen immer wieder schmerzhaft an unsere Grenzen, hinken der Zeit stets ein paar Takte hinterher, versuchen Ängste zu lindern und Hustensaft schmackhaft zu machen. Ein kunterbuntes Durcheinander. Warum sollte es auch anders sein, nur weil es plötzlich Dezember werden will?

Ich persönlich finde ja die Idee einer stillen Adventszeit, von „Simple Living“ und „Slow Family“ absolut bezaubernd. Aber auch ohne in Shopping- und Deko- Wahn zu verfallen, ganz ohne den Besuch überfüllter Weihnachtsmärkte und ohne ambitionierte Backpläne bleibt der Advent vollgepackt mit Terminen, halten Lehrer wenig vom Gedanken der Entschleunigung, ist die Zeit viraler und grippaler Scheußlichkeiten und werden am Heiligen Abend trotzdem Geschenke unter dem Tannenbaum erwartet.

Ich tröste mich mit dem Gedanken: Advent ist Advent und noch lange nicht Weihnachten. Advent ist die Vorbereitung der Ankunft und nicht schon das Fest. Und wie bei jeder ordentlichen Festvorbereitung geht es eben immer mal wieder etwas durcheinander zu, wird man zwischendurch etwas atemlos, schafft man manches nicht, wirft ein paar Pläne über den Haufen. Manchmal finde ich es schade, das die Adventszeit als die Fastenzeit, die sie ja eigentlich ist, so aus der Mode gekommen ist. Es würde manches um vieles einfacher machen. Wäre sie Fastenzeit auch im Gefühl der Menschen, dann würde wahrscheinlich automatisch eine gewisse Entschleunigung eintreten, eine Entlastung, weil nicht schon alles stimmungsvoll, geschmückt und glänzend sein müsste. Und weil auch der robusteste Magen nur eine begrenzte Menge an Lebkuchen und Plätzchen verkraften kann. Denn vielleicht ist das stressigste am Advent, all die Erwartungen, die wir an ihn knüpfen. Erwartungen, deren Erfüllung, die sofortige Aufgabe des normalen Alltagslebens erforderlich machen würde.

Nein, still wird auch diese Adventszeit nicht werden. Doch hoffentlich fröhlich. Es ist ja immerhin ein Fest, das wir erwarten, das wir erfreuen sollten. Und hin und wieder eine kleine Atempause zum Verschnaufen- das bekommen wir hin. Damit wir nicht vergessen, welches Fest wir da eigentlich vorbereiten. Und wenn wir da feiern wollen. 

Jetzt weiß ich, mit was wir die winzigen Streichholschächtelchen in den Adventskalendern befüllen werden. Mit vielen kleinen Pausen. Mit Kakao Trinken und Lagerfeuer, mit Nachtwanderung und einem duftenden Bad. Vieles gemeinsam, und manches allein. 

Ich wünsche euch eine gesegnete Adventszeit, egal, wie ihr sie für euch und eure Familien gestaltet. Möge es eine gute Zeit sein.

 

 

 

 

 

Phrasendreschmaschine

Halleluja- es ist wieder Katalögchenzeit!! Aus allen Ecken und Enden kommen sie ins Haus geflattert, lungern im Briefkasten, fallen beiläufig aus der Zeitung mitten hinein in die Müslischale, tarnen sich als vergessene Rechnung im Poststapel oder hüpfen frech in den Einkaufswagen. Alle rufen sie im Chor:“ Sieh nur, was es alles Schönes gibt, sieh nur, was du alles ganz dringend brauchst, sieh nur, wie weihnachtlich wir schon glänzen, jetzt glänze doch mal ein bisschen mit!!!!“

An graunassen Novembernachmittagen stößt ihr Rufen hier auf offene Ohren. Die bunten Blättchen werden studiert, als enthielten sie die Lösung aller Weltenrätsel. Endlich erfährt man, was einem schon immer fehlte, es wird markiert und angekreuzelt, dass es nur so eine Freude ist und die Wunschlisten werden immer länger. Überlebensgroße Teddybären, gigantische Puppenhäuser und Raumstationen, grellbunte Paw Petroll Rettungstürme, eine Plüschkatzenfamilie mit Jungen- sollten je all diese Wünsche erfüllt werden, brauchen wir ein Zweithaus.

Ich habe meinen Frieden mit der Kataloginvasion gemacht. Es ist ähnlich, wie mit der jährlichen Fruchtfliegenplage: lästig aber im Grunde harmlos, eine hübsche Beschäftigung. Auch ich bin ja nicht frei davon und überlege beim Mittagskaffee, wie überaus gut mich doch so ein Kaschmirpullöverchen kleiden würde und das Essen aus einem „le creuset“- Schmortopf wahrscheinlich viel besser schmeckt (und sich sicherlich auch nahezu von selbst zubereitet…). Ob es Menschen gibt, die sich wirklich über einen Nasenhaarschneider freuen und noch viel interessanter, ob es wirklich Menschen gibt, die so etwas verschenken, weil sie aufrichtig glauben, dass sich darüber jemand freut? Doch, Kataloglesen macht schon Spaß.

Wenn es Advent werden will, dann liegen all diese verheißungsvollen Blättchen längst völlig zerfleddert im Altpapier, alle gruseligen Irrwitzigkeiten sind längst vergessen. Nur wenige Wünsche bleiben. Und die sind es dann in der Regel wert, etwas genauer angeschaut zu werden.

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Meine wunderbaren Kinder finden natürlich ganz unterschiedliche Kataloginhalte spannend, aber dieses Jahr stießen sie bei ihren intensiven Forschungsarbeiten auf ein Wunderwerk der Technik, das sie alle gleichermaßen faszinierte.

Ein Mikrofon. Ein Mikrofon, in das man hineinsingen und sprechen kann. Darüber hinaus zeichnet dieses Zaubergerät auch alles auf und spielt es dann wieder ab. Zwei Stunden lang. Wem das nicht genug ist, der kann das Ergebnis seiner stimmlichen Bemühungen dann noch auf den Computer übertragen und so der Nachwelt auf ewig erhalten. Genial! Fünf der sieben Geisslein waren sich einig: das brauchen wir und zwar unbedingt! Ein ganzes Abendessen lang überlegten sie, welche Möglichkeiten dieses Gerät bieten würde, welche Freude und welche Kurzweil in unser Haus Einzug halten würde.

