Sahneschnittchen und Schokomuffin

Dieser Tage trudelte ich mit meinen beiden SĂĽĂźen pĂĽnktlich 7.30 Uhr in unserem Kindergarten ein. Unseren ollen Familiensharan parkte ich vor der TĂĽre und zwar in direkter Nachbarschaft zu einem superschnittigen weiĂźen Mercedes. Nicht so ein Männerlimousinending in dunkelblau sondern die sportliche Ladyvariante ganz in weiĂź. Die dazugehörige Fahrerin brachte ebenfalls ihren Nachwuchs in die Kita und ganz ehrlich-  die Frau war der Hammer! Italienerin, das hörte man am Akkzent, lange dunkle Haare, enges KostĂĽm um Wahnsinnsfigur, perfekte Beine in High Heels und schönes Gesicht. Das gesamte Outfit war geschmackvoll und eindeutig kostspielig. Sie schien nett zu sein, zumindest schaute sie freundlich und wir wĂĽnschten  uns Guten Morgen, während wir beide KinderfĂĽĂźchen in Hausschuhe wurschtelten. Eine echte Sahneschnitte, da gibt es nichts zu deuteln. Ich persönlich entspringe ja eher der Kategorie Schokomuffin. Nicht das ich  das Haus verlassen wĂĽrde wie Lumpensammler Lieschen, nein, aber die Zeiten in denen ich morgens um 7 Uhr High Heels trug, sind lange vorbei. Nie war ich auch nur einen Milimeter größer als 1,62m und dieser tapfere Körper hat fĂĽnf Kinder geboren. Diesen Umstand kann er nicht verleugnen.  Ich hörte ein biĂźchen in mich hinein in Erwartung der Stimmen alt bekannter und vertrauter Freundinnen. Sie hören auf die Namen Selbstzweifel und Verunsicherung. Gerne kommen sie auch in Begleitung von Fräulein Sinn und Fräulein Wertlos. Ich wurde stutzig. Ich hörte noch ein wenig tiefer, aber nein- da war nichts. Nicht das leiseste Stimmchen meldete sich. Noch nicht mal ein zaghaftes “ ach wäre ich nur ein biĂźchen mehr wie sie…“ Kurz malte ich mir das zur Schönheit und Mercedes passende Haus aus. Und trotzdem und ganz ehrlich- da war nichts.

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BĂĽcher, BĂĽcher, BĂĽcher

Da traf es mich wirklich wie der Blitz: ich lebe  genau das Leben, dass ich immer leben wollte und immernoch leben will!! Ich bin zufrieden. Dieses mein Leben mit allem was dazu gehört,  ist wunderbar. Diese Erkenntnis erfüllt mich die ganzen Tage schon mit unglaublicher Freude. Ich liebe meinen Mann und meine Kinder, mehr als ich in Worte fassen kann. Ich liebe alles, was Familie so mit sich bringt, ja auch die unruhigen, dunklen und anstrengenden Tage, weil sie eben einfach dazugehören und das Bild komplett machen.  Ich liebe unsere Haus, das vollgestopft ist mit Menschen und Leben, mit selbstgemachten Bildern und Büchern und das so gar nicht schick, aber furchtbar gemütlich ist. Unser Zuhause. Ich kann mich nicht immer, aber trotzdem ganz gut leiden und es wird immer besser. Ich bin glücklich, mit den Dingen, die wir gemeinsam tun, ich bin glücklich mit den Dingen, die ich für die anderen tun darf, ich mag sogar das ganze, unberechenbare Chaos, dass dieses Leben mit sich bringt, auch wenn ich manchmal darüber schimpfe. Ich bin dankbar für ein Auto, das uns alle transportiert und mehr will ich gar nicht.  Ist das ein Segen! Mein Leben, ich wollte wirklich kein anderes haben!

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Privatgallerie

Sahnetorte und Schokomuffin küssten beide ihre Kinder, wünschten sich einen schönen Tag und stiegen in die Autos. Ich in unseren ollen Sharan, sie in den schicken Mercedes. Wir nickten uns nochmal zu, bevor jede von uns wieder in ihr Leben zurückfuhr. Ich hoffe wirklich von ganzem Herzen für sie, dass sie genauso dankbar und glücklich mit ihrem sein kann, wie ich mit meinem.

4 Kommentare zu „Sahneschnittchen und Schokomuffin“

  1. Wunderschön geschrieben! Ja, ich kenne die Schokomuffin-Jahre auch. Highheels war ich zwar nie als BĂĽcherleiterin, aber trotzdem. Auch jetzt bin ich noch Vollzeitmutter, aber da sich meine Mutteraufgaben geändert haben, kann ich auch schon mal wieder als „Sahneschnitte“ rumlaufen. Vornehmlich dann, wenn ich was vor habe. Nicht so sehr am All-Tag, denn mein Hund verträgt sich nicht mit meiner guten Hose. In diesem Sinne wĂĽnsche ich dir einen tollen Tag und ja es lohnt sich dieses Leben als Muffin-Mama. Ich bin jetzt in der „Ernte-Einfahr-Zeit“. Meine Kinder, (20,18,13 Jahre alt) sind toll! Lieben GruĂź Sandra

    1. Auch ich war lange,gefĂĽhlt ein halbes leben schokomuffin..
      Nun darf ich auĂźer haus arbeiten.
      Hohe schuhe waren nie mein ding…,aber ohne pampers in der handtasche ist das leben auch schön: gott sagt zu mir: mädchen ruh dich aus
      Du bist zu lange auf hoher see gefahren…manchmal bin ich fast von bord gefallen.
      In den vielen jahren mit kleinem kindern habe ich oft meinen namen vergessen.ich hieĂź nur mama.
      Viele wunden habe ich mir gerissen und sie heilen nur gaaaanz langsam..
      Gott hat mich nie verlassen.
      Damals nicht als schokomuffin und heut nicht als sahneschnitte auf dem weg.maria

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