Mit Rat und Tat

„Können Sie es mir bitte aufschreiben? Ich habe nämlich ein Hirn, wie ein Sieb!“ Ich komme gerade von der Augenärztin und wo ich schon mal da war, habe ich für den Gatten auch gleich einen Termin gemacht. Die nette Frau hinter dem Tresen hat freundlicherweise alles aufnotiert, denn spätestens im Zug wäre ich ins Grübeln gekommen. Wann hatte ich noch gleich?! Ich habe nicht nur ein Hirn durch das alle Termine rieseln wie Sand, sondern brauche jetzt auch eine Gleitsichtbrille. Hmpf. Ehrlicherweise brauchte ich letztere schon vor einem Jahr. Die Augenärztin runzelte erst die Stirn und wies dann darauf hin, dass sie das Rezept doch bereits im Januar 2022…Ich hätte also nicht??? „Nein. Habe ich nicht. Ich war bockig in mir drin.“ Gott sei dank fing sie an zu lachen. Gott sei Dank sagte sie, ihr sei es genau so ergangen. „Nützt aber nix!“, stellte sie fest. Stimmt. Es ist nicht so, als sei ich immer renitent gegenüber ärztlichen Ratschlägen, aber manches braucht halt seine Zeit und hin und wieder bin ich bockig.

Was ich nicht vergessen habe: vor kaum zwei Wochen habe ich hier in diesem Eckchen darüber geschrieben, dass ich gar keinen Kleinkinderalltagskram mehr schreibend verkraften muss, weil ich keine Kleinkinder mehr habe. Was ich auch nicht vergessen habe: wie es war, als uns der Kleinkinderalltag fest im Griff hatte und ich im Minutentakt von freudiger Glückseligkeit in überforderte Ratlosigkeit stürzte und wieder zurück. So viele Fragen, so viele Rätsel, so viele lose Enden und so viel bleierne Müdigkeit. Weil ich glaube, dass Eltern und ihre Kinder trotzdem ganz hervorragend ausgestattet sind, um gemeinsam durch diesen Irrgarten des Lebens mit all seinen Rätseln hindurchzukommen, habe ich mein erstes Buch geschrieben, weißt du noch? Falls nicht, dann findest du es hier. Du findest darin auch, warum ich von der immensen Fülle an Ratgebern und allen theoretischen Bedienungsanleitungen für ein gelingendes Familienleben wenig bis gar nichts halte. Noch weniger halte ich von erhobenen Zeigefingern, starren Glaubenssätzen und strikten Konzepten. Nichts desto Trotz sind da jede Menge Fragen und Rätsel und bleierne Müdigkeit.

Mit unserem ersten Bündel Mensch im Arm hätte ich die ein oder andere Frage gerne gestellt und ich hätte gerne eine liebevolle Antwort darauf gehabt. Auf manches Rätsel hätte ich gerne verzichtet und manchmal wäre etwas freundliche Erfahrung von Außen eine willkommene, wärmende Decke gewesen. Guter Rat macht mich nicht renitent, noch nicht mal bockig, wenn er kein getarnter Schlag ist, wenn er nicht als altkluger Besserwisser und Lösung für alle Umstände um die Ecke kommt. Ach, für junge Eltern ändert sich so viel, nicht weniger als das ganze Leben. Und wie sehr brauchen sie jemanden, an den sich sich wenden können mit all ihre Fragen und ihren Rätseln und ihrer bleiernen Müdigkeit. Nicht jeder hat eine erfahrene und liebevolle Freundin oder Oma auf dem Sofa sitzen, die unterstützt ohne zu entmündigen, beisteht ohne in den Wahnsinn zu treiben und trotzdem über einen großen Schatz an Erfahrung und Wissen verfügt.