Ich zeigte mich skeptisch. Der Gatte war nicht da, um mir zur Seite zu springen. Sie gaben nicht auf und begannen mit harter Überzeugungsarbeit. Es dauerte nicht lange, da verfiel das erste Geisslein auf die Idee, dass ich dieses Gerät ja am allerbesten brauchen könnte. Ich könnte alle Vokabeln und Lernihalte darauf sprechen und nachts neben ihren schlafenden Ohren abspielen lassen. Lernen im Schlaf. Häää? Also gut, nächstes Argument.

„Du könntest alles, was du uns ständig wieder sagen musst, auf das Mikrofon sprechen und dann einfach immer wieder abspielen lassen. Das spart dir dann Zeit und Nerven!“ Ich hatte keine Ahnung…ach ja, da kamen schon Beispiele. „Sitz gerade und Schultern zurück“, schlug der erste vor. „Mund zu, keiner will dein Essen sehen“,  „Das Messer ist nicht nur Deko!“ „Ellenbogen, Ellenbogen ist mal wieder …“, gluckste die Nächste. „Die Teller tragen sich nicht von allein in die Küche…“, kicherte es. „Ganz dünnes Eis, gaaaanz dünnes Eis…“ -die ersten Lachtränen kullern. „Oh, oder- was heißt hier angeschaut??!! Angeschaut heißt nicht gelernt!“. Mittlerweile hielten sie sich die Bäuche vor Lachen. Ich starrte sie entgeistert an und merkte wie es in meinem Bauch anfing zu blubbern. Das Blubbern stieg höher und höher, weitere Beispiele meiner Phrasendreschkünste flogen mir um die Ohren und schließlich feierte ich einen richtig schönen Kicheranfall. Hat man ja selten, so einen richtig echten Lachkrampf, sehr befreiend. Ich wischte mir die Lachtränen aus den Augen, scheuchte die Bande zum Tischabräumen und war von Herzen erleichtert.

Ja, ich dresche Erziehungsphrasen. Das ist natürlich nicht die hohe Kunst der Pädagogik, erleichtert das Leben aber ungemein. Weil ich nämlich nicht bei jeder Mahlzeit das Erziehungsrad neu erfinden möchte, nicht bei jedem Essen einen Vortrag über den Sinn und Unsinn von Tischmanieren halten will, nicht in allen Alltagslagen einen vierseitigen Beipackzettel zum wieso, weshalb, warum verlesen kann.

Ich will mich aber beim Essen  auch nicht grausen, weil mir die Fleischwurstbrocken ins Gesicht fliegen, halte es für keine gute Idee Kinder ohne Socken in den Winter ziehen zu lassen und bestehe auf Mithilfe im Haushalt. Und siehe da, unsere Kinder wissen diese Phrasen ganz gut einzuordnen, als das, was sie nun mal sind. Erinnerungshilfen im Dschungel des Großwerdens und Zusammenlebens. Alltagskrücken. Ein wenig nervig, aber nicht schlimm. Darf man nutzen. Kein Trauma und kein Drama.

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Nur wenn es drauf ankommt, dann darfst du keine Phrasen dreschen. Wenn es um Liebe geht, oder um Seelennot. Um ernste Fragen, um Träume und Ängste. Wenn es Streit gibt oder Lebensrätsel, wenn du umarmst und festhältst, wenn du gute Nacht sagst und guten Morgen, wenn du segnest und tröstest. Dann musst du ganz du selbst sein und dein Herz sprechen lassen.

Ich habe meinen Frieden mit dem Phrasendreschen gemacht- genau wie mit den bunten Weihnachtskatalogen. Lästig, aber harmlos, ähnlich der jährlichen Fruchtfliegenplage. Nutze sie, aber vergiss nicht, sie rechtzeitig ins Altpapier zu geben, wenn es wirklich drauf ankommt….

 

Beziehungsweise

Heute morgen öffnete ich um 6.40 Uhr die Türe und schob ein paar schlaftrunkene, tapfere und bis zur Unkenntlichkeit vermummte Schulkinder und einen leise grummelnden Gatten hinaus in den pladdernden Regen. Gelbe und braune Blätterhaufen wirbelten durch die immer noch tiefschwarze Dunkelheit, mehr Herbst kann nicht mehr werden, der November erfüllt pflichtschuldig alle Erwartungen, die gemeinhin an ihn gestellt werden.  Während ich den tropfenden Gestalten schnell noch ein paar gute Wünsche hinterherschob, fing es hinter mir an zu bellen, als hätten wir uns zur Babykatze auch noch einen rachitischen Hofhund zugelegt. Haben wir nicht, es ist nur unser Zwillingsjunge, der da vor sich hin kläfft.

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Und mit einem Seufzer der Erleichterung kehrte ich zurück in das warme, hell leuchtende Haus, in dem es trocken ist und nach Kaffee riecht. Ein wenig später wagte ich mich selbst hinaus, um einen aufgeregten Drittklässler zur Schule und zur anstehenden Grammatikarbeit zu bugsieren. Während ich vorsichtig das Auto durch all das Gepladder steuerte, überlegten wir kurz nochmal, ob es nun „ich gang“ oder „ich ging“ heißt, dass man mit festem Stand auf dem Boden besser denken kann, und dass das Klassenzimmer nichts weiter ist, als ein Wald mit rauschenden Bäumen, in dem man sich ohne Ablenkung aufs Papier konzentrieren kann. Uff, auf dem Rückweg schnell noch ein ungesundes Frühstück gekauft, weil es im Hause 7Geisslein nun mal wesentlicher Bestandteil jeder Gesundwerdtherapie ist, dass man mit einem ungesunden Frühstück und einem Glas Saft auf der Couch sitzt. Außerdem muss man dabei unbedingt „Petterson und Findus“ schauen, am besten eingekuschelt in eine Decke und mit einem lieben Menschen an der Seite, in diesem Falle eine sich solidarisch krankfühlende Zwillingsschwester. Dann steht der Gesundwerdung nichts mehr im Wege. So früh am Morgen und schon so viele gute Wünsche, so viele Worte, ein paar Umarmungen, so viele kleine Zeichen der Liebe, so viel Beziehung.

