Ich möchte mir gerne ein Schatzkistchen ins Herz stellen. Ein kleines Kästchen, in dem ich all die Kostbarkeiten des Alltags, die Schönheit eines Augenblicks, die Kleinigkeiten, an denen mein Blick hängenbleibt und die mich erfreuen, aufbewahren kann. Eine Schatzsucherin des Alltags möchte ich sein, immer wieder neu
Diese Woche fällt es mir leicht, mein Schatzkästchen mit Kostbarkeiten zu füllen. Ganz verliebt bin ich in diese Tage, die das neue Jahr so wohltuend langsam angehen lassen, bevor es nächste Woche wieder volle Fahrt aufnimmt. Und so lege ich mir genau diese Tage hinein. Tage voller Nichtmüssen, ohne feste Termine, ohne Fahrdienste und Schuldruck. Alles ist gerade getan, was kommen soll, darf getrost noch zwei, drei Tage warten. In diesen Tagen gelingt es mir selbst, loszulassen und mich auf ihren Rhythmus einzustellen. Lange schlafen, nach Herzenslust rumtrödeln, frische Luft und schöne Spiele. Meine Augen sehen sehr wohl die Unordnung und die Schränke, die nach Entrümpelung rufen. Aber ich kann sie auf nächste Woche vertrösten und es beunruhigt mich nicht. Es ist ein wohliges Gefühl der Entspannung, das sich gerade einstellt und das Kraft schenkt, für die nächsten Wochen.
Schneezwerge lege ich in mein Kästchen. In unseren Breiten ist Schnee so selten, dass Dreijährige ihn dieses Jahr zum ersten Mal bewusst wahrgenommen haben. Ihnen beim Rumtollen zuzusehen, ihre fassungslose Begeisterung über das weiße Wunder genießen zu können, ja das ist wie Zuckerguss fürs Herz
Einen dicken Stapel Beziehungen lege ich dazu. In diesen Tagen hatten wir Zeit, um liebe Freunde zu besuchen, Freundschaften zu pflegen, aber wir haben jetzt auch Zeit unsere eigenen, innerfamiliären Beziehungen wachsen zu lassen. Und ich beobachte mit Freude, was da am Wachsen ist. Beziehungen brauchen Zeit, wollen gepflegt und behütet werden, wie zarte Pflänzchen. Und auch wenn wir so stark verwurzelt und miteinander verbunden sind, dass wir manche Dürre gut wegstecken, jetzt ist die Zeit zum ausgiebigen Gießen und Düngen. Ein großer Bruder der geduldig Bagger zeichnet für den baggerverrückten Zwerg. Hände, die sich beim Spaziergang finden, gemeinsames Malen und Vorlesen (und nicht ich lese vor!) Ich hoffe so sehr, dass diese Geschwisterbande ein Leben lang halten und tragen.
Gesundes Essen lege ich hinein. Ganz ehrlich, in den letzten Wochen habe ich die Fürsorgepflicht, die ichmir selbst gegenüber habe, stark vernachlässigt. Wenn Zeit und Nerven ein rares Gut werden, dann streiche ich zuerst bei mir selbst und zwar alles, was mir hilft, mich wohl zu fühlen. Sport und Bewegung, gesundes Essen und Zeit der Ruhe. Und wundere mich dann, wenn ich müde und erschöpft bin und die Hose kneift. Gerade macht es mir aber Freude, wieder gesund zu essen und ein wenig freundlicher zu mir selbst zu sein. Diese Woche stand schon Wirsing, ein leckerer Auberginenaufstrich und ein einfach unfassbar guter Rotkohlsalat mit Datteln auf dem Speiseplan. Und Nutellamuffins nach einem amerikanischen Rezept. Die waren deshalb so gesund, weil ich sie zwar gebacken, aber nicht gegessen habe. Und weil die Kinderschar nebst Spielbesuch restlos begeistert war. Begeisterung ist gesund.
Und zum guten Ende gesellen sich noch drei dick vermummte Könige in mein Herz. Warm eingepackt sind sie heute am Morgen losgezogen, um die Welt ein klein wenig heller zu machen. Und tausende anderer kleiner Könige werden es ihnen gleichtun. Das ist jedes Jahr aufs Neue wunderbar. Öffnet ihnen die Türen und die Herzen, bitte! Denn es geht zwar in allererster Linie um den guten Zweck, aber ein wenig eben auch um die Motivation kleiner und nicht mehr ganz so kleiner Menschen, ihre kostbare Ferienzeit in eine gute Sache zu investieren. Heute Abend werde ich meine erschöpften Könige in die Arme schließen und sie werden wahnsinnig stolz sein, auf das, was sie erreicht haben.
Noch schiebe ich den Gedanken an die nächste Woche erfolgreich beiseite. Nur sehr zaghaft trage ich Termine in den neuen Kalender ein. Aber wenn das Jahr dann Fahrt aufnehmen wird, wenn uns der Alltag wieder hat, dann werde ich mich gut gerüstet fühlen.