Meine Freundin Daniela Albert hat ein neues Buch geschrieben und darin genau das geschafft. Als Erziehungswissenschaftlerin und ordentlich ausgebildete Familienberaterin hätte sie ohne Mühe einen weiteren klassischen Ratgeber auf den Markt schmeißen können, inhaltlich richtig und faktenbasiert. Und in etwa genauso hilfreich wie ein Mathebuch in Stochhastik, wenn du vor der Frage stehst, was ein Viertel Pfund Mehl und ein Stich Butter im Kuchen wohl heißen mag. Stattdessen hat sie ihr fundiertes Wissen mit all ihren ganz persönlichen Mamageschichten, ihrem eigenen Weg durch den Dschungel der ersten Jahre, ihren Fragen und Sorgen kombiniert. Du fühlst dich nicht belehrt, sondern verstanden und aufgehoben, gerade so, als säße eine erfahrene und liebevolle Freundin bei dir auf dem Sofa. Das ist die große Stärke dieses Buches und weil Daniela eine ganz wunderbare Sprache hat, plaudert es sich ausgesprochen entspannt mit der neuen Freundin auf deiner Couch. Da du jede Menge Fragen hast, gibt sie dir ordentliche Antworten, auf dem neuesten Stand und verständlich erklärt. Weil du endlich ein paar Rätsel entkniffeln willst, hat sie ganz praktische Vorschläge zu deren Lösung für dich, vielleicht probierst du sie aus? Und weil die bleierne Müdigkeit ja auch immer mit auf dem Sofa sitzt, ist dieses Buch sehr übersichtlich strukturiert und das Wichtigste nochmal in Kürze zusammengefasst.

„Kleine Kinder, starke Wurzeln“ ist ein Begleiter durch die ersten Jahre mit kleinen Kindern und ist selbst tief im christlichen Menschenbild verwurzelt. Er spricht sich für eine liebevolle, zugewandte Elternschaft aus. Daniela macht Mut, die ein oder anderen Glaubenssätze, die seit viel zu vielen Jahrzehnten durch die Kinderzimmer geistern und eine einzige Plage am zarten Wurzelwerk Kindheit sind, zu Gunsten eines bedürfnisorientierten gemeinsamen Weges aufzulösen (Bedürfnisorientiert, nur weil sich der Mythos immer noch hartnäckig hält, heißt nicht grenzenlos. Bedürfnisse haben Kinder und Eltern und die ganze Familie. Es lohnt sich, sie alle in den Blick zu nehmen). Vor sechzehn Jahren wäre ich froh gewesen, ein solches Buch zur Hand gehabt zu haben. Ein Freundinnenbuch, kein Ratgeberbuch. Eines, das hilft, die Dinge klarer zu sehen, ganz wie eine Gleitsichtbrille. Eine Stütze, wenn in den turbulenten Tagen deiner Hirn löchrig ist, wie ein Sieb ist. Eines, das du nicht bockig in die Ecke werfen musst, weil du die blöden Ratschläge nicht hören kannst. Genau so eines.

Vielleicht bist du selbst junge Mama (oder Papa) und wünschst dringend gute Gesellschaft auf dem Sofa. Vielleicht kennst du jemanden, der ganz am Anfang dieser wilden Reise steht und etwas Unterstützung gut gebrauchen könnte. Dann habe ich etwas für dich. Zwei Exemplare von „Kleine Kinder, starke Wurzeln-bedürfnisorientiert durch die ersten Jahre“ darf ich verschenken. Hinterlasse doch einfach einen Kommentar und mit etwas Glück…, na du weißt schon.

So, ich kehre zurück in meinen Nicht-Kleinkinderalltag voller Fragen und Rätsel und suche mir einen ordentlichen Optiker. Ich schätze, bis Frau Albert endlich auch einen Begleiter für diese turbulenten Jahre geschrieben hat, bin ich aus der Nummer raus. Schade eigentlich…

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26 Kommentare zu „Mit Rat und Tat“

  1. Oh dieses Buch von dem du schreibst, das klingt ganz wunderbar. Ich würde mich sehr freuen wenn ich es lesen darf ?

    1. Oh ja! Das klingt nach noch einem wunderbar ermutigenden Buch, was mir eine Freude wäre zu lesen.
      Bei deinem Buch musste ich mich richtig bremsen- es wäre einfach zu schade gewesen, es in kürzester Zeit zu verschlingen. So habe ich es bewusst und häppchenweise genossen. Es tat einfach so wohl und ich fühlte mich beim Lesen durch und durch verstanden.
      Ich mag deine ehrliche, ermutigende, humorvolle, authentische und frische Art zu schreiben so sehr!
      Sophia ?

    2. Vielen Dank für den Buchtip. Ich habe eine Freundin der ich es gern schenken würde. LG und danke für dein schreiben und teilen.