Und nun sitze ich am Laptop und sinniere darüber nach, dass dies wohl das größte Gottesgeschenk an die Menschheit ist, dass er uns als beziehungsfähige und beziehungsbedürftige Wesen geschaffen hat. Wesen, die hungrig sind nach Liebe, guten Worten und Fürsorge, wie nach dem täglich Brot, durstig nach persönlichem Austausch, Gesehen und Verstanden werden. Die Sehnsucht nach Beziehung lässt uns immer wieder über den Schatten unseres eigenen Ichs hinausspringen, sie ist größer als die Angst, zurückgewiesen zu werden, stärker als die Furcht vor Verletzung und Scheitern. Vom Augenblick unsere Geburt suchen und ersehnen wir Beziehung und sie ist genauso essentiell zum Überleben, wie die Luft zum Atmen. Aufeinander einlassen, für einander da sein, Nähe spüren und Geborgenheit, immer wieder – obwohl und trotzdem wir so oft aneinander leiden, scheitern und uns verlieren, obwohl es nie eine Geling- Garantie gibt.

Letzten Freitag habe ich mich auf den Weg nach Essen gemacht, mit schlotternden Knien und Übelkeit im Bauch. Im Laufe der Woche waren mir ungefähr eine Trilliarde Gründe eingefallen, warum ich der Einladung des SCM-Bundesverlages zu einem Treffen christlicher Bloggerinen besser nicht folgen sollte. Allein die Autofahrt! So viele fremde Menschen, was, wenn keine mit mir sprechen würde, was, wenn ich mutterseelenallein und voller Scham drei Tage auf meinem Stuhl kleben müsste, was, wenn die anderen merken, dass ich da gar nicht hingehöre, nur eine Mama bin, die hin und wieder ein paar Worte in ihren Laptop hackt, und wenn überhaupt  alles ein schreckliches Missverständnis wäre? Die Selbstzweifel überfluteten mich, ein Meer aus Fragezeichen und Seelennöten, die nicht nur an meinen Nerven zerrten, sondern aus mir auch eine ziemliche Nervensäge machten, die der Gatte tapfer erduldete.

Am Donnerstag fand ich völlig überraschend in meinem Briefkasten ein kleines Päckchen. Ein Päckchen voll Ermutigung von einer lieben Freundin, die ich gerade erst beginne richtig kennenzulernen. Und ich fuhr ich trotzdem. Ich wagte die Fahrt, ich wagte Beziehung und wurde mehr als reich beschenkt. Mit wunderbaren Begegnungen, mit Ermutigung und Worten. ich durfte Frauen persönlich kennenlernen, deren Worte mich schon so lange begleiten, die mich durch ihr Schreiben schon so oft ermutigt und getröstet hatten. Da waren sie, ganz in echt, entwaffnend offen, entwaffnend ehrlich, schön, klug und herzlich. Allesamt. Ich hatte gewagt und ich hatte einen riesengroßen Beziehungsschatz gewonnen. Ich durfte zuhören und lernen, das Herz öffnen und staunen. Ein Schatz, den ich am Sonntag in meinem übervollen, dankbaren Herzen nach Hause fuhr.

Zuhause angekommen wurde ich schon sehnsüchtig erwartet. Auf meinem Kopfkissen lagen tatsächlich fünf Briefe, gestaltet mit Worten und Farben der Liebe und des Vermissens. So viel Beziehung, so viel Gnade. Und weil Martinstag war, nahmen wir die Laternen und liefen zum Umzug. Martinsumzüge sind in der Regel laut und wuselig und auch ein wenig anstrengend. Aber jedes Jahr gibt es den Moment, an dem wir zurück nach Hause gehen. Der kürzeste Weg führt durch Koppeln und Wiesen, eingetaucht in tiefschwarze Nacht, nur ein paar Sterne am Himmel und die schmale Sichel des Mondes. Da brauchst du wirklich zwei Laternchen, um nicht versehentlich im Graben zu landen. Ich hielt meine Zwillinge an den Händen, wir sangen die alten Martinslieder ganz alleine, nur für uns und ich dachte: nicht nur den Mantel sollst du teilen. Vor allem teile dein Herz, deine Liebe, deine Sehnsucht nach Nähe. Dann wirst du überreich beschenkt.

 

Wind of change

Gestern stieg ich die Treppe zu den Kinderzimmern hinauf und besuchte mein großes Mädchen. In der Hand hielt ich einen Becher Tee und einen nur fast angekokelten Keks, ich hatte so die Ahnung, dass sie beides gut würde gebrauchen können. Sie saß in ihrem Zimmer und referierte der Katze die zehn Grundregeln des Mikroskopierens, wobei die Katze sich nur mäßig interessiert zeigte und bald das Weite suchte.

Lange saß mein Mädchen schon so in ihrem Zimmer, draußen war es bereits dunkel geworden,  und der Wind rüttelte am Haus. Ein langer Schultag lag hinter ihr, sie hatte Hausaufgaben gemacht, ihre Lateingrammatik wiederholt und englische Vokabeln gepaukt. Nun also noch das Mikroskop. „Unfassbar, wie fleißig sie ist“, dachte ich so bei mir und  dann streichelte ihr ein bisschen das Haar und sprach meinem Kind  Mut zu, weil es nicht nur unfassbar fleißig ist, sondern auch sehr müde, angestrengt und ein wenig angespannt von Zeit zu Zeit.

 

Und schließlich erwähnte ich, dass es zwar nicht unbedingt hilfreich, aber doch tröstlich sei, dass es den anderen Kindern ihrer Klasse genauso erginge und sie ja gar nicht allein sei, mit all der Plackerei. Ich wusste, dass es so ist, ein oder zwei Mütter hatten sich aus der Deckung gewagt und davon erzählt, sogar die Klassenlehrerin war kontaktiert worden und auch die hatte bestätigt, was eigentlich nur logisch ist. Die sind alle müde, angestrengt und angespannt. Weil so ein Schulwechsel eine gigantische Herausforderung ist, die nicht in wenigen Wochen gewuppt ist. Eine neue Klasse, in der keiner irgendjemanden kennt, neue Lehrer und neue Fächer, die große Stadt, allein die Anreise jeden Morgen aus allen Ecken des Umlandes, das gleichzeitige Erlernen von zwei Fremdsprachen und einem dementsprechenden Umfang an Hausaufgaben und schließlich das Leben mit der Erkenntnis, dass in jeder Stunde in jedem Fach eigentlich ein Test geschrieben werden könnte. Alles im Umbruch.

 

Wir selbst haben dieses Prozedere ja schon einmal durch und wissen: wenn der nächste Frühling kommt, ist die Kuh vom Eis. Dann winken sie müde lächelnd ab, wenn es um ein paar Vokabeln, einen verpassten Zug oder eine Hausaufgabenüberprüfung geht. Dann fühlen sie sich zuhause an ihrer neuen Schule und führen souverän und mit altväterlichen Mienen zukünftige Sextaner durchs Schulgebäude. Bis dahin ist es ein langer, steiniger Weg, der vieles verändert und fordert, dass man immer wieder über den eigenen Schatten springt.

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Verändernde Lebensphasen sind einfach eine irre Herausforderung, egal wie alt du bist. Es ist ein wenig so, als würden wir ein Leben lang immer wieder neu geboren, neu gestaltet und entwickelt, nie sind wir fertig, egal ob acht oder achtzig.  Manchmal ist es von außen ganz offensichtlich: wenn wir laufen lernen, in die Schule kommen, erwachsen werden oder Eltern. Manchmal ist es ein innerer, fast unsichtbarer Prozess. Immer ist da erst eine Zeit des Entwickelns und Werdens bis sich das Neue nicht mehr aufhalten lässt und mit viel Getöse und selten ohne Schmerzen nach Außen drängt, ein riesen großes Durcheinander, das eben auch müde macht, angestrengt und etwas gereizt. Irgendwann gehst du mit sicheren Schritten, irgendwann ordnet sich alles und du richtest dich ein, in deiner neuen Haut. Bis es irgendwann wieder losgeht, alles in dir nach Veränderung ruft und gleichzeitig nach Sicherheit, wo du alles in Frage stellst und doch endgültige Antworten erhoffst:

 

„Weißt du Mama,“ sagte mein Mädchen zu mir, „Ich kann das gar nicht glauben, dass es den anderen genauso gehen soll. Bei denen sieht es immer so leicht aus, die sind nie müde oder haben Angst.“ Aha. „Und,“ fragte ich zurück, „Merkt man dir denn in der Schule an, dass du manchmal müde oder ängstlich bist?“ „Natürlich nicht,“ antwortete sie. „Ich bin ja nicht verrückt.“

Wann fängt das an, dass wir den Rollladen runterlassen und die Vorhänge zuziehen, wenn es um unser persönliches Befinden geht? Im Kindergarten? Oder erst in der Schule? Wann lernen wir das und von wem? Es geht ja nicht um Gejammer, wehleidiges Genöle oder einem öffentlichen Vollbad in Selbstmitleid. Aber stell dir nur mal vor, man dürfte in Zeiten des Umbruchs sagen: „Mir fällt das hier überhaupt nicht leicht. ich finde es schwierig und es strengt mich auch ganz schön an“. Und wie befreiend es wäre, wenn der andere dann sagen würde: „Weißt du was, mir geht es ganz genauso.“ Es würde so vieles leichter machen. Im Kindergarten und bei Schulwechseln, beim Freunde finden, im Studium, beim Heiraten und Kinderbekommen, beim Kindererziehen (oh ja!), Ehe leben und bei Berufswechseln, einfach in jeder verändernden Lebensphase, gleichgültig ob sie groß und offensichtlich oder eine innere Richtungssuche ist. Kein Mitleid sondern Mitgefühl: „kenne ich, ist fies, macht keinen Spaß und ist echt anstrengend.“

 

Es wäre so befreiend und erleichternd und man müsste sich bei allen Anstrengungen nicht noch mehr anstrengen, in dem wir so tun als wäre alles ein Spaziergang. Dann könnten wir uns in den Irrungen der Veränderung daran festhalten, dass wir nicht alleine sind, keine Schwächlinge und Versager, sondern normale Menschen, die immer mehr sie selber werden dürfen.

Draußen tobt der Herbststurm, in nur wenigen Tagen hat er alles verändert. Wir frösteln noch, suchen die warmen Decken und Mützen, richten uns ein in der neuen Dunkelheit. Auch heute werde ich ein paar Becher Tee kochen und die Treppe zu den Kinderzimmern hochsteigen. So unaufhaltsam Veränderungen auch sein mögen, ein paar Leuchtfeuer in der Dunkelheit trösten doch ungemein.

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Von kleinen Mäusen und starken Worten

Die Herbstferien sind zu Ende und wir sind zurückgekehrt, in unseren normalen Alltag, der uns zuletzt so sehr herausgefordert hat. Die einen mit mehr, die anderen mit weniger Begeisterung und Enthusiasmus. Meine beiden Mäusekinder (sind sie tatsächlich, denn sie besuchen die „Mäusegruppe“!), also meine beiden Mäusekinder gehören eindeutig zum enthusiastischeren Teil. Kindergarten ist eine feine Sache und man bekommt keine Hausaufgaben auf. Dieser Tage kehrten sie zurück und hatten die alt bekannte Geschichte von der Maus „Frederick“ im Gepäck -ein eindeutigeres Zeichen dafür, dass wir uns auf die dunklere Jahreszeit zubewegen, gibt es wohl kaum. Außer Laternenbasteln natürlich.  Ganz begeistert erzählten sie uns von den kleinen Feldmäusen, von Frederick und seinen Geschichten, um schließlich unser zerlesenes Exemplar aus dem Bücherregal zu fischen. Manche Geschichten verlieren ihre Wirkung nicht, egal wie alt sie sind, egal, wie viele Kinderohren sie schon gehört haben, egal, wie oft sie schon gesprochen und vorgelesen wurden.