  2. Veronika Maierhofer

    Oh, wie schön, ein neuer Text von dir! Da war meine Kaffeepause heute Vormittag gleich doppelt schön ?
    Und das Buch, das du vorstellst, macht noch mehr Lust auf Lesen. Als Mama einer zweijährigen Tochter und eines weiteren kleinen Menschleins, das im Juli auf die Welt kommt, bin ich tatsächlich gerade auf der Suche nach ein bisschen Begleitung für die kommende aufregende Zeit – ich würde mich also sehr über ein Exemplar freuen!!
    Lass dir liebe Grüße aus dem matschigen Bayern da ?

    1. Das klingt ganz wunderbar. Ich bin noch drin. Im Chaos, dem Schönen und der nicht endenden Müdigkeit. Und freu mich immer sehr über die mutmachenden Texte von dir!

  3. Hallo Sandra, ich wollte dir schon ewig mal einen Kommentar hinterlassen und jetzt ist der Anstoß da ?
    Ich liebe deine Texte. Sie haben mich durch die Nächte der letzten Monate nach der Geburt von unserem 3. Kind getragen und ich hab gefühlt alle Blogbeiträge gelesen. Ich mag deinen Schreibstil so so gerne, weil er so liebevoll euren Alltag beschreibt und du (auch in deinem Buch) niemals verurteilst oder Tipps gibst bei denen man sich schlecht fühlen muss, wenn man sie nicht umsetzen kann weil man einfach keine Kraft mehr hat für gar nix.
    Ich schicke dir eine virtuelle Umarmung und danke dir ganz herzlich, deine Lydia

    1. Hallo Sandra, dein und Danielas Blog sind bei mir gespeichert und ich freue mich immer, wenn ihr Worte findet für Gefühle, die bei mir als Mama auch auftauchen. Danke für deine Arbeit. Über das Buch würde ich mich sehr freuen. Liebe Grüße Luisa

  4. Das hört sich genau nach dem Buch an, das ich & mein Sessel/wir zu Hause bräuchte/n… Wie würde ich mich darüber freuen! Mache schonmal ein Plätzchen neben mir frei;) Herzliche Grüße, MaikeSarah

  5. „… und ich im Minutentakt von freudiger Glückseligkeit in überforderte Ratlosigkeit stürzte und wieder zurück.“ Danke Dir, Sandra, für Deine so passende Beschreibung. Meine Tochter wird dieses Frühjahr drei und ich finde mich in Deinen Worten wieder. Um so mehr würde ich mich über das von Dir empfohlene Buch freuen. Liebe Grüße Sandra

    1. Wir haben letztes Jahr unser viertes Kind bekommen und würden uns sehr über das Buch freuen! Danke für deine stets toll zu lesenden, inspirierenden Worte!

  6. Hallo Sandra,
    hab schon auf einen Beitrag von dir gewartet 😉 Wie schön. Hab schon überlegt, dass Buch zu bestellen. Vielleicht klappt es ja auch so. Finde ich jedenfalls ein super spannendes Thema. Danke dir!

    1. Anne von leben eben

      Vielen Dank für den neuerlichen Post. Ich freue mich immer wenn es etwas neues zu lesen gibt.
      Die Große ist nun gerade vier (und schon so riesig groß und gefühlt selbstständig) aber mit dem Baby im Sommer geht es nochmal neu los, mit Kleinkindzeit. Von daher versuche ich mein Glück (und schreibe es auf die Geburtstags Wunschliste).
      Liebe Grüße Anne

    2. Liebe Sandra, dein Blogeckchen ist mir mittlerweile über die Jahre zu einem vertrauten Zufluchtsort geworden – gerade dann, wenn es hier sehr trubelig zugeht, schaue ich oft (auf dem Klo, wenn nötig), ob du etwas Neues geschrieben hast. Danke für alle Inspiration und Ermutigung, die ich durch deine Worte erfahren habe. Sei gesegnet, Sara

  7. Ich finde deinen Blog wunderbar und hebe einen neuen Blogeintrag immer für einen besonderen Moment in der Woche auf. Schön, dass du deine Gabe Dinge in Worte zu fassen und so erfrischend zu formulieren mit uns teilst. Ich nehme gerne an der Buchverlosung teil…

  8. Da hast du ja ordentlich die Werbetrommel für dieses Buch gerührt ? jetzt habe ich richtig Lust es zu lesen! Du schreibst so begeistert von diesem Buch und man merkt, dass es von Herzen kommt. ?