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Der Gatte runzelte die Stirn und bekam einen leicht angestrengten Ausdruck in die Augen. Und weil ich meinen Mann ganz gut kenne, wusste ich auch sofort warum. Manche Geschichten verlieren ihre Wirkung nicht…Der Gatte hat seine liebe Not mit Frederick, der lieber in der Sonne sitzt und Bilder und Eindrücke sammelt, als Vorräte. Er wittert den Aufruf zu Faulheit und Schmarotzertum und das kann er mit seiner Arbeitsmoral überhaupt nicht vereinbaren. Ganz abwegig ist der Gedanke ja auch nicht, ich hatte ihn selbst schon oft genug. Manches mal dachte ich schon: „Wäre ich Feldmaus, ich hätte dem faulen Säckel  längst in den Hintern getreten. Hätte er mal mit gesammelt, dann würde es vielleicht für alle reichen, ich pfeif auf Geschichten von Farben und Sonne…!“

Andererseits denke ich immer und immer wieder, wie dringend wir diese Fredericks brauchen, Wesen die hinhören und hinschauen, die die richtigen Worte finden, wenn Rat und Sprachlosigkeit um sich greifen. Worte des Trostes und der Zuversicht, lustige Worte, humorvolle und vielleicht auch einmal ein ernstes. Kluge Worte, die ein anderes Bild ins Herz zeichnen, wenn das Leben zu karg wird und Seelenhunger an dir nagt, die dich einhüllen, wie ein wärmendes Tuch.

Wie oft schon haben mich Worte durch dunkle, kalte Tage getragen. Persönlich Worte zur richtigen Zeit, geschriebene, erzählte. Bücher und Geschichten können Leben verändern, da bin ich mir ganz sicher. Ich bin ein Mensch, der so sehr Worte braucht, Worte und Geschichten, sonst welke ich wie Klatschmohn in der Vase. Wir sollten uns noch viel mehr unsere Geschichten erzählen, die ehrlichen, wahren, die großen und die ganz kleinen und dadurch die Wärme der Menschlichkeit zum Vorschein bringen. Ehrliche Worte, nicht glattpolierte Bilder. Neulich las ich von jemandem, der morgens sein Bett nicht macht, weil er sich so gerne am Abend in ein zerwühltes Bett legt. Ist das nicht wunderbar?  Da scheint etwas wahrhaft Menschliches durch, eine Macke, eine Schrulle, etwas Echtes und gleich fühlt man sich weniger verloren.

Am Samstag stolperte ich selbst bei einem Frauenfrühstück über die altbekannte Geschichte von Martha und Maria. Martha, die alles gibt, um es Jesus und seinen Freunden eine gute Gastgeberin zu sein und Maria, die still neben Jesus sitzt und anstatt zu arbeiten, lieber seine Worte in sich aufsaugt. Irgendwann platzt Martha der Kragen und genau dafür kassiert sie einen ordentlichen Rüffel. Ich habe meine liebe Not mit dieser biblischen Geschichte, denn ich fühle wirklich sehr mit Martha, die alles richtig machen will und das wird wohl auch immer so bleiben. Aber vielleicht ist es ein wenig, wie mit der Maus Frederick. Manchmal ist es wichtiger still zu werden, hinzuhören und hinzuschauen, das Herz mit guten Bildern und heilenden Worten zu füllen, anstatt weiter zu rennen und emsig zu sein. Um selber davon zehren, wenn der Winter zu lange wird, um anderen davon zu erzählen. Von der Sonne, die scheint, auch wenn wir sie gerade nicht sehen,.. Wir brauchen die Weizenkörner, die unseren Bauch füttern, aber wir brauchen auch Futter für unsere Herzen. Manchmal dürfen wir andere füttern, mit guten Worten oder einer guten Suppe. Manchmal dürfen wir uns füttern lassen. Mit einem guten, handfesten Essen, wenn wir vor lauter Denken das Praktische vergessen haben. Mit guten Worten, wenn wir vor lauter emsigen Rennen am Wesentlichen vorbeigerannt sind.

Die Herbstferien sind vorbei, und wir sind zurückgekehrt, in unseren normalen Alltag, die nächsten Wochen werden sehr herausfordernd. Aber unsere Vorratskammern sind gut gefüllt. Wenn wir abends um unseren Esstisch sitzen, dann füllen wir nicht nur unsere Bäuche, sondern vor allem unsere Herzen. Brot und Worte. Suppe und Geschichten. An unserem Tisch sitzen Marthas und Marias, Fredericks und emsige Mäuse, alle sollen Platz haben, weil wir alle brauchen, weil sie in jedem von uns stecken. Wenn die Mischung stimmt, dann kommen wir unbeschadet durch den Winter, dann schaffen wir auch die herausfordernden Zeiten, dann sind wir satt an Leib und Seele.

Braveheart

Vor einer Weile ging ich nachmittags zusammen mit meinen drei jüngeren Kindern auf den nahe gelegenen Spielplatz. So lange hatten sie sie sich still gedulden müssen, während die Großen über ihren Hausaufgaben brüteten und mütterliche Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit englischer Grammatik und Säulendiagrammen brauchten. Jetzt also schleunigst raus, die Sonne schien so schön (was für eine Überraschung in diesem Jahr…) und sie waren schon ganz zappelig vor Bewegungsdrang.P1080500

Mein fußballverrückter Drittklässler hatte natürlich einen Ball mit dabei, der Spielplatz ist vor allem auch ein Boltzplatz. Kaum waren die 250 Meter Weg geschafft, trollten sich die beiden Kleinen ins angrenzende Miniaturwäldchen um ein paar Stöcke zu finden und mein Junge wählte ein Tor zum kicken. Wir waren nicht die einzigen, ein paar Kinder waren schon eifrig am spielen. Fußballspielen. Sie kannten meinen Sohn, er kannte sie. Nicht gut, neinnein, aber „man kannte sich“ eben. Die Kinder waren freundlich und riefen zum Mitspielen. Eine rief ihn sogar mit Namen. Den ersten Ruf überhörte er geflissentlich. Den zweiten auch noch. Irgendwann mäanderte er zu mir rüber, angespannt, wie ein Flitzebogen. Ich las in seinem Gesicht, wie in einem Buch. Er wollte mitspielen, so gerne, aber er traute sich nicht. Man kannte sich, ja klar, aber eben nicht richtig. Einfach hingehen? Den Ruf besser ignorieren? Alles total peinlich irgendwie. Wie soll man denn einfach mitspielen? Für den schüchternen, zurückhaltenden Menschen können 25 Meter ein unendlich langer Weg voller Wenns und Abers sein.

Die Kinder spielten längst schon wieder, wie lange sollten sie auch warten? Und ich sagte zu ihm:“ Trau dich! Was soll passieren? Sie wollen doch, dass du mitspielst. Sie haben dich gerufen. Und es sind Fußballer, die wollen nur spielen, du musst gar nicht reden. Geh einfach hin und spiel mit“ Ich wiederholte meine Sätze, viermal, fünfmal, sein Kopf gesenkt, mit dem Fuß Kreise in die Erde malend, stand er zaudernd neben mir. Irgendwann strafften sich die kleinen, schmalen Schultern und er begann diesen langen, langen Weg, Schritt für Schritt, ganz langsam. Er war noch nicht ganz da, da kickte ihm jemand den Ball vor die Füße und das war`s dann. Ich saß auf dem Bänkchen und sah meinem Buben und dem ganzen wunderbaren Rest eine Stunde lang beim Fußballspielen zu. Und als die Stunde und das Spiel um waren, zogen wir zufrieden unseres Weges, ohne noch ein weiteres Wort darüber zu verlieren.

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Mein gar nicht mehr so kleiner Junge hatte all seinen Mut zusammengenommen, Beziehung gewagt und gewonnen. Mein Herz lief über, weil ich mich so für ihn freute, weil ich seinen Mut bestaunte und weil ich wusste, wieviel Überwindung ihn diese Schritte gekostet hatten. Beziehung wagen, im Kleinen wie im Großen ist immer ein Wagnis, birgt das Risiko von Zurückweisung, holt all unsere Selbstzweifel mit Schwung ans Tageslicht, legt ein Stückchen unserer Seele bloß.

Vor wenigen Tagen bekam ich eine E-Mail. „Wir sind in der Nähe, am Sonntag. Dürfen wir kurz mal vorbeischauen?“ Die mail kam von Veronika Smoor , deren geschriebene Worte mich schon so lange begleiten und die ich für genau diese Worte so unglaublich schätze. Habe ich mich umgedreht und zu meinem Mann gesagt: “ Na die traut sich was!Was ist das denn für eine Irre? Wie aufdringlich kann frau denn sein? Unfasslich, wieviel entgrenzte Freaks einen am heiligen Sonntag belästigen wollen!“? Natürlich nicht! Stattdessen habe ich mich umgedreht und gesagt: „Am Sonntag kommt Besuch und ich freue mich wie ein Schnitzel! Boah, ist die mutig!“ Denn ehrlich gesagt, ich hätte mich nicht getraut. Mir wären tausende Wenns und Abers eingefallen, meine Selbstzweifel hätten mich an die Wand gedrückt, meine Angst vor Zurückweisung, die Sorge mich mit diesem Ansinnen total lächerlich zu machen, hätten mich gehindert. Ich frage mich, wieviel Freundschaften und Beziehungen auf dieser Welt niemals zustande kommen, weil all diese Wenns und Abers ihnen vorher den Garaus machen.

Gott sei Dank, war Veronika mutig. Gott sei Dank hat sie Beziehung gewagt (und Gott sei Dank hat sie zwei wunderbare Töchter, die sich mit meinen Kindern gut verstanden haben) Wie schön, war dieser Sonntagnachmittag und wie bereichernd! Leider kann ich euch keine Fotos zeigen, von Kaffee und Kuchen, warmer Oktobersonne und unserem Plätzchen im Garten. Ich war zu sehr mit schwatzen und kennenlernen beschäftigt, mit einem echten Menschen im echten Leben und das ist wohl auch besser so (außer diesem einen, auf die Schnelle, eigentlich schon im Gehen…)

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Am Abend sagte der Gatte: „Die ist ja total nett. Und von ihrem Mut könnten wir uns durchaus ein Scheibchen abschneiden!“ Recht hat er, wie so oft. Mutig werden und Beziehung wagen, ein Stückchen Seele bloßlegen und den Wenns und Abers hin und wieder in den Hintern treten. Aufeinander zugehen. Willkommen heißen. Muss ja nicht immer gleich eine Seelenverwandtschaft entstehen. Nette Bekannte, um ein paar Bälle zu kicken sind auch viel wert. Be brave!

Und bevor ich es vergesse- da war doch noch etwas mit einer Verlosung….vielen, vielen Dank für alle Kommentare. Und gewonnen hat…Trommmelwirbel….Michaela Ruckh

Herzlichen Glückwunsch, liebe Michaela, und viel Spaß mit „Fips“. Bitte melde dich kurz bei mir, vielleicht über Facebook, Insta oder per Kommentar. Dann leite ich dich weiter.

 

 

Von Erdmännchen und kleinen Schafen

Am letzten Sonntagabend traf sich unsere kleine Sippe im Garten, es war ein langer, schöner Tag gewesen. Es war Erntedanktag und wir sammelten uns rund ums Lagerfeuer und überlegten, wofür wir dankbar waren. „Ich bin dankbar dafür, dass wir Salzbrezzelchen haben und ein Lagerfeuer. Und für Gott. Und ich bin dankbar, dass wir so eine wunderschöne Mama haben.“ Soweit mein vierjähriger Sohn und ich denke, dem ist nichts mehr hinzuzufügen…

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Eine der vielen Fragen, die den Gatten und mich schon eine wirklich lange Weile umtreiben, ist die, wie wir als Familie unseren christlichen Glauben leben und unseren Kindern weitergeben wollen, in unserem Alltag, da wo und so wie wir leben, Gott greifbar und fühlbar machen. So sich den Menschen die Frage überhaupt stellt, ist  es eigentlich eine simple Frage, aber auf den zweiten Blick doch ganz schön kompliziert. Denn natürlich wünschen wir uns einen lebendigen Glauben, einen der trägt und hält, der die Richtung weist und stabiles Fundament ist, für uns, unsere Familie, für jedes einzelne Kind, nicht aus Tradition sondern aus persönlicher Entscheidung und Überzeugung.

Denn wenn wir mal ehrlich sind, dann ist mit dem Besuch des Sonntagsgottesdienstes  das Thema in keiner Weise abgehandelt, vor allem wenn deine Kinder noch jünger sind und es keine altersentsprechenden Angebote gibt, vielleicht müssen sie den Gottesdienst eher erdulden als feiern zu können (und du auch!). Vielleicht fühlst du dich selbst in deiner Kirche fremd und bist noch auf der Suche. Vielleicht bist du aber auch ganz aktiv in einer Gemeinde, deine Kinder sind immer mit dabei und trotzdem wünschst du dir eine stärkere Verhaftung des Glaubens in eurem ganz normalen Alltagsleben, da wo er ja auch am Dringlichsten gebraucht wird. Vielleicht ist es von allem ein bisschen.

Jeden Mittag sprechen wir ein Tischgebet, jeden Abend und jeden Morgen segne ich unsere Kinder, wunderbare Ankerstellen an jedem einzelnen (All)tag, aber manchmal schleicht sich auch hier eine Art Routine ein, die Worte werden gesprochen, weil sie immer gesprochen werden, sie gehören dazu wie Haare kämmen und Zähneputzen. Wenn ich ehrlich bin, haben wir bei unseren jüngsten Familienmitglieder längst nicht soviel Zeit um die entsprechenden Bilderbücher zu lesen, wie wir es mit den Größeren ganz selbstverständlich taten. Wieder werden wir nach den Herbstferien ein Kommunionkind im Hause haben und so bekommen die Fragen des Glaubens eine ganz neue Relevanz, für mich selber, für unseren Drittklässler, für die Großen und die Kleinen. Neue Impulse im Hause 7geisslein also dringend gesucht.

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Um so erfreuter war ich also, als dieser Tage einige Probeexemplare der niegelnagelneuen  Vorlese und Mitmach-Zeitschrift „Fips“ aus dem SCM Verlag in unserem Briefkasten lag. „Fips“ ist sozusagen das kleine Geschwisterkind der „Family“ und für die Altersgruppe der 3-7jährigen gedacht. Heute morgen, einem verregneten zweiten Ferientagsmorgen, haben wir die Zeitschrift fachmännisch auf Herz und Nieren unter die Lupe genommen. War keine große Arbeit, denn wir hatten vor allem eines: viel Spaß und Freude.

Die Zeitschrift, die auf festeres Papier gedruckt und damit auch für kleine Kinderhände gut fassbar ist, enthält eine liebevolle Mischung aus Geschichten, Basteln und Malanregungen, einem biblischen Thema und Wissenstexten. Wir sind jetzt um einiges klüger, was Erdmännchen und Pilze angeht. Die Sachtexte sind leicht verständlich, ohne dabei „doof“ zu werden und nicht nur unsere Zwillinge waren ganz angetan. Besonders gut gefallen hat mir persönlich die wirklich liebevoll erzählte und illustrierte Bearbeitung des „guten Hirten“. Ich habe ja ein Faible für Sprache, zugegeben, und so eine gelungene und kindgerechte Nacherzählung eines biblischen Textes ist mir selten in die Finger gekommen, da macht dann auch Vorlesen richtig Freude. Hier wurde auf jeden Fall mit gefiebert und tatsächlich entstand daraus ein reger Gedankenaustausch. Danach wurde gebastelt und gerätselt, dass die Scheren nur so glühten. Kleine Schäfchen sind entstanden und der Hirte steht nicht mehr alleine auf seiner Weide herum. Positiv aufgefallen ist der Vielkindmama, dass man weitere Bastelvordrucke hätte ausdrucken können.

Falls es dir bis hierher entgangen sein sollte- ich bin wirklich angetan und was ja eigentlich viel wichtiger ist: meine Kinder waren richtig angetan! Und wenn du selber auf der Suche bist nach neuem Input für deine Kinder, eure Familie und euer Glaubensleben, ganz egal aus welchen Gründen, ja dann empfehle ich dir diese Kinderzeitung. Unter www.family-fips.net kannst du dir ein kostenfreies Probeexemplar bestellen und dann testet ihr einfach selber. Oder, tata!!, du hüpfst hier in den Lostopf! Denn freundlicherweise darf ich hier ein Jahresabo dieser Zeitschrift verlosen, die mir der SCM Verlag zur Verfügung stellt! Und weil ich wirklich neugierig bin, wie ihr euren Glauben in eurem Familienalltag lebt, auf eure Rituale und Ideen (und mir dadurch natürlich jede Menge Bereicherung erhoffe…), geht die Teilnahme an der Verlosung auch ganz einfach: hinterlasse einfach in den Kommentaren eine Nachricht, wie ihr in eurer Familie euren Glauben lebt, vielleicht eine gute Idee, einen Rat oder eine Anregung und schwups bist du dabei. Am 12. Oktober ist Einsendeschluss und dann wird gelost. Viel Glück.

Zeit für…

Ferien…ich erinnere mich an einen Spaziergang während unseres Sommerurlaubs, bei dem die Kinder und ich uns über die neue Ferienregelung in Rheinland- Pfalz ereiferten, vor allem über gekürzte Weihnachtsferien und so etwas Unsinniges wie Winterferien. Warum die heißgeliebten Weihnachtsferien kürzen? Und wenn schon kürzen, warum dann nicht bei den Herbstferien? Braucht kein Mensch, da ist man doch noch blendend erholt und…dann kehrten wir gutgelaunt ins Ferienhäuschen zurück um ein bisschen Essen auf den Grill zu werfen. Einige Monate später krochen wir den Herbstferien entgegen, wie Verdurstende dem Brunnen. Fix und alle, komplett erledigt, im Eimer und überreif für eine Pause. Mein großes Tochterkind, das alle neuen Herausforderungen, die der Wechsel auf die weiterführende Schule eben so mit sich bringt, wirklich mit Bravour gemeistert hat, klagte tagelang über Migräne und konnte am Ende den verspannten Hals gar nicht mehr bewegen (das arme Kind ist seiner Mutter in mancher Hinsicht einfach schrecklich ähnlich…). Aber nicht nur sie, nein wirklich alle 7geisslein hatten ihr Limit erreicht. Also ein Hoch auf die Herbstferien, die man natürlich niemals kürzen sollte!P1080481

den Wald…Im Herbst wird meine Waldsehnsucht übermächtig und will gestillt werden, da kann ich rein gar nichts ändern. Also packen wir Kinder und Überlebensproviant ins Auto und fahren los. Ich wohne ja ganz gerne da wo wir wohnen, aber über die gänzliche Abwesenheit von Wald werde ich wohl nie ganz hinweg kommen (ich bin im Pfälzer Wald aufgewachsen- im Mai und im Oktober überkommt es mich…) Ich liebe den Geruch, die Schätze, die wir finden, Thermoskannen mit Tee und Essen unter Bäumen. Wir wollen nirgends einkehren und uns nicht bewirten lassen, wir wollen einfach draußen sein. Ein Gott geschenkter happy place, ganz umsonst zu haben und nach ein paar Stunden werden wir alle ruhiger, zufriedener und entspannter.

Lesen…gute Kinderbücher und nicht ganz so gute Krimis. Gute Kinderbücher zum Vorlesen zu finden, wird immer schwieriger, einfach weil die Alterspanne zwischen acht und zwölf recht herausfordernd ist. Wir sind trotzdem fündig geworden und alle gebannt vom „Herrn der Diebe„. Ich persönlich mache mal wieder eine Zwischenlandung beim guten, alten, englischen Landhauskrimi. Da lande ich immer, wenn Herz und Hirn übervoll sind. Ich liebe das Lesen und gute Bücher, aber der Haken daran ist, dass ich häufig zu sehr mitfühle, zu sehr Teil der Handlung werde und dann leider nicht mehr abschalten kann. Passiert mir bei Inspector Jury und co nicht. Ein paar ordentliche Leichen in hübschen englischen Landschaften beunruhigen mich nicht all zu sehr (wobei sich ja schon manchmal die Frage stellt, wie da überhaupt noch Menschen leben können, bei der Mordrate..)

Picknick am Fluss…Wir haben zwar keinen Wald, aber dafür haben wir den Fluss, den großen Vater Rhein und der ist auch nicht zu verachten. Überhaupt, falls du noch auf der Suche nach einem Ferienvergnügen bist, dann pack die Kinder und das Abendessen ein und sucht euch draußen ein schönes Plätzchen. Am Fluss. Im Wald. Im Park, ganz egal. Hauptsache draußen. Und dann tankst du das goldene Oktoberlicht und saugst es in dir auf. Es hat mit Sicherheit ähnlich heilende Wirkung auf das Gemüt, wie „goldene Milch“ für dein Immunsystem. Und dann öffnest du die Augen und dein Herz für die kleinen, zauberhaften Schönheiten der Schöpfung und verwahrst sie gut, falls der Winter kalt und dunkel wird

Briefe…und zwar handgeschriebene. Dieser Tage flatterte mir einer dieser so rar gewordenen Kostbarkeiten ins Haus und ich habe mich so sehr darüber gefreut. Liebe M., ich danke dir so sehr! Nicht nur, weil es wirklich Menschen gibt, die sich in meinem kleinen Blogeckchen tatsächlich wohl fühlen und die durch meine Worte angesprochen werden, nein auch, weil du dir die Mühe gemacht hast, deine Gedanken mit Tinte aufs Papier zu bringen! Passend dazu hat mein Drittklässler seit einer kleinen Weile einen echten Brieffreund, vermittelt von seiner Lehrerin. Und auch er freut sich so sehr über Worte in Tinte und ungelenker Schrift auf Papier gekrakelt. Ich bin wild entschlossen, etwas von dieser Freude weiterzugeben und mir Briefpapier und ein paar Kärtchen zu besorgen. Weil E-Mail und whats app zwar schneller gehen, aber lange nicht so eine tiefe Reichweite haben

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Faul sein…ja ich denke, das ist es wohl, was wir gerade sind. Nicht rund um die Uhr, nein, dass nicht. Da sind immer noch so viele Vokabeln, ein Geschichtsreferat und eine Lektüre, zahlreiche Schränke, die ausgemistet werden müssen und viele Ideen, die auf Verwirklichung warten. Aber nach zwei bis drei Stunden ist Schluss. Dann suchen wir uns ein Plätzchen in der Sonne und sind faul. Ich freue mich an Robin Hood und seinen Gefährten, an winzigen Basteleien, an den kleinen Schönheiten, die unser Höfchen uns jetzt noch schenkt. Nicht so viel Ernte, aber sehr viel Dankbarkeit

Lachen…Manchmal, wenn sich das Alltagskarussell zu schnell dreht, vergesse ich vor lauter angespannt gucken das Lachen. Das Lächeln kommt mir selten abhanden, aber das tiefe, glucksende, herzliche Lachen schon. Dabei lache ich doch so gerne. Zur Zeit ist es wieder häufiger da, dem Himmel sei Dank. Und wir haben eine Netflix Serie entdeckt, die dem Lachen sofort auf die Sprünge hilft. Jack Whitehall ist „Unterwegs mit seinem Vater“ und ehrlich: wenn du britischen Humor magst, dann liegst du auf dem Boden und japst nach Luft. Wir haben mit der zweiten Staffel angefangen und sind schwer begeistert.

Ich wünsche dir auch ein bisschen Zeit, zum Draußen sein und Suppe kochen, zum Faul sein und für drei bis fünf Bücher, für etwas, dass dich zum Lachen bringt und zum Herbstluft schnuppern. Zeit für ein paar Worte von Herzen, ein paar Stunden an deinem happy place und ein wenig Dankbarkeit.