  9. Oh, ich liebe sie, deine Beiträge und deine wunderbare Art, Sprache zu nutzen! Wenn du so von einem Buch schwärmst, muss es super sein und ich hüpfe gerne in deinen Lostopf…um es selbst zu lesen und dann weiterzugeben.
    Gottes Segen dir!

  10. Oh- das Buch würde ich sehr gern lesen 🙂

    Vielen Dank für deinen wundervollen Blog- ich warte schon immer sehnsüchtig auf einen neuen Beitrag, um ihn dann in der Mittagspause genüsslich auf dem Sofa zu lesen 😉 Gerade deine letzten Beiträge über die größer werdenden Kinder haben mich sehr angesprochen, vielleicht auch, weil es mir nochmal vor Augen geführt hat, wie schnell die anstrengenden, aber auch wahnsinnig schönen Kleinkinderjahre vergehen. Und dass die Zeit danach mit größeren Kindern auch wieder viel Spannendes und Schönes bereit hält.
    Liebe Grüße
    Rebekka

  11. Liebe Sandra,

    noch nie einen Kommentar geschrieben, aber jetzt zum Losen mitmachen… fühlt sich bisschen falsch an.

    Mein großer Mann und die kleinen Zwerge schlafen gerade und nachdem ich schnell noch den Tisch abgeräumt und die Wäsche aufgehangen habe, dachte ich, ich schaue bei dir vorbei, nach ein paar ermutigenden Worten, die Welt mit positiven Augen, aus neuen Blickwinkeln und in allen Farbnuancen zu betrachten. Fällt mir immer noch oft schwer und nebenbei schleicht sich regelmäßig die Angst ein, deshalb etwas Wichtiges zu verpassen. Der Satz: „Sie werden so schnell groß.“ oder „Diese Zeit ist so wertvoll! Wie Kinder die Welt entdecken.“ höre ich schließlich ständig und habe ich mir auch selbst schon gesagt. 😉

    Deine Beschreibung von „Kleine Kinder, starke Wurzeln“ trifft genau eines meiner schlaflosen Nächte Probleme: Wie begleite und erziehe ich gerade jetzt in der Autonomiephase, so dass Stärke und Selbstbewusstsein in gleichem Maße vorhanden ist wie Mitgefühl und Kompromissbereitschaft? Und dann noch unter Berücksichtigung meiner eigenen Grenzen und Möglichkeiten. Das vergesse ich oft selbst – dass auch ich als Mama meine Grenzen habe. Das Buch wandert also ganz nach oben auf die Wunschliste.

    Und dir, liebe Sandra, trotz, dass es eines Anlasses bedurfte, von Herzen danke, dass du dich irgendwann getraut hast, deine Gedanken in Worte zu schreiben. Gottes überreichen Segen wünsche ich dir.
    Carina

  12. Mirjam Eggimann

    Sehr schön geschrieben. Ich befasse mich schon länger mit Bedürfnissorientierter Erziehung und finde ganz schön dass du hier von allen Bedürnissen sprichst: Denen der Kinder, der Eltern und der ganzen Familie. Als Mama von 4 Jungs weiss ich dass es eine Kunst ist, allen Bedürfnissen gerecht zu werden, dass es Fantasie und Kreativität braucht und ich dabei manchmal auch stolppere. Trotzdem bin ich überzeugt dass sich dieser Weg lohnt indem die Beziehung zu unseren Kinder im Zentrum steht.

    Liebe Grüsse,

    Mirjam

  13. Liebe Sandra, über dieses Buch würde ich mich sehr freuen! Von Herzen danke ich dir für die Zeit, die du hier investierst und für deine Offenheit. Immer wieder bereichern, inspirieren und erfreuen mich deine Texte. Danke! Ganz liebe Grüße, Nadia

  14. Liebe Sandra,
    gerade vor ein paar Tagen bin ich wieder mal über das Thema bedürfnisorientierte Erziehung gestolpert-da käme mir das Buch ganz gelegen?
    Ich würde mich freuen!
    Liebe Grüße aus dem Schwarzwald,
    Sandra